Zwischen Modernisierung und Bewahrung

Von der Synode, geleitet von Nordhausens SPD-Oberbürgermeisterin Barbara Rinke, ist bislang kein Impuls für die Schärfung des evangelischen Profils ausgegangen. Der Wandel bleibt ein Prozess, den eine fordernde EKD-Spitze in informeller Abstimmung mit einzelnen Landeskirchen und regionalen Initiativen in Gang hält. Dass dabei das EKD-Kirchenparlament kaum eine Rolle spielt, liegt auch an jenen Synodalen, die sich lieber mit politischen Themen beschäftigen würden und glauben, die Öffentlichkeit erwarte Aufrufe gegen Kinderarmut oder Flüchtlingsabschiebungen.

Auch wenn ich dem Beginn der Session vorgreife: ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin. Nicht dass es auf katholischer Seite überall zum besten stehen würde; mit schwindenden Gläubigen und Priestern, sexuellem Missbrauch, Geldmangel und Angriffen durch Sekten hat die Kirche auch einige Schwierigkeiten, die noch zu bewältigen sind. Trotz allem hat es die Kirche aber geschafft, ihre Corporate Identity bis in dieses Jahrhundert zu bewahren. Sicherlich trifft die nicht bei allen Katholiken, Anders- und Nichtgläubigen auf Zustimmung, doch letztendlich wissen alle was sie von Rom erwarten können. Die EKD hingegen arbeitet seit Jahren an ihrem Spagat zwischen Modernisierung und Bewahrung, wobei sie meines Wissens beständig an Mitgliedern verliert, die sich Freikirchen oder ganz anderen Richtungen zuwenden, ohne sich ein wirkliches Profil zu verschaffen. Vielleicht sieht es auf der Ebene der durchschnittlichen Gemeinde anders aus, aber als ganz normaler Protestant würde ich mir zur Zeit ehrliche Sorgen um meine Kirche machen. Zumindest würde ich mich fragen, was nach fast 500 Jahren noch mit der Kirche Luthers übereinstimmt.

Auf der Synode macht sich Missmut breit

8 Kommentare

vielleicht sollte man die profillosigkeit zum prinzip erheben? - andererseits: mir fallen schon spontan stichworte ein, die ich mit "evangelisch" verbinde. aus'm bauch heraus:

evangelische freiheit, gnade vs. werkgerechtigkeit, rechtfertigung, choräle, kirchenmusik (bach!!!), lutherübersetzung.

mh. aber da hört es auf.

1, Man darf bitte die Abwanderer in die richtige Richtung nicht vergessen; bin mit einer verheiratet.

2. Wenn der Satz gilt: "Eine gute Häresie dauert 500 Jahre", sinds ja nur noch 10 Jahre!

frauen als priester!

nur als ergaenzung zu meinem vorausgehenden kommentar, der war als frage gedacht, etwa so: koennte man das frauenpriestertum evtl. vielleicht auch mit "evangelisch" verbinden?

@beisasse
>evangelische freiheit

Gut, aber wie oder wodurch äußert sie sich.

@inge
Ich glaube die SELK würde das verneinen :)

auf welch paedagogisch wertvolles blog bin ich denn hier gestossen (-;

ich komme nicht umhin darueber nachzudenken, evtl. bei der dt bischofskonferenz die verleihung eines guetesiegels im sinne, z.b. einer "e-missio canonica" fuer besonders lehrreiche blogs anzuregen.

was meint die holde maennerrunde hierzu?

@inge und Frank: weltweit verneinen die meisten evangelischen kirchen das frauenpriestertum.

dieses ganze gequatsche auf synoden und das herausgeben von irgendwelchen impulspapieren wird die kirche nicht wirklich weiterbringen. zentralisierung auch nicht, denn das wäre total "un-lutherisch".
mission ist das einzige was zählt, aber um das zu bewerkstelligen braucht man starke kirchengemeinden und vor allem gläubige menschen. die sind eher mangelware, weshalb ein großer teil der evangelischen gemeinden in der beliebigkeit versinkt, zwischen reinem kultur-, intellektuellem und sozial-christentum.
da wo glaube und mission hingegen noch eine wichtige rolle spielen (meistens durch missionarische bewegungen, pietisten oder andere evangelikale), ist die ortsgemeinde in der regel deutlich stärker "aufgestellt". aber die gemeinden, die ein klares bekenntnis haben, musst du regelrecht suchen.

naja, ich seh es auch positiv: je mehr menschen aus der evangelischen kirche austreten, desto stärker wird die position und der einfluss der evangelikalen innerhalb der landeskirchen. das hat sich in letzter zeit immer mal wieder gezeigt und wird sich in zukunft hoffentlich noch deutlicher zeigen.
wir unterwandern die ekd. ;)

>wir unterwandern die ekd

Und was gibt es dann? Abschaffung der Kindstaufe, Gottesdienste mit Tageslichtprojektor und Salbung im Geist während sich die Gläubigen zu Popmusik winden? Luther würde sich herzlichst bedanken.

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