Orden des Leibowitz



16.02. 2010

Weniger wäre mehr gewesen

Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig. Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt.

Bei Aussagen solcher Art, wie in diesem Fall von Bischof Mixa zum Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester, muss ich immer kurz durchatmen, einen kleinen Moment an meiner Kirche verzweifeln und mich daran erinnern, dass es ja nur die Meinung eines einzelnen Bischofs ist. Dem restlichen Interview kann ich durchaus zustimmen, deshalb verwundert es mich besonders, warum Mixa es nicht einfach dabei belassen hat. Die Sachlage ist schon schlimm genug, da hilft es keinem der Opfer wenn man die Täter noch indirekt teilweise entschuldigt.

04.01. 2010

Lanze für Frau Käßmann

Einen solchen Aufschrei der Entrüstung in der Politik nach einer Predigt hat es lange nicht gegeben, zumindest erinnere ich keinen. Politiker fast aller Parteien attackierten die evangelische Bischöfin Käßmann scharf, nachdem sie in ihrer Neujahrspredigt unter anderem den Kampfeinsatz – manche würden es Krieg nennen – in Afghanistan kritisierte. Stein des Anstoßes sind die folgenden Sätze der Ratsvorsitzenden:

Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen. Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir, etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan.

Ich frage mich nur, was die Politik von Frau Käßmann erwartet hat? Aus christlicher Sicht kann sie nicht anders, als jeden Waffeneinsatz zu verurteilen. Ich erinnere da an den verstorbenen Johannes Paul II. der vor und während des letzten Kriegs im Irak vehement gegen den Einmarsch protestierte. Auch er konnte nicht anders, denn das Evangelium und Krieg sind unvereinbar. Ralf Fücks, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung hat es ungewollt auf den Punkt gebracht, indem er “die zur Routine gewordene Unart, im Brustton der höheren Moral politische Handlungsanweisungen zu erteilen” kritisierte. Doch genau das ist die Aufgabe der Kirchen; Politiker im Zweifelsfall daran zu erinnern, dass ihr Handeln im Widerspruch mit den moralischen Vorgaben des Christentums steht. Da braucht sich Frau Käßmann auch nicht mit der Realität abgeben, sondern kann Forderungen stellen, die über einen simplen Pragmatismus hinausgehen. Das Evangelium selbst ist schließlich von einem rein rationalen Standpunkt aus ebenfalls nicht zu begreifen.

Und davon ab: Es ist auch nichts gut in Afghanistan. Ich bin zwar wahrlich kein Pazifist und glaube, dass ein Krieg zwar das letzte Mittel sein muss, doch manchmal leider unvermeidbar ist. Nur ist diese Strategie in Afghanistan doch wohl vollkommen gescheitert. Trotz aller Bomben und Gefechte sind die Taliban außerhalb Kabuls immer noch die Herren im Land und es sieht nicht so aus, als sei der weltweite islamistische Terrorismus großartig eingedämmt. Was genau vor Ort passiert kann man nur mutmaßen, denn ich gehe nicht davon aus, dass die Öffentlichkeit über alles informiert wird. Die deutsche Politik hat es auch bisher nicht geschafft, der Bevölkerung und vor allem den Soldaten den Sinn dieses Einsatzes zu verdeutlichen. Ein Krieg ist es auf keinen Fall, manchmal hört man von kriegsähnlichen Zuständen und eigentlich betreibt die Bundeswehr ja zivile Aufbauarbeit. Ja was denn nun? Außerdem finde ich es äußerst problematisch, dass deutsche Soldaten ihr Leben für ein Land einsetzen, dessen Präsident augenscheinlich durch massiven Wahlbetrug an der Macht verblieben ist. Ich frage mich, wie das mit den demokratischen Ansprüchen der militärischen Allianz in Einklang zu bringen ist.

Nein, die Kritik der Bischöfin hat Hand und Fuß. Der empörte Aufschrei unserer politisch Verantwortlichen zeigt, dass sie den Finger in eine offene Wunde gelegt hat, die die Regierung nicht schließen kann oder will. Es ist nur legitim, dass da von christlicher Seite unbequeme Forderungen gestellt werden.

