Erzbischof ZollitschSeine Exzellenz der Hochwürdigste Herr Bischof Zollitsch scheint kein Mann der langsamen Gangart zu sein. Kaum ein paar Tage im Amt, greift er sich gleich eines der heißesten katholischen Eisen, den Zölibat, erklärt dass die Verbindung zwischen Priestertum und Ehelosigkeit “nicht theologisch notwendig” sei und wendet sich “gegen Denkverbote” bei diesem Thema. Jetzt könnte man glauben, mit dem als liberal geltenden Erzbischof Zollitsch sei ein Revoluzzer an die Spitze der deutschen Kirche getreten, der jahrhundertealte Dogmen über Bord werfen will. Genau betrachtet sind die Aussagen dann aber doch nicht so revolutionär, denn mit dem Zölibat würde gegebenenfalls eine alte Praxis fallen, nicht aber ein Fundament des Priestertums. Seit dem 2. Laterankonzil im Jahr 1139 ist der Zölibat für den Empfang der Priesterweihe in der westlichen Kirche verpflichtend. Trotzdem sagt das 2. Vaticanum:

"Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen, in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt. Zwar ist sie nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt.”
- 2. Vaticanum, Presbyterorum ordinis, 16

Machbar wäre ein Abschied vom Zölibat also jederzeit, es bräuchte dazu ein Konzil und es wäre ein Beschluss, bei der “ein Teil der Kirche nicht mitginge”, wie es Erzbischof Zollitsch realistisch einschätzt. Alle anderen Meinungen zu diesem Thema sind rein subjektiv; man kann mit der Bibel dafür oder dagegen argumentieren, genauso wie man die rein pragmatischen Vor- und Nachteile dieser Praxis diskutieren kann. Letztendlich müssen die Betroffenen darüber reden, denn mir persönlich wäre es egal, ob der Pfarrer in Ehelosigkeit lebt oder ob ich ihn mit seiner Gattin zum Kaffee einladen kann.

Für mich als kirchlichen und theologischen Laien ist die Aussage des Bischofs zur EKD interessanter. Denn wenn er sagt, sie “ist Kirche. Ich kann ihr das nicht absprechen”, widerspricht er damit meiner Meinung nach der offiziellen Lehre der Kirche. Dies ist aber auch nur ein weiterer Schnipsel aus dem Interview, das in voller Länge erst in der nächsten Ausgabe des Spiegel erscheinen wird. Warten wir also ab.

Erzbischof Robert Zollitsch im Spiegel-Interview

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