Wider den Kreationismus
Veröffentlicht am 17.02. 2008
Dafür muss man sich erstmal interessieren

Auf der Website der EKD habe ich interessante Texte entdeckt, die sich äußerst sachlich mit dem Kreationismus und seiner Abart dem Intelligent Design auseinander setzen. Dabei wird die Weltsicht des Schöpfungsglauben und die Denkfehler im Gegensatz zum rein wissenschaftlichen Ansatz erläutert. Folgende Aussage finde ich besonders wichtig:
Nach wie vor ist die wichtige Grundregel im Umgang mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu beachten, daß Gott nicht als Lückenbüßer in die offenen Lücken menschlicher Erkenntnisse geschoben werden darf. Wenn Kreationisten solche Lücken im Bereich der Evolution aufspüren, um an ihnen das direkte Eingreifen Gottes zu demonstrieren, leisten sie Gott einen schlechten Dienst. Denn sie schieben ihn mit jeder dann durch neue Erkenntnis wieder geschlossenen Lücke aus der Welt hinaus, in die sie ihn doch gerade hineinholen wollten und in die er – obwohl kategorial von ihr unterschieden – als Grund, Ursache und Wirkprinzip aller Wirklichkeit auch hineingehört.
Orientierungshilfen zum Kreationismus zur eigenen Urteilsbildung
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Bisher 8 Kommentare
Kennst Du eigentlich diesen Artikel von Martin Rhonheimer über die Frage des Intelligent Design? Gehört sicher zu dem Gescheitesten, was von katholischer Seite darüber geschrieben wurde:
http://www.imabe.org/index.php?id=600
Ist ja alles schön und gut.
Es wäre aber auch nicht schlecht, in der Frage in beide Richtungen zu argumentieren, d.h. sich auch mit einem evolutionär verbrämten Materialismus auseinanderzusetzen.
bravo!
dass der kreationismus biologen und ernsthafte wissenschaftlergenerationen beleidigt ist einleuchtend, dass er aber einem von der aufklaerung voellig unberuehrten und kleinkarierten gottesbild huldigt, das kann ruhig oefter mal gesagt werden.
@Petra
Danke für den Hinweis, den Artikel kannte ich noch nicht. Er ist wirklich sehr interessant und vor allem auch verständlich geschrieben.
PS: Du liest ja doch noch Blogs. Ich bin froh :)
@str1977
Ich persönlich halte das genauso für einen Missbrauch der Wissenschaft wie ID. Beim Kreationismus sehe ich persönlich aber die Gefahr, dass irgendwann alle Christen mit diesen Leuten über einen Kamm geschoren werden. Deshalb sehe ich Kreationisten als das größere Problem an als Atheisten, die ihr Weltbild mit der Evolution begründen wollen.
Ein interessantes Interview mit einem Freund von mir (der bloß leider Anhänger der Stringtheorie ist, einer Theorie ähnlich unwissenschaftlich wie Kreationismus, HÄHÄHÄHÄ!)
http://www.erziehungstrends.de/node/531
Sehr schön finde ich folgenden passus:
KOMMA: Wie steht es mit der anderen Seite der Medaille? Gibt es unerklärte wissenschaftliche Fakten, die vielleicht eine übernatürliche Erklärung haben könnten?
Dr. de Haro: Das wäre so, als ob man einen „Gott für die Lücken“ verfechten würde. Ich glaube, das ist auch etwas, das wir im Laufe der letzten Jahrhunderte gelernt haben: Natürliche Phänomene sollten durch natürliche Gesetze erklärt werden. Das ist das Ziel der Wissenschaft. Es gibt keine Engel, die dafür sorgen, daß die Planeten sich auf ihren Umlaufbahnen durch den Himmel bewegen. In jeder Wissenschaft gibt es immer Tatsachen, die bislang ungeklärt sind, aber das liefert uns keine Entschuldigung dafür, uns auf das Übernatürliche zu berufen, wenn wir keine wissenschaftlichen Erklärungen haben.
Andere, nicht direkt mit Kreationismus, aber imho schon mit dem Bild der Wissenschaft aus christlicher Sicht zu tun habende Frage: Was haltet ihr eigentlich von Gabriele Amort und dem Interview mit ihm seinerzeit auf kath.net und im Vatikan-Magazin?
@FingO
Kluger Redner dein Freund, auch wenn du die Stringtheorie anscheinden nicht magst :)
>Gabriele Amorth
Meinst du dieses Interview? Dann würde ich sagen, dass er schon wissen wird wovon er spricht. Er sieht ja auch nicht überall die Dämonen lauern, wie manche seiner evangelikalen Kollegen. Allerdings ist das eine Sache, die wie der gesamte Glaube an übernatürliche Kräfte außerhalb des Bereichs der Wissenschaft liegt.
Um ehrlich zu sein, bei allem Respekt vor ihm als Exorzisten, aber das gesamte Interview las sich paranoid und abergläubisch.
ganz besonders gut finde ich den text von Dr. Reinhard Hempelmann, v.a. folgendes:
“Die Sprache des Glaubens und die Sprache der Wissenschaft sind zwei unterschiedliche Sprachen, auch wenn sie sich auf dieselbe Sache beziehen.”
57 jahre nach Ludwig Wittgenstein http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Wittgenstein
sollte das eigentlich eine selbstverstaendlichkeit sein.