Orden des Leibowitz



05.11. 2009

Happy Guy Fawkes Day

Die Verschwörer des Gunpowder Plot
Bild: Wikipedia

Mitte Oktober habe ich noch daran gedacht, um sie dann heute trotzdem zu vergessen: Die große Schießpulververschwörung von Guy Fawkes und seinen Kumpanen. Heute vor 404 Jahren planten elf katholische Verschwörer angeführt von Guy Fawkes, das britische Parlament in die Luft zu sprengen und den amtierenden König Jakob I. zu töten. Grund für diese wahnwitzige Aktion waren die religiösen Spannungen im Land, die durch Repressionen gegen Katholiken durch den protestantischen König ihren Ausdruck fanden. Also beschloss die konspirative Gemeinschaft 2,5 Tonnen Schießpulver in den Kellern von Westminster detonieren zu lassen, was ausgereicht hätte, um das Parlament in einen rauchenden Krater zu verwandeln und alle Gebäude im Umkreis von einem Kilometer zu beschädigen. Viel Erfolg hatte die Gruppe allerdings nicht, denn das Komplott flog durch Verrat auf und die Mitglieder wurden hingerichtet; einige wurden gehängt bis sie bewusstlos waren, um ihnen dann die Gedärme aus dem Leib zu reissen und ihre Körper zu vierteilen. Trotzdem feiern viele Briten bis heute diesen Tag mit einem Straßenumzug bei dem Feuerwerk und Puppen von Guy Fawkes entzündet werden.

Schaubild

Auch wenn der diesjährige Guy Fawkes-Tag schon so gut wie vorüber ist, können alle Katholiken ihn ja auch noch am Wochenende nachholen und sogar ein kleines Familienfest daraus machen. Zuerst das Papiermodell des britischen Parlaments herunter laden und gemeinsam mit den Liebsten zusammen kleben. Abends sollte ein festliches Menü serviert werden, bei dem die Geschichte der Schießpulververschwörung möglichst spannend erzählt wird. Zum Nachtisch würde ein britischer Plumpudding passen. Nach dem Essen gehen dann alle gemeinsam vor die Tür und sprengen das Parlament aus Papier mit ein paar Böllern zum Mond.

02.06. 2009

Die Links für den Dienstag

Zeche Zollverein in Essen

Pfingsten war ich an der 1986 stillgelegten Zeche Zollverein in Essen. Auf eine Cola musste man zwar ewig lange warten, die Umgebung ist aber trotzdem sehr beeindruckend. Im Archiv von Thomas Mayer finden Sie sehr sehr viele Fotos der alten Anlage.

Jugendschutz und politische Zensur
Ein sehr zweifelhafter Anbieter einer Filtersoftware für das Internet blockt anscheinend unliebsame Websites und das auch noch mit staatlicher Förderung. Oder würden Sie Infobib und die Piratenpartei für jugendgefährdend halten?

Immer 300 Bücher bei sich haben
Herrlicher Podcast im MP3-Format von Horst Evers über E-Books, Bücher und das Lesen überhaupt. Dauert nicht lange, ist aber lustig! [via]

Alte Comics online lesen
Hatte ich schon mal verlinkt, ein erneuter Hinweis kann aber nicht schaden. Bei Barnacle Press kann man Unmengen wunderbarer Comic-Strips aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts lesen.

Katholische iPhone-Apps
Wer den Rosenkranz oder die Bibel auf dem iPhone oder iPod Touch vermisst, kann bei den hier vorgestellten Programmen fündig werden. Mir fehlt dazu ja immer noch das passende iPhone :)

Suchmaschine Bing gestartet
Microsofts neue Suchmaschine Bing ist still und heimlich schon gestern an den Start gegangen. Einen ersten Testbericht gibt es beim WDR.

Linken ist wichtig, besser zu sein als die anderen
Interview mit dem Historiker Arnulf Baring und dem Journalisten Jan Fleischhauer über linkes Gebaren und dessen Humorlosigkeit.