12.11. 2009

Einen für Robert Enke

Mein Ex-Schwager ist Lokführer und hat auch schon erlebt, dass jemand absichtlich vor seinen fahrenden Zug gesprungen ist. Er hat ziemlich lange gebraucht, um dieses Erlebniss zu verarbeiten und zum Glück hat die Bahn eigene Psychologen, die extra für solche Fälle da sind. In der Zeitung liest man meist nur “Sowieso hat sich vor einen fahrenden Zug geworfen”, doch das ist ja nur eine Seite der Medaille. Die andere Geschichte ist die des Zugführers, der – wenn auch unbeabsichtigt – einen Menschen getötet hat und damit den Rest seines Lebens zurecht kommen muss. Man wirft sich nicht vor einen Zug, sondern vor einen Menschen, der den Zug fährt und zwingt ihn dadurch Mittäter am eigenen Tod zu sein. Ich weiß, man sagt sowas nicht aber meiner Meinung nach sind solche Menschen Arschlöcher. Selbstmord ist eine Sache und als selbst von dieser Krankheit Betroffener kann ich das Gefühlsleben von Robert Enke nachvollziehen. Trotzdem bringt man sich wenn überhaupt, für sich alleine um und zieht nicht andere Personen in sein persönliches Elend. Aus diesem Grund finde ich es gut, dass Bischöfin Käßmann in ihrer Ansprache bei der Trauerfeier für Enke nicht nur den Verstorbenen und seine Familie bedacht hat, sondern auch die Zugführer erwähnt. Sicherlich hatten sie besseres vor, als einen aufstrebenden Nationalspieler zu überrollen.

17.06. 2009

Krawatten, Priester und der 17. Juni

Anleitung zum Binden von Krawatten

In der Wikipedia findet man zum Glück alles, auch Anleitungen zum Binden von Krawatten. Ich brauche nämlich am Freitag einen Windsor-Knoten.

Aufstand der Generation Twitter
Jens Berger vom Spiegelfechter über die Verbreitung von Nachrichten aus dem Iran und was Twitter dabei geleistet hat.

DVD zum Priesterjahr
Kirche in Not hat eine kostenlose DVD mit drei Fernseh-Dokumentationen über die Arbeit von Priestern auf der ganzen Welt veröffentlicht.

Russischer Panzer in Leipzig am 17. Juni 1953
Foto: Wikipedia

Früher war heute Feiertag. Bei 60xDeutschland gibt es ein Video über den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Der RBB hat auch eine Seite zum Thema.

Ist Samstag der neue Sonntag?
Eine Studie besagt, dass der Sonntag mittlerweile zu jenem Tag geworden ist, an dem man sich ausruht, auf der Heimfahrt im Stau steht oder – als Alleinstehender – depressiv wird. Der Tag des Herrn geht im Wochenende unter.

Ich will müde, schmutzig, durstig sein
Sie machen sich Gedanken über Ehrgeiz und Mut, über Schulden und Handy-Fotos – Krisenkinder aus der Generation der 20- bis 35-Jährigen erzählen, was ihr Lebensgefühl ausmacht.

Screenshot Puresim Baseball 2007

PureSim Baseball 2007 ist wie der Name schon sagt, ein Baseball-Simulator. Wer also mal was anderes als Bundesliga spielen will, sollte bei diesem kostenlosen Spiel für Windows zugreifen.

Obama kann alles
Sogar ohne mit der Wimper zu zucken einer Fliege den Garaus machen

15.06. 2009

Das Grillfest der Diözese Linz 2009

Grillfest in Linz 2009Da soll noch jemand behaupten, der Österreicher könnte nur Mozartkugeln rollen und Murmeltiere auskochen. Am letzten Donnerstag bewies die Diözese Linz, dass man auch in der schönen Alpenrepublik in der Lage ist, ein prima Grillfest auf die Beine zu stellen. Fünf katholische Pfarreien hatten den arbeitsfreien Feiertag Fronleichnam genutzt, um ihre Schäflein zu einer großen Grillparty auf dem Platz des Ars Electronica Centers einzuladen. Man hatte einen extra großen Tisch gedeckt, auf dem ausreichend leckeres Grillgut und Getränke zur Verköstigung beriet standen. Um Streitigkeiten am Grill zu vermeiden, hatte Dechant Helmut Part schon im Vorfeld für jeden der fünf Pfarrer eine eigene Grillzange gekauft, die von den geistlichen Grillmeistern auch freudig angenommen wurde. Auf dem Foto sehen Sie einen der Pfarrer der zugegeben etwas übermütig gleich ein ganzes Fladenbrot auf den Grill legen will. Aber so ist der Österreicher eben, er lässt keine Gelegenheit aus um ausgelassen zu feiern. So zeigte sich Dechant Part auch sichtlich begeistert: “Auch der einsetzende Regen tat der Feierstimmung keinen Abbruch und die Leute haben bis zum Schluss mitgefeiert“. Zum Abschluss des Festes bekam jeder Gast noch eine lecker gegrillte Murmeltierwurst auf den Weg, um einen schönen Tag an der Donau abzuschließen. Von diesem Grillfest wird man sich bestimmt noch lange erzählen. Leider gibt es einige militante Vegetarier, die auch bei so einer schönen Feier immer nach einem Haar in der Suppe bzw. an der Grillzange suchen müssen. Aber die Nörgler sterben eben nie aus.

31.05. 2009

Was bedeutet Pfingsten?

Darstellung des Heiligen Geistes im Petersdom

Pfingsten ist wohl das zu Unrecht unterprivilegierteste Fest der Christenheit weshalb über den Hintergrund auch die größte Unklarheit besteht. Laut einer Umfrage glauben 16 Prozent der Deutschen, Jesus sei an Pfingsten auferstanden, drei Prozent glauben, dass Jesus zu Pfingsten gekreuzigt worden ist. Jeder Zehnte glaubt, Maria sei an dem Tag in den Himmel aufgefahren. Insgesamt weiß also jeder Zweite in Deutschland nicht Bescheid. Für das christliche Abendland ein recht blasses Ergebnis, deshalb an dieser Stelle etwas Nachhilfe zur Bedeutung von Pfingsten:

Kurzfassung
Pfingsten wird am fünfzigsten Tag nach Ostern gefeiert und bedeutet den Abschluss der Osterzeit. Es ist das christliche Fest der Entsendung des Heiligen Geistes und wird gleichzeitig als Geburtsstunde der Kirche gedeutet.

Hintergrund
Nachdem Jesus nach seiner Auferstehung in den Himmel zurückgekehrt war, versammelten sich die verblieben 10 11 Apostel (Judas war tot) mit Maria, der Mutter Jesu und anderen Frauen im selben Haus in Jerusalem, in dem auch das letzte Abendmahl stattfand. Am Pfingsttag wurden sie alle zusammen vom Heiligen Geist erfüllt und konnten plötzlich in fremden Sprachen reden. Da der Heilige Geist bei seinem ersten Erscheinen ziemlich laut gewesen sein muss, kamen die Anwohner zum Haus gelaufen und jeder hörte die Apostel samt Maria in seiner Muttersprache sprechen. Im Neuen Testament ist es so beschrieben:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. [Apg 2,1-4]

Einige der Bürger unterstellten den Jüngern daraufhin dass sie betrunken seien, woraufhin der Apostel Petrus die erste Pfingstpredigt in der Geschichte hielt. Darin wies er auf die Ankündigung von Pfingsten im Alten Testament hin (Joel 3,1-5) und erklärte es den Juden als Beweis dafür, dass Jesus der erwartete Messias gewesen ist. Nach dieser Predigt sollen sich ungefähr 3000 Menschen haben taufen lassen und wurden Christen.

Damit sollten Sie über genug Wissen verfügen, um bei der nächsten Umfrage die richtige Antwort geben zu können. Weitere Informationen zu Pfingsten finden Sie in den nachfolgenden Links. Ansonsten wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein frohes Pfingstfest und angenehme Feiertage.

Übersichtsseite zu Pfingsten bei der Katholischen Kirche
Pfingsten im Ökumenischen Heiligenlexikon
Artikel zu Pfingsten in der Wikipedia
Stichwort: Heiliger Geist – Vortrag von Kardinal Ratzinger von 1968
Pfingsten erklärt von Kardinal Meisner
Sehr schönes Video vom Domradio zum Thema Pfingsten

10.04. 2009

Liturgische Gesänge der koptischen Kirche

Die Kreuzigung von Theophanes dem Kreter

Als Freund der christlich-orthodoxen Riten und Liturgien habe ich zum heutigen Karfreitag einige liturgische Gesänge der koptischen Kirche herausgesucht. Die koptische Kirche ist eine christliche altorientalische Kirche Ägyptens deren Ursprung der Überlieferung nach auf den Evangelisten Markus zurückgeht, der der erste Bischof von Alexandria war. Die liturgischen Gesänge klingen für meine Ohren etwas fremdartig, sind aber sehr schön. Die Beschreibungen sind in Englisch, den Karfreitag finden Sie etwas weiter unten.

Liturgische Gesänge der koptischen Kirche: Seite 1Seite 2

23.02. 2009

Das Fest Kathedra Petri

Petrus

Spannend an Kirche ist, dass man immer wieder etwas neues entdecken kann. Gestern zum Beispiel war der kirchliche Festtag Kathedra Petri, der mir noch unbekannt war. Im Schott-Messbuch steht dazu:

Die Zeit vom 13. bis 23. Februar war im heidnischen Rom der Erinnerung an die verstorbenen Angehörigen geweiht. Bei der Feier wurden für die Toten Speisen und ein Stuhl (cathedra) bereitgestellt. Die Christengemeinde gedachte in dieser Zeit des Apostels Petrus, des Vaters ihres Glaubens. Die kirchliche Ablehnung des Totenmahls seit dem 4. Jahrhundert hatte zur Folge, dass man den Stuhl des Petrus nunmehr als Lehrstuhl, als Symbol des Lehramts verstand. Gegenstand des christlichen Festes war aber nicht der Stuhl, sondern die Übernahme des römischen Bischofsstuhls durch den hl. Petrus, oder richtiger: die Berufung des Petrus zum Lehramt in der Kirche.

Von den römischen Totenmahl habe ich vor ein paar Jahren beim Besuch der Priscilla-Katakombe in Rom gehört. Damals traf man sich wohl am Eingang der Katakombe und speiste recht zwanglos. Der Nachfolger hingegen ist ein erzkatholisches Manifest ähnlich wie Fronleichnam, geht aber noch darüber hinaus, da es den Anspruch und die Autorität des Papstes in Rom hervorhebt, wie es Papst Benedikt gestern betonte:

Die Kathedra des Petrus symbolisiert die Autorität des Bischofs von Rom, der innerhalb des ganzen Gottesvolkes zu einem besonderen Dienst berufen ist. Gleich nach dem Martyrium der heiligen Petrus und Paulus wurde der Kirche von Rom ein Primat in der ganzen katholischen Gemeinschaft zuerkannt – eine Rolle, die schon zu Anfang des zweiten Jahrhunderts vom heiligen Ignatius von Antiochien und vom heiligen Irenäus von Lyon bezeugt wird.

Also ein für die Ökumene absolut untaugliches Fest aber muss ja auch nicht, denn jede christliche Glaubensrichtung hat ihre Feste, die ihre eigene Exklusivität besonders darstellt, ansonsten wären sie auch nur beliebig austauschbare Gebilde. Der Unterschied für mich ist lediglich, dass ich den Inhalt für wahr halte. Schließlich hat es mich auch einiges gekostet, ihn anzuerkennen. Außerdem kommt er nach den Tagen der mehr oder weniger gerechtfertigten Papstkritik geradezu gelegen, um einmal an den eigentlichen Sinn und Zweck des Papstamtes zu erinnern. Deshalb weiter unten auch der Link zur Geschichte des päpstlichen Primats.

Lesungen zum Fest Kathedra Petri im Schott Messbuch
Papst betont römischen Primat – Angelusgebet vom 22.02.2009
Kathedra Petri erklärt – Generalaudienz des Papstes vom 22.02. 2006
Geschichte des päpstlichen Primats von Klaus Schatz

06.02. 2009

Vielleicht eine Nachlese

bus.jpg

Nach der erneuten Stellungnahme des Vatikans zur Exkommunikation der vier schismatische Bischöfe der FSSPX und einigen inoffiziellen Erklärungen, wie es überhaupt zu dem Debakel kommen konnte, sollte das Thema eigentlich langsam durch sein. Inzwischen dürfte sich ja neben den Äußerungen der vielen Verantwortlichen der deutschen katholischen Kirche auch so ziemlich jeder zu Wort gemeldet haben, der glaubt eine profunde Meinung abgeben zu können. Abgesehen von der absolut deplatzierten Kritik einer Diplom-Physikerin aus Ostdeutschland hat mir auch der Kommentar vom Bundesvorsitzenden der SPD, dem Katholiken Franz Müntefering zu Denken gegeben:

Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel. Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss“, sagte Müntefering der „Berliner Zeitung“. Benedikt XVI. habe „gerade deutlich demonstriert, dass auch ein Papst hier nicht unfehlbar ist. Ich kann der katholischen Kirche hierzulande nur empfehlen, hier keinen falschen Gehorsam zu zeigen. [Quelle]

In diesem Fall hätte Herr Müntefering besser in seinem Katechismus nachgeschlagen, was es mit der Unfehlbarkeit des Papstes auf sich hat. In den Kommentaren zu diesem Artikel wird es auch schon kurz und knapp erklärt.

Sehr schön ist auch die Forderung von Stephan Kramer, dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland:

Kramer forderte eine vollständige Abkehr des Vatikan von den Pius-Brüdern: Mit einer Kirche, der auch die Bruderschaft angehöre, könne es sonst keinen partnerschaftlichen Dialog mit den Juden geben. “Der Papst muss sich entscheiden, auf welcher Hochzeit er tanzen will”, sagte der Zentralrats-Generalsekretär. Entweder er stehe für die Kirche der Aufklärung mit dem II. Vatikanischen Konzil oder für die Kirche des Traditionalismus mit den Pius-Brüdern. [Quelle]

Herr Kramer hat anscheinend immer noch nicht kapiert, warum die Exkommunikationen überhaupt aufgehoben wurden und was sie bedeuten. Dazu ein kleiner Auszug aus der “Note” vom Vatikan:

Die Aufhebung dieser Exkommunikation hat die vier Bischöfe von einer sehr schweren kanonischen Strafe befreit, aber sie hat die rechtliche Situation der “Pius-Bruderschaft” nicht geändert, die derzeit keinerlei kanonische Anerkennung in der katholischer Kirche genießt. Auch die vier Bischöfe haben – wenngleich die Exkommunikation aufgehoben ist – keine kanonische Funktion in der Kirche; sie können in der Kirche erlaubterweise kein Amt ausüben.

Die Exkommunikationen wurden am 24. Januar aufgehoben, da sollte man meinen, dass sich gerade jemand in einem solch prominenten Posten wie Herr Kramer zumindest einen groben Überblick über das katholische Kirchenrecht verschafft, bevor er sich zu derartigen Äußerungen hinreißen lässt. Schließlich gehört die FSSPX seit 1975 nicht mehr zur römisch-katholischen Kirche. Um das herauszufinden hätte es genügt, kurz in der Wikipedia nachzuschlagen.
Sicherlich hat dieser Fall eindeutig gezeigt, dass anscheinend auch im Vatikan schlampig gearbeitet werden kann und sie dort sowohl an der internen Kommunikation als auch an der Darstellung nach außen arbeiten müssen. Das der Papst sich nicht an sein Notebook setzen kann um im Internet nach möglichen Schandtaten schismatischer Bischöfe zu suchen ist logisch, deshalb sollten seine Berater umso besser arbeiten. Ebenso könnte es bestimmt nicht schaden, die nationalen Bischofskonferenzen vorher zu informieren und sofort eine Erklärung wie vom letzten Mittwoch zu veröffentlichen. Dadurch wäre von Anfang an klar gestellt worden, was die Entscheidung des Papstes bedeutet und was nicht. Das hätte die üblichen Verdächtigen bestimmt auch nicht davon abgehalten, gleich gegen den Vatikan zu wettern, es wäre für die Kirche aber leichter gewesen zu zeigen, dass diese oder jene Behauptung schlicht falsch ist. Allerdings kann ich in all diesen Mängeln trotzdem auch etwas Gutes sehen, denn die ganze Geschichte hat den Vatikan zwar nicht gleich entzaubert, wie ich anderswo gelesen habe, es hat ihm aber etwas von der Mystik genommen. Letztlich sieht man dass Rom auch nur mit Wasser kocht und schlichte menschliche Pannen produzieren kann.
In der eigentlichen Angelegenheit, der FSSPX die Möglichkeit zu bieten, sich wieder in die Kirche einzufügen bleibe ich aber bei meiner Einschätzung, dass daraus nichts wird. In den letzten Tagen hat die Bruderschaft schließlich keine Gelegenheit ausgelassen, sich in der Öffentlichkeit weiter in Misskredit zu bringen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie von dieser Linie Abstand nehmen.

04.02. 2009

Die Papstkritiker-Industrie

Diese Papstkritiker-Industrie um Hans Küng, Eugen Drewermann und Uta Ranke-Heinemann macht nicht nur Millionenumsätze mit dem Heiligen Vater, bzw. gegen ihn, er ist ihr in Wahrheit ihr ein und alles, ohne ihn wären sie nichts, er ist ihr spiritus rector, ihr Brötchengeber, er gibt ihnen Halt. Diese negative Berufsidentität “Papst-Kritiker”, auch “Kirche von unten” gehört dazu, ist das Feld hemmungsloser, narzistisch extrem gestörter Dauerbeschaller der Talkshows

Sehr unterhaltsamer und aufschlussreicher Kommentar zur momentanen Hochkonjunktur der Papstkritik im Blog von Jost Kaiser. Machte meinen Tag, bevor ich jetzt zur Arbeit muss. [Danke, Jürgen!]

Die Papstkritiker-Industrie

02.02. 2009

Das katholische Desaster

Die Kuppel des Petersdoms in Rom

Derzeit mag ich als ganz normaler Katholik, der sich weder dem besonders liberalen noch dem erzkonservativen Spektrum der Kirche zuordnen möchte, schon keine Nachrichtenseiten mehr aufrufen. Beim Hurrikan der Entrüstung der momentan über Rom hinwegfegt, kann ich mit der Geschwindigkeit, in der neue Meldungen veröffentlicht werden sowieso nicht mehr mithalten. In den letzten Tagen habe ich verschiedene E-Mails erhalten, meinen Namen unter diesen und jenen Aufruf, je nach Couleur für oder gegen den Papst zu setzen und einige befreundete Katholiken, Protestanten, Freikirchler oder Atheisten haben mich nach meiner Meinung zu diesem Thema gefragt. Aber was soll ich schon großartig schreiben, außer dass aus einer im Prinzip nicht so großartigen Sache mittlerweile ein Desaster entstanden ist, dass jetzt gleichermaßen von den Leuten benutzt wird, die jeweils auf ihrer Seite vom katholischen Sattel gestürzt sind. Wie meist in solchen Konflikten gehen die eher vernünftigen Stimmen dabei unter.

Sicherlich, wäre ich der Pontifex Maximus, gäbe es diese Situation nicht, denn mich persönlich interessieren die schismatischen Traditionalisten nicht und wegen mir könnten sie ihre kleine Sekte bis zum jüngsten Tag betreiben. Meiner Meinung nach kommt aus dieser Ecke nichts Gutes und ich finde, dass man dagegen wie bei einer Chemotherapie gegen einen bösartigen Tumor vorgehen sollte. Unter Umständen kann dabei der gesunde Teil des Körpers mit angegriffen werden, am Ende ist der Krebs aber vernichtet. Zum Glück bin ich aber nicht Papst und muss bzw. kann darauf vertrauen, dass Benedikt XVI. eine größere Sicht von Einheit in der Kirche hat als ich sie habe. Davon ab ist bisher auch nichts weiter geschehen, als dass vier abtrünnige Bischöfe wieder in die Kirche aufgenommen wurden. Dadurch sind sie meines Wissens noch keine richtigen römisch-katholischen Bischöfe, noch ist die Bruderschaft Pius X. damit anerkannt oder sogar regulärer Teil der Kirche.

Kommen wir nun zum Kern der Angelegenheit, dem Holocaust-Leugner Williamson, dessen Exkommunikation ebenfalls vom Papst aufgehoben wurde. Vom Bauch aus würde ich sagen: “Hey! Ich habe mich bloß scheiden lassen, wage jetzt einen neuen Versuch und bin deshalb von der Eucharistie ausgeschlossen und ein Arschloch, dass den Mord an Millionen Juden sowie die Gaskammern selbst leugnet wird wieder in die Gemeinschaft aufgenommen?”. Ist aber Quatsch. Das eine ist nach dem Kirchenrecht eine schlichte Sünde, was bedeutet, dass ich nicht exkommuniziert bin, sondern bloß bestimmte Sakramente nicht empfangen darf. Dass andere wahrscheinlich auch, kann aber im Fall von Williamson erst geahndet werden, nachdem er wieder voll in die Kirche aufgenommen worden ist. Zudem hat sich der Papst zum Thema Holocaust eindeutig geäußert, weshalb ich die Reaktionen der jüdischen Räte nicht nur nicht nachvollziehen kann, sondern dahinter auch andere Motivationen vermute. Der Zeitpunkt schien wohl passend zu sein. Zu den Äußerungen einiger angeblich basisnaher Bewegungen will ich besser nichts schreiben. Die springen auf jedes Trittbrett, das sie erreichen können.

Trotzdem muss man den Zuständigen für die Aufhebung der Exkommunikationen im Vorfeld Schlampigkeit unterstellen, denn Williamson hat sich schon in der Vergangenheit gerne und oft antisemitisch und gegen die Kirche geäußert. Wäre als Vorbedingung eine Rücknahme seiner Äußerungen gefordert worden, hätte man sich einen Großteil der Aufregung ersparen können. Denn inzwischen geht es in den Mainstream-Medien kaum noch um die eigentlichen Zweck, die Annäherung an eine Gruppe von Schismatikern, die in der Geschichte der Kirche einzigartig ist.

25.01. 2009

Nur Ärger mit der Bruderschaft Pius. X

Update: Das katholische Desaster

Dank dieser Geste sind die in der ganzen Welt der Tradition verbundenen Katholiken in Zukunft nicht mehr in ungerechter Weise geächtet und verurteilt, weil sie den Glauben ihrer Väter aufrechterhalten haben. Die katholische Tradition ist nicht mehr exkommuniziert. [...] Darum wollen wir in diesen Gesprächen mit den römischen Autoritäten die tiefen Ursachen der gegenwärtigen Lage erörtern und das angemessene Heilmittel dafür herbeischaffen, um so zu einer gründlichen Wiederherstellung der Kirche zu gelangen.

Quelle: Brief des Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Das klingt für mich nicht unbedingt nach der angemessenen Demut, die die Aufhebung einer Exkommunikation eigentlich nach sich ziehen sollte. Es hört sich vielmehr nach dem üblichen Geschwätz der Bruderschaft an, die eine Forderung nach der anderen an die Kirche richtet, ohne selbst in Gegenleistung zu treten. Da finde ich es sehr fraglich, ob die FSSPX bereit sein wird die nötigen Schritte zu unternehmen, um wieder ganz in die Kirche zurückzukehren. Zudem bereitet es mir persönlich Unbehagen, dass ein Nazi wie Richard Williamson wieder volles Mitglied der Kirche ist und die Bruderschaft nichts besseres zu tun hat, als eine wirklich dummdreiste Presseerklärung dazu abzuliefern. Die einzig richtige Reaktion der Bruderschaft wäre der Ausschluß von Williamson gewesen, um sich vollkommen von dem nicht unberechtigten Vorwurf des Antisemitismus zu distanzieren. Warten wir ab, was sich weiter ergibt. Wahrscheinlich dürfte es nicht lange dauern, bis die Bruderschaft den nächsten Ärger produziert.
Bei Matthias habe ich zwei interessante Kommentare zum Thema entdeckt:
Pope Benedict is taking a huge risk in lifting the SSPX excommunications
Die Hälfte des Weges ist geschafft – Einheit ist möglich
Update: Das katholische Desaster

24.01. 2009

Der Vatikan bei YouTube

Screenshot Vatikan-Kanal bei YouTube

Seit Freitag ist der YouTube-Kanal des Vatikans online und zeigt schon einige Videos wie die Weihnachtsbotschaft des Papstes oder seine Ansprache zu digitalen Kommunikation. Täglich sollen ein bis drei neue Videos eingestellt werden, um es Millionen Menschen zu erlauben, sich direkt und möglichst aktuell über die Aktivitäten des Papstes zu informieren, wie der Pressechef des Vatikans Pater Federico Lombardi erklärte. Wie bei YouTube üblich gibt es auch eine Kommentarfunktion zu den Videos, obwohl ich fürchte, dass Google dafür ein paar neue Server wird anschaffen müssen. Alleine die vielen Katholiken, die nur ein paar Glückwünsche schreiben möchten und dann noch die Kirchenhasser, die zu jedem Video eine unpassende Kritik loswerden wollen, könnten die Serverlast schnell sprengen.


Der YouTube-Kanal des Vatikan

21.01. 2009

Doku Inside the Vatican

Der Vatikan – die meisten Menschen verbinden mit diesem Ort Papst Johannes Paul II., die römisch-katholische Kirche sowie beeindruckende Kunst und Architektur. Aber es steckt viel mehr hinter dem einzigartigen Kirchenstaat. National Geographic nimmt Sie mit zu einem der am meisten verehrten Plätze der Welt. Werden Sie Zeuge von heiligen Zeremonien, die nur selten von Außenstehenden beobachtet werden können.
Interviews mit Männern und Frauen, die im Vatikan leben und arbeiten, geben Aufschluss über das Leben in diese außergewöhnlichen Staat. Geschichten von religiösen Führern und Restauratoren machen deutlich, welcher Aufwand zum Erhalt der Gemälde, kunstvollen Tapeten und der Dokumente einer Institution notwendig ist, deren Geschichte bis zum ersten Jahrhundert nach Christus zurückverfolgt werden kann – und die noch heute weltpolitische Bedeutung hat.
Soweit der Klappentext, bei YouTube gibt es die Originalversion dieser Dokumentation in 9 Teilen zu sehen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9

02.01. 2009

Silvesterwunder in Hagen

himmel_hilf.jpg

Es geschehen immer noch Zeichen und Wunder, auch wenn es manchmal nur die Reue eines Diebes ist. Immerhin hat es die Gemeinde eines Freundes aus Hagen damit sogar in die Bild-Zeitung geschafft. Ein paar Tage vor Silvester wurde dort nämlich das Jesuskind aus der Krippe in der Kirche gestohlen, worüber im Regionalteil der Bild berichtet wurde. Doch nach Erscheinen des Artikels wurde die Figur in einer blauen Plastiktüte wieder vor die Eingangstür der Kirche gelegt. Ob das jetzt allerdings der Zeitung, göttlicher Fügung oder simplen schlechten Gewissen zuzuschreiben ist, werden wir wohl nicht erfahren.

punchintheface

Zumindest bist du am Ende dieser Seite angelangt, deshalb noch schnell das Kleingedruckte:

Dieses Weblog wird von Site 5 in den USA gehostet und mit dem wunderbaren WordPress betrieben. Das Aussehen dieser Website basiert auf dem ebenso wunderbaren Theme Old Popular Yolk von Joshua Goodwin. Bearbeitet und mit Inhalten befüllt wird dieses Blog mit Hilfe des einzigartigen Puppy Linux.

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Falls du dich für die Piratenpartei interessierst, kannst du dich über unsere Aktivitäten in Hagen informieren oder einen Stammtisch in deiner Nähe besuchen. Klarmachen zum Ändern klappt nur mit deiner Hilfe :)

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