Ride the Lightning

Am 2. Juli 1505 geriet ein Student der Rechtswissenschaften auf dem Heimweg von seinen Eltern in einen Sturm. Die Legende besagt, dass es ein Unwetter der ganz besonders widerlichen Art war. Als der junge Mann mitten durch das Gewitter in Richtung Erfurt eilte, schlug plötzlich ein Blitz direkt neben ihm im Boden ein und warf ihn zu Boden. Pladdernass und zu Tode geängstigt rief er die Heilige Anna, Patronin bei Gewittern an ihm beizustehen. “Lässt Du mich leben, so will ich ein Mönch werden.” schrie er und wurde tatsächlich erhört. Durch dieses Gelübde getrieben, trat er in ein Kloster ein und machte dadurch seinen Vater stinksauer. Einige Jahre später verärgerte er sogar den Papst und eine ganze Menge anderer Leute, doch da war Luther schon längst als Reformator bekannt. Man sieht also, dass durch einen Blitzeinschlag eine Menge in Bewegung kommen kann. Aus diesem Grund gibt es heute nur für Martin Luther, eine prima Live-Version aus dem Jahr 1987 von Metallica’s Ride the Lightning.
Unsere protestantischen Freunde feiern heute bekanntermaßen nicht den Tag des Kürbis, sondern den ihrer Reformation. Die begann zu einer Zeit als ein Dominikanermönch namens Johann Tetzel der unwidersprochene Ablass-König von Deutschland war. Wie seine modernen Nachfahren, die Vertreter, zog er von Ort zu Ort und schilderte dem staunendem Volk die Hölle in detailliertem Grauen. Kein Wunder also, dass die Ablässe in allen Preisklassen reißenden Absatz fanden, denn im Zweifelsfall wollten auch die treuesten Kirchgänger auf Nummer sicher gehen. Dass Geschäft hätte noch Jahre so weitergehen können, wenn Tetzel nicht irgendwann auf einen ausgesprochen humorlosen Mönch namens Martin Luther getroffen wäre. Erzürnt über den Tickethandel mit dem Ausweg aus dem Purgatorium, erklärte er kurzerhand den Papst zum Antichristen, seine eigene Interpretation der Bibel für unfehlbar und gründete ein Konkurrenzunternehmen zum Vatikan, das trotz der Einbuße von Marktanteilen bis heute floriert.