30.05. 2009

Die letzten Links vor Pfingsten

Frets on Fire

Frets on Fire ist die Open-Source-Version von Guitar Hero und kann mit der Tastatur gespielt werden, was die Angelegenheit zwar nicht einfacher macht aber sehr lustig ist. Dank der Community um das Spiel gibt es eine Menge Songs zum nachspielen. Download für Windows, Mac und Linux.

Die unerträgliche Seichtigkeit der deutschen Internet-Debatte
Schöner Artikel der zeigt was dabei herauskommt, wenn ein Journalist, der keine Ahnung vom Internet hat über das Internet schreibt: Unfug nämlich!

Wir waren so frei
Private Filme und Fotos aus der deutschen Wendezeit 1989/1990. Mal ein anderer Blick auf die Wendejahre [via]

Bibelgeschichten aus Lego

Die Offenbarung aus Lego im Brick Testament. Sehr schön gemacht und eindrucksvoll dargestellt! [via]

Gitarre aus einer Zigarrenkiste
Bebilderte Anleitung um aus einer Zigarrenkiste und ein wenig Kram eine funktionierende Gitarre zu basteln.

Pro! Vo! Ka! Tion!
Kleines Special zur Ausstellung des Plakatkünstlers Klaus Staeck mit vielen Fotos seiner Werke. Auf seiner Website gibt es noch mehr davon, sogar als eCards.

Kostenlose katholische E-Books
Jede Menge englischsprachige katholische E-Books im PDF-Format. Ich habe noch längst nicht alle durchforstet, es scheint aber von den Kirchenvätern bis zu Biographien von Heiligen alles mögliche dabei zu sein.

23.02. 2009

Das Fest Kathedra Petri

Petrus

Spannend an Kirche ist, dass man immer wieder etwas neues entdecken kann. Gestern zum Beispiel war der kirchliche Festtag Kathedra Petri, der mir noch unbekannt war. Im Schott-Messbuch steht dazu:

Die Zeit vom 13. bis 23. Februar war im heidnischen Rom der Erinnerung an die verstorbenen Angehörigen geweiht. Bei der Feier wurden für die Toten Speisen und ein Stuhl (cathedra) bereitgestellt. Die Christengemeinde gedachte in dieser Zeit des Apostels Petrus, des Vaters ihres Glaubens. Die kirchliche Ablehnung des Totenmahls seit dem 4. Jahrhundert hatte zur Folge, dass man den Stuhl des Petrus nunmehr als Lehrstuhl, als Symbol des Lehramts verstand. Gegenstand des christlichen Festes war aber nicht der Stuhl, sondern die Übernahme des römischen Bischofsstuhls durch den hl. Petrus, oder richtiger: die Berufung des Petrus zum Lehramt in der Kirche.

Von den römischen Totenmahl habe ich vor ein paar Jahren beim Besuch der Priscilla-Katakombe in Rom gehört. Damals traf man sich wohl am Eingang der Katakombe und speiste recht zwanglos. Der Nachfolger hingegen ist ein erzkatholisches Manifest ähnlich wie Fronleichnam, geht aber noch darüber hinaus, da es den Anspruch und die Autorität des Papstes in Rom hervorhebt, wie es Papst Benedikt gestern betonte:

Die Kathedra des Petrus symbolisiert die Autorität des Bischofs von Rom, der innerhalb des ganzen Gottesvolkes zu einem besonderen Dienst berufen ist. Gleich nach dem Martyrium der heiligen Petrus und Paulus wurde der Kirche von Rom ein Primat in der ganzen katholischen Gemeinschaft zuerkannt – eine Rolle, die schon zu Anfang des zweiten Jahrhunderts vom heiligen Ignatius von Antiochien und vom heiligen Irenäus von Lyon bezeugt wird.

Also ein für die Ökumene absolut untaugliches Fest aber muss ja auch nicht, denn jede christliche Glaubensrichtung hat ihre Feste, die ihre eigene Exklusivität besonders darstellt, ansonsten wären sie auch nur beliebig austauschbare Gebilde. Der Unterschied für mich ist lediglich, dass ich den Inhalt für wahr halte. Schließlich hat es mich auch einiges gekostet, ihn anzuerkennen. Außerdem kommt er nach den Tagen der mehr oder weniger gerechtfertigten Papstkritik geradezu gelegen, um einmal an den eigentlichen Sinn und Zweck des Papstamtes zu erinnern. Deshalb weiter unten auch der Link zur Geschichte des päpstlichen Primats.

Lesungen zum Fest Kathedra Petri im Schott Messbuch
Papst betont römischen Primat – Angelusgebet vom 22.02.2009
Kathedra Petri erklärt – Generalaudienz des Papstes vom 22.02. 2006
Geschichte des päpstlichen Primats von Klaus Schatz

06.02. 2009

Vielleicht eine Nachlese

bus.jpg

Nach der erneuten Stellungnahme des Vatikans zur Exkommunikation der vier schismatische Bischöfe der FSSPX und einigen inoffiziellen Erklärungen, wie es überhaupt zu dem Debakel kommen konnte, sollte das Thema eigentlich langsam durch sein. Inzwischen dürfte sich ja neben den Äußerungen der vielen Verantwortlichen der deutschen katholischen Kirche auch so ziemlich jeder zu Wort gemeldet haben, der glaubt eine profunde Meinung abgeben zu können. Abgesehen von der absolut deplatzierten Kritik einer Diplom-Physikerin aus Ostdeutschland hat mir auch der Kommentar vom Bundesvorsitzenden der SPD, dem Katholiken Franz Müntefering zu Denken gegeben:

Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel. Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss“, sagte Müntefering der „Berliner Zeitung“. Benedikt XVI. habe „gerade deutlich demonstriert, dass auch ein Papst hier nicht unfehlbar ist. Ich kann der katholischen Kirche hierzulande nur empfehlen, hier keinen falschen Gehorsam zu zeigen. [Quelle]

In diesem Fall hätte Herr Müntefering besser in seinem Katechismus nachgeschlagen, was es mit der Unfehlbarkeit des Papstes auf sich hat. In den Kommentaren zu diesem Artikel wird es auch schon kurz und knapp erklärt.

Sehr schön ist auch die Forderung von Stephan Kramer, dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland:

Kramer forderte eine vollständige Abkehr des Vatikan von den Pius-Brüdern: Mit einer Kirche, der auch die Bruderschaft angehöre, könne es sonst keinen partnerschaftlichen Dialog mit den Juden geben. “Der Papst muss sich entscheiden, auf welcher Hochzeit er tanzen will”, sagte der Zentralrats-Generalsekretär. Entweder er stehe für die Kirche der Aufklärung mit dem II. Vatikanischen Konzil oder für die Kirche des Traditionalismus mit den Pius-Brüdern. [Quelle]

Herr Kramer hat anscheinend immer noch nicht kapiert, warum die Exkommunikationen überhaupt aufgehoben wurden und was sie bedeuten. Dazu ein kleiner Auszug aus der “Note” vom Vatikan:

Die Aufhebung dieser Exkommunikation hat die vier Bischöfe von einer sehr schweren kanonischen Strafe befreit, aber sie hat die rechtliche Situation der “Pius-Bruderschaft” nicht geändert, die derzeit keinerlei kanonische Anerkennung in der katholischer Kirche genießt. Auch die vier Bischöfe haben – wenngleich die Exkommunikation aufgehoben ist – keine kanonische Funktion in der Kirche; sie können in der Kirche erlaubterweise kein Amt ausüben.

Die Exkommunikationen wurden am 24. Januar aufgehoben, da sollte man meinen, dass sich gerade jemand in einem solch prominenten Posten wie Herr Kramer zumindest einen groben Überblick über das katholische Kirchenrecht verschafft, bevor er sich zu derartigen Äußerungen hinreißen lässt. Schließlich gehört die FSSPX seit 1975 nicht mehr zur römisch-katholischen Kirche. Um das herauszufinden hätte es genügt, kurz in der Wikipedia nachzuschlagen.
Sicherlich hat dieser Fall eindeutig gezeigt, dass anscheinend auch im Vatikan schlampig gearbeitet werden kann und sie dort sowohl an der internen Kommunikation als auch an der Darstellung nach außen arbeiten müssen. Das der Papst sich nicht an sein Notebook setzen kann um im Internet nach möglichen Schandtaten schismatischer Bischöfe zu suchen ist logisch, deshalb sollten seine Berater umso besser arbeiten. Ebenso könnte es bestimmt nicht schaden, die nationalen Bischofskonferenzen vorher zu informieren und sofort eine Erklärung wie vom letzten Mittwoch zu veröffentlichen. Dadurch wäre von Anfang an klar gestellt worden, was die Entscheidung des Papstes bedeutet und was nicht. Das hätte die üblichen Verdächtigen bestimmt auch nicht davon abgehalten, gleich gegen den Vatikan zu wettern, es wäre für die Kirche aber leichter gewesen zu zeigen, dass diese oder jene Behauptung schlicht falsch ist. Allerdings kann ich in all diesen Mängeln trotzdem auch etwas Gutes sehen, denn die ganze Geschichte hat den Vatikan zwar nicht gleich entzaubert, wie ich anderswo gelesen habe, es hat ihm aber etwas von der Mystik genommen. Letztlich sieht man dass Rom auch nur mit Wasser kocht und schlichte menschliche Pannen produzieren kann.
In der eigentlichen Angelegenheit, der FSSPX die Möglichkeit zu bieten, sich wieder in die Kirche einzufügen bleibe ich aber bei meiner Einschätzung, dass daraus nichts wird. In den letzten Tagen hat die Bruderschaft schließlich keine Gelegenheit ausgelassen, sich in der Öffentlichkeit weiter in Misskredit zu bringen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie von dieser Linie Abstand nehmen.

22.10. 2008

Neues von Josef Pieper

Hier noch ein Hinweis für die Freunde des katholischen Philosophen Josef Pieper. Die Josef Pieper Arbeitsstelle an der Theologischen Fakultät Paderborn hat eine neue Website ins Leben gerufen, die sich ganz seinem Leben und seiner Arbeit widmet. Ich muss ja gestehen, dass ich außer seiner sehr interessanten Biographie und einigen seiner Bücher noch nicht viel von ihm gelesen habe. Aber ich musste selbst bei “Das Viergespann” über die Kardinaltugenden hart arbeiten, um wenigstens einigermaßen was zu verstehen. Das scheint der Fluch von solchen genialen Köpfen wie Pieper zu sein, sie können ihre Gedanken meist nicht in leicht verständliche Worte für Trottel wie ich es bin verpacken. Trotzdem sollte man dranbleiben und eine neue Website über Herrn Pieper kann bestimmt nicht schaden. Vielleicht erarbeiten die Experten ja irgendwann eine Werkausgabe für Dummies, die ich mir dann auch ins Regal stellen kann. [Tipp von Freund Jürgen]

Website der Josef Pieper Arbeitsstelle

01.10. 2008

Katholiken unter Strom

Ein Rosenkranz

Was gläubigen Menschen schon lange bekannt ist, ist nun durch eine wissenschaftliche Studie der Universität Oxford bestätigt worden: Ein starker Glaube kann Schmerzen lindern. Bei dem Test wurden je einem Dutzend praktizierender Katholiken und Nichtgläubigen Elektroschocks verabreicht. Dabei sollten die Probanden wahlweise auf ein Bild der Jungfrau Maria oder auf ein Bild von Leonardo Da Vinic schauen, und hinterher angeben, bei welchem der Schmerz stärker gewesen ist. Die Katholiken gaben an, dass sie beim Anblick der Gottesmutter einen deutlich geringeren Schmerz verspürten, obwohl der Schmerzreiz gleich geblieben ist. Die Nichtgläubigen verspürten beim Anblick beider Bilder denselben Schmerz. Diese Schmerzlinderung wird anscheinend von einer bestimmten Hirnregion gesteuert, in der es bei den Katholiken zu starken Aktivitäten kam, bei den Nichtgläubigen tat sich an dieser Stelle jedoch nichts. [Welt]

22.03. 2008

Erzbischof Robert Zollitsch im Gespräch

Die evangelische Kirche ist theologisch gesehen nicht im gleichen Sinne Kirche wie wir, und sie will es in diesem Sinne auch nicht sein. Diesen Unterschied muss man sehen. Aber etwas anderes ist die soziologische Sicht. Unter diesem Aspekt kann ich ihr das Kirchesein nicht absprechen. Zu meinem theologischen Verständnis von Kirche gehört, dass Kirche eine sichtbare Gemeinschaft ist, dass sie durch das Amt geprägt ist, dass sie die Vollzahl der Sakramente hat.

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, über alte Riten, den neuen Atheismus, zu wenige Kinder in Deutschland und die Rolle des Glaubens in den USA. Außerdem erläutert er seine Äußerungen zum Zölibat und zum Kirchesein der EKD aus einem vorhergegangenen Interwiew.

Interview mit Erzbischof Zollitsch

Nebenbei: Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Redaktion der Welt online nicht endlich die Kommantarfunktion löscht. Die dortigen Kommentare haben in der Regel nicht einmal das schlechte Niveau des Heise-Forums zu seinen besten Zeiten und sind bei bestimmten Themen ein Tummelplatz für Islamophobe und andere Gestörte.

21.03. 2008

Die Karfreitagsfürbitte näher betrachtet

Die Italienische Rabbinerversammlung hat die Gespräche mit der katholischen Kirche vorerst auf Eis gelegt, Berlins Rabbiner Walter Homolka wirft dem Papst “antisemitische Tendenzen” in der Kirche vor und hat die Teilnahme am bevorstehenden Katholikentag in Osnabrück abgesagt. Grund der Verstimmung ist die Neufassung der Fürbitten in der Karfreitagsliturgie des außerordentlichen Messritus, auch tridentinische Messe genannt, der im letzten Jahr wieder für alle Gemeinden zugelassen wurde. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch meint, dass sie “eine subtile Aufforderung zur Judenmission” enthalte und damit “einer Geringschätzung der jüdischen Religion das Wort geredet” werde. Im Detail geht es um den Satz “Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen”.
Soweit so verärgert. Um die Unterschiede zwischen den einzelnen Textfassungen zu verdeutlichen, habe ich sie an dieser Stelle in deutscher Übersetzung aufgelistet:

Messbuch von 1570

Lasst uns auch beten für die treulosen Juden: Gott, unser Herr, möge den Schleier von ihren Herzen wegnehmen, auf dass auch sie unseren Herrn Jesus Christus erkennen. [...] Allmächtiger, ewiger Gott, der du auch die jüdische Untreue nicht von deiner Erbarmung ausschließt, erhöre unsere Gebete, die wir ob der Verblendung jenes Volkes vor dich bringen. Mögen sie das Licht deiner Wahrheit, das Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden…

Messbuch von 1962

Lasst uns auch beten für die Juden: Gott, unser Herr, möge den Schleier von ihren Herzen wegnehmen, auf dass auch sie unseren Herrn Jesus Christus erkennen. [...] Allmächtiger, ewiger Gott, der du auch die Juden nicht von deiner Erbarmung ausschließt, erhöre unsere Gebete, die wir ob der Verblendung jenes Volkes vor dich bringen. Mögen sie das Licht deiner Wahrheit, das Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden…

Messbuch von 1970

Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will. [...] Allmächtiger, ewiger Gott, du hast Abraham und seinen Kindern deine Verheißung gegeben. Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk, das du als erstes zu deinem Eigentum erwählt hast: Gib, dass es zur Fülle der Erlösung gelangt.

Neufassung außerordentlicher Ritus von 2008

Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen. [...] Allmächtiger ewiger Gott, der Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle der Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird.

Betrachtet man die Texte von 1570 und 1962 fällt auf, dass die neue Version dagegen deutlich entschärft worden ist. Insofern kann ich die Verärgerung vieler jüdischer Geistlicher nicht nachvollziehen. Der Text von 1962 ist aus heutiger Sicht wesentlich unkorrekter (“Schleier von ihren Herzen wegnehmen”, “ob der Verblendung jenes Volkes”), wurde aber bis 2008 benutzt, wenn auch nur von Gruppen, die die Erlaubnis zur Feier der alten Liturgie hatten. Das Christentum ist eine von ihrem Wesen her missionarische Religion mit dem Anspruch, den einzigen Weg zur Erlösung gefunden zu haben, das drückt sich natürlich auch in den Gebeten der Kirche aus. Da würde den älteren Geschwistern des christlichen Glaubens etwas mehr Gelassenheit gut zu Gesicht stehen. Schließlich haben sie den gleichen Anspruch auf Exklusivität und könnten gut über diesen Dingen stehen. Letztendlich wäre es sehr schade, wenn der jüdisch-christliche Dialog an einem Gebet, das einmal im Jahr von einer Minderheit in der Kirche gebetet wird zu Fall kommen würde.

26.02. 2008

Interview mit dem Erzbischof von Buenos Aires

Ich habe nicht gesagt, dass pastorale Systeme unnötig sind. Im Gegenteil. An sich ist alles, was auf Gottes Wege führen kann, gut. Meinen Priestern habe ich gesagt: „Tut eure Pflicht; die Aufgaben eures Amtes kennt ihr ja, übernehmt eure Verantwortung und lasst dann die Tür offen.“ Unsere Religionssoziologen sagen uns, dass sich der Einfluss einer Pfarrei auf einen Umkreis von 600m erstreckt. In Buenos Aires liegen zwischen einer Pfarrei und der nächsten ca. 2000m. Ich habe den Priestern damals gesagt: „Wenn ihr könnt, mietet eine Garage, und wenn ihr den einen oder anderen disponiblen Laien auftreiben könnt, dann lasst ihn nur machen! Er soll sich um diese Leute hier kümmern, ein bisschen Katechese machen, ja, auch die Kommunion spenden, wenn er darum gebeten wird.“ Ein Pfarrer entgegnete mir: „Aber Pater, wenn wir das tun, kommen die Leute nicht mehr in die Kirche!“ „Na, und?“ meinte ich nur: „Kommen sie denn jetzt zur Messe?“. „Nein“, musste er zugeben.

Im Interview mit dem katholischen Magazin 30Tage berichtet seine Emeninz, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, von der der fünften Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopats im Wallfahrtsort Aparecida, sowie den Problemen der Kirche in seinem eigenen Land.

Interview mit Kardinal Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires

12.02. 2008

150 Jahre Lourdes

Madonnen in Lourdes

Am 11. Februar vor 150 Jahren erschien Bernadette Soubirous im Städchen Lourdes in Frankreich zum ersten Mal eine geheimnisvolle Frau, die sich später selbst als “Unbefleckte Empfängnis” betitelte. Käme sie heute in ihre Stadt, würde sie sie kaum wiedererkennen, denn inzwischen ist der Ort zu einem der meist besuchten katholischen Wallfahrtsorte geworden. Jetzt, im Jubiläumsjahr werden rund 8 Millionen Pilger erwartet, die sich innere oder äußere Heilung erhoffen. Zwei Artikel, einer im Spiegel, einer in der ZEIT bieten einen kleinen Einblick in die Erwartungen der Pilger und denn Alltag in einem Wallfahrtsort. Gemeinsam ist allen, dass sie auf ein mehr oder weniger großes Wunder Gottes hoffen.

Die Wunderfabrik
Hinter den Kulissen von Lourdes
Offizielle Website des Wallfahrtsorts

10.02. 2008

10 katholische iPhone-Wallpapers

Wallpaper für das iPhone

Neulich bin ich nach katholischen Wallpapers für das Apple iPhone gefragt worden. Ich muss zugeben, dass ich darüber noch nie nachgedacht habe, aber anscheinend besteht da ein Bedarf. Aus diesem Grund habe ich in den Tiefen meiner Festplatte gegraben, und aus einigen Motiven selbst welche erstellt, die Sie hier herunter laden können.

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17.01. 2008

Nokia und die katholische Soziallehre

Nokia
Einige Kommentatoren der großen deutschen Tageszeitungen schrieben heute, dass die Firma Nokia im Fall der Schließung ihres Werks in Bochum nur richtig gehandelt habe. Nokia hat die Vereinbarungen die mit den Subventionen verbunden waren eingehalten und global betrachtet, steht man sich mit einer Produktion in Rumänien eben günstiger als mit einem Werk in Deutschland. Aus der Sicht des Unternehmers kann man ihnen also nichts vorwerfen, wenn da nicht mehrere Tausend Arbeitsplätze mit im Spiel wären. Der katholische Katechismus hat im Abschnitt über die Soziallehre der Kirche ein paar deutliche Worte zu diesem Thema:
KKK 2424: Eine Theorie, die den Profit zur alleinigen Regel und zum letzten Zweck aller wirtschaftlichen Tätigkeiten macht, ist sittlich unannehmbar. Ungezügelte Geldgier zieht böse Folgen nach sich. Sie ist eine der Ursachen der zahlreichen Konflikte, die die Gesellschaftsordnung stören.
Systeme, die "um einer kollektivistischen Organisation des Produktionsprozesses willen grundlegende Rechte der Einzelpersonen und der Gruppen hinten ansetzen", widersprechen der Würde des Menschen (GS 65,2). Alles, was den Menschen zu bloßen Profitmitteln erniedrigt, knechtet den Menschen, führt zur Vergötzung des Geldes und trägt zur Ausbreitung des Atheismus bei. "Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon" (Mt 6,24; Lk 16, 13).
KKK 2432: Die Unternehmensleiter sind gegenüber der Gesellschaft für die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen ihrer Tätigkeit verantwortlich. Sie sind verpflichtet, auf das Wohl der Menschen und nicht nur auf die Steigerung der Gewinne Bedacht zu nehmen. Gewinne sind jedoch notwendig. Sie ermöglichen Investitionen , die die Zukunft des Unternehmens und die Arbeitsplätze sichern.
KKK 2436 Arbeitslosigkeit verletzt fast immer die Würde dessen, den sie trifft, und droht, sein Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Außer dem Schaden, den er persönlich erleidet, bringt sie auch zahlreiche Gefahren für seine Familie mit sich.
Das wird die Verantwortlichen bei Nokia mit Sicherheit nicht umstimmen und auch die derzeitige Empörung unter bundesdeutschen Politikern würde ich persönlich lediglich dem Wahlkampf zurechnen. Trotzdem kann ich meine Macht als Konsument ausüben, und in diesem Leben kein Produkt aus dem Hause Nokia erwerben. In Bochum dürfte die Firma auch den einen oder anderen Käufer verloren haben.
Eine Frage der Ethik

08.01. 2008

Särge, Mittelerde, RAF und Katholizismus

Eigentlich sollen jeden Tag zwei Artikel in diesem Weblog erscheinen, nur habe ich heute keinen zweiten zur Hand. Deswegen müssen Sie sich dieses Mal leider mit ein paar schäbigen und halbherzigen Links zufrieden geben:

Just Bury Me In A Cardboard Box
Ein Artikel über Särge aus Pappe, die dementsprechend günstig und dazu noch in verschiedenen Ausführungen zu haben sind.

Kampf um Mittelerde
Ein browserbasiertes Strategiespiel rund um die Welt von Tolkien. Grafisch sehr simpel aber trotzdem eine spannende Angelegenheit für nebenbei oder die Mittagspause. [via Eru]

Interview mit Christian Klar
Im Gespräch, das in der JVA Bruchsal geführt wurde, äußert sich Klar zum ersten Mal seit dem Fernsehinterview von Günter Gaus im Jahr 2001

Evangelical Catholic Apologetics
Ein kämpferischer Name, hinter dem sich viele gute Erklärungen zum katholischen Glauben in englischer Sprache verbergen.

04.01. 2008

Katholiken und das Bilderverbot

Eines der auffälligsten Dinge am katholischen Glauben ist der Gebrauch von Bildern und Statuen mit Darstellungen von Christus, Maria oder den Heiligen. Auch Onkel Toby hat sich seine Gedanken dazu gemacht und für sich festgestellt:

Als ob es das Bilderverbot nie gegeben hätte, scheinen Ikonen, Marienbildchen und Kruzifixe so nötig wie die Bibel selber, um… tja, wozu eigentlich?

Mit dem Bilderverbot ist Punkt zwei der 10 Gebote im Buch Exodus gemeint. Dort heißt es:
Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. - Ex, 20,4
Oha! Hat die Kirche da jahrtausendelang etwas übersehen? Muss ich alle meine Heiligenbildchen verbrennen und Abbitte leisten? Bitte rufen Sie noch nicht den Papst an, sondern werfen Sie mit mir einen weiteren Blick ins Alte Testament. Im Buch Numeri können wir lesen, dass Gott den Israeliten giftige Schlangen auf den Hals jagte, als sie wieder mal vom Glauben abgefallen waren. Wie immer wenn Not am Mann war, baten sie Mose Gott anzurufen, damit er sie retten würde. Also betete Mose und bekam als Antwort:
Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. - Num 21,8-9
An einer anderen Stelle geht es um die Details für den Bau der Bundeslade, in der die Israeliten die Steintafeln mit den 10 Geboten aufbewahren sollen. Neben genauen Maßangaben und einer Bauanleitung ordnet Gott auch die Herstellung zweier Engelsfiguren an:
Mach zwei Kerubim aus getriebenem Gold und arbeite sie an den beiden Enden der Deckplatte heraus! Mach je einen Kerub an dem einen und dem andern Ende; auf der Deckplatte macht die Kerubim an den beiden Enden! - Ex 25,18-19
Beim Bau des Tempels gibt Gott selbst die Anweisung an David zur Herstellung von Engelsfiguren, die über der Bundeslade wachen sollen:
Er verordnete geläutertes Gold für den Räucheraltar, mit Angabe des Gewichtes, und Gold für den Aufbau des Thronwagens, die Kerubim, die ihre Flügel ausbreiteten und die Bundeslade des Herrn bedeckten. - 1 Chr 28,18
Was ist denn das? Erst verordnet Gott vollmundig ein Verbot für alle Arten von Bildern um sich dann selbst nicht daran zu halten? Da Gott kein Witzbold ist, muss es dafür wohl eine Ursache geben. Tatsächlich finden wir sie im Buch Exodus genau hinter dem Bilderverbot. Dort steht:
Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. - Ex 20,5
So betrachtet erscheint das Bilderverbot gleich logisch. Gott verbietet sowohl die Herstellung von Götter- und Götzenbildern als auch ihre Anbetung. So interpretierten es die Urchristen und auch die Katholische Kirche lehrt es genau so. Im Katechismus der Katholischen Kirche lesen wir zum Thema Götzendienst:
2114. In der Anbetung des einzigen Gottes wird das menschliche Leben zu einer Einheit. Das Gebot, den einen Herrn allein anzubeten, macht den Menschen einfach und rettet ihn vor unendlicher Zersplitterung. Der Götzendienst ist eine Perversion des dem Menschen angeborenen religiösen Empfindens. Den Götzen dient, „wer seinen unzerstörbaren Sinn für Gott auf etwas anderes als auf Gott richtet" (Origenes, Cels. 2,40).
Wir können also getrost unsere Kruzifixe und Bilder der Heiligen behalten, solange wir nicht dem Irrglauben anheimfallen, dass Bild selbst würde etwas auslösen können. Alan Schreck schreibt in seinem Buch “Christ und Katholik”:
Katholiken gebrauchen manchmal Statuen, Bilder, Medaillons, Reliquien und andere Dinge, um sich ihrer Beziehungen mit den Heiligen der Vergangenheