Warum die Templer wirklich sterben mussten
16. Oktober 2007
Die Templer waren die Verkörperung der Ideale jener Zeit, des Mönchtums wie des Rittertums. Nachdem der erste Kreuzzug in einem Blutbad endete und das weltliche Rittertum seine hässliche Fratze von Gier und Grausamkeit gezeigt hatte, führten die Templer ihrer Zeit vor Augen, dass es auch anders ging, dass sich Stärke und Glauben vereinen ließen.
Paul Badde sprach mit dem Experten Michael Hesemann, der das “Chinon-Pergament”, die Prozessakte gegen den sagenumwobenen Templerorden seit einem Jahr untersuchen konnte. Hesemann hält das Dokument aus dem frühen 14. Jahrhundert für sensationell, weil es bezeugt, dass der damalige Papst Clemens V. den Orden nicht wegen seiner Vergehen gegen Glaube und Kirche, sondern auf Druck des Königs Philipp IV. auflöste. Mit diesem Schritt wollte der Papst größeren Schaden von der Kirche abwenden und opferte dafür viele Männer von denen er wusste, dass sie ihm und der Kirche treu ergeben waren. Der Vatikan wird das vollständige Dokument am 25. Oktober veröffentlichen und damit jahrhundertealte Spekulationen um den bis heute mysteriösen Orden beenden.
Interview mit Michael Hesemann zum Chinon-Pergament über die Tempelritter
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interview, Kirche, Mutter Kirche, politisch








Bisher 9 Kommentare:
Sensationell ist es insofern nicht, als diese Gründe für die Auflösung schon lange bekannt waren. Hätte es tatsächlich Glaubensgründe gegeben, wäre er nicht einfach per Entscheid aufgehoben sondern verurteilt und verboten worden.
Was aber nicht stimmt, ist viele Männer geopfert wurdern. Die waren ja durch die Maßnahmen Philipps schon betroffen. Der Papst war nicht in einer Lage, dies aufhalten zu können.
Die Auflösung bedeutete für die Ordensangehörigen einen Einschnitt. Sie mußten sich um eine andere Existenz bemühen (z.B. bei anderen Orden), wurde aber nicht geopfert.
Die Auflösung hat möglicherweise sogar ein Übergreifen des ganzen auf andere Länder (interessierte Fürsten) verhindert.
ich wollte nur darauf hinweisen, dass man das Chinon Dokument virtuell besichtigen kann:
im ASV im Vatikan
http://asv.vatican.va/de/visit/doc/zoom03.html
Gruesse
Ralf
@Ralf
Cool. Warum macht man dann plötzlich so ein Drama über ein veröffentlichtes Dokument über einen schrägen Ritterorden aus dem Mittelalter?
@str1977
So ganz ohne Opfer war es dann doch nicht, schließlich mussten nicht nur die Oberen des Ordens sondern auch eine ganze Menge einfacher Templer mit dem Leben bezahlen. Aus politischen Gründen ist der Entschluss des Papstes zur damaligen Zeit zwar verständlich, eine Ruhmestat ist es trotzdem nicht.
Warum zerschlagen ?
Die Templer hatten handelsmaessig Zugriff auf das Gold des Sudan und waren schlichtweg zu einem Trust geworden, den jeder halbwegs ausgeschlafener Monarch zerschlagen muss.
Da hilft auch kein Vater Unser auf den Lippen.
:)
Ralf
Frank,
schon klar, daß viele mit ihrem Leben bezahlen mußten. Schlimm Schlimm Schlimm!!!
Aber nicht wegen der Auflösung (bzw. wie ich inzwischen spitzfindig dazu gelernt habe: Suspendierung) des Ordens, sondern wegen der Maßnahmen König Philipps.
Sicher ist das Verhalten von Clemens (aber nicht so sehr die Ordensauflösung selbst, mehr die Reaktion vorher) keine Ruhmestat, aber er war auch damals in einer denkbar schlechten Lage. Heesemann übersieht ja auch, daß Bonifaz mit seiner Politik grandios gescheitert war.
Ralf,
ich hoffe mal, daß das ironisch gemeint war. ;-)
@Ralf
So betrachtet erscheint es natürlich logisch. Weltpolitik war vor 700 Jahren schließlich nicht weniger schäbig als heute :)
Frank, die Portugiesen haben damals schon ihre Fähigkeit bewiesen, an fremdes Geld zu kommen.
Heute bis 2012 erhalten sie 10 Mio Euro täglich.
Damals haben sie flugs eine Auffanggesellschaft, den Christusorden, gegründet (was ja jeder weiss).
Was weniger bekannt ist, ist die Tatsache, daß nicht etwa “Portugal” sondern nur der Christusorden in aller Welt die Kolonien “nehmen” durfte mit Erlaubnis/Vollmacht des Papstes.
Deswegen war Vasco da Gama auf dem Schiff.
Gelenkt/befohlen wird ein Schiff in Portugal von dem “Piloten”. Vasco war aber der Kapitaen und von Seefahrt 0 Ahnung war aber der “Politoffizier” im Namen des Ordens….
str1977, kaum war der Orden überholt und die Juden erfolgreich vertrieben, wurde Portugal, das mächtigste Weltreich, augenblicklich zum Armenhaus.
(in meinem Namen link zu meinem Geschi-Blog)
:)
Ralf
Ralf,
danke für den Link.
Ich sehe aber keine Antwort auf meine Frage.
Frank kann ich zustimmen. Schäbig bleibt schäbig (und illegal übrigens illegal) - es sind immer die schäbigen, die meinen man müsse etwas tun, sei es nun Steuernhinterziehen oder das Rauben fremden Eigentums wie im Falle Philipps.
Sooo viele Templer mussten die Auflösung des Ordens nun auch nicht gerade mit dem Leben bezahlen. Hingerichtet wurden einige französische Templer, darunter der Ordensgroßmeister Jakob von Molay, weil sie ihre Geständnisse wiederrufen hatten. Das galt als Rückfall in die Häresie, was nach mittelalterlichem Recht mit dem Tode bestraft wurde. Klar, auch diese waren unschuldige Opfer, aber ich will dem Eindruck entgegentreten, es hätte ein europaweites Massaker an den Templern gegeben, wie es oft in Verschwörungstheorien kolportiert wird.
Übrigens war es wohl kaum ein ausreichendes Motiv für die Auflösung des Templerordens, eine Wirtschaftsmacht zerschlagen zu wollen. Der Johanniterorden war nämlich fast ebenso reich wie der Templerorden, blieb aber unbehelligt. Mehr noch, die Güter des Templerordens gingen sogar in seinen Besitz über. Der Hauptgrund für die Zerschlagung des Templerordens dürfte wohl eher darin gelegen haben, dass die supranationalen Ritterorden als Konkurrenz für die Territorialstaaten, die sich im Spätmittelalter entwickelten, angesehen wurden. Anders als Johanniter und Deutschordensritter hatten die Templer es versäumt, sich ein eigenes Herrschaftsterritorium zu sichern, weshalb sie als supranationale Institution den Territorialherrschern nur noch im Wege waren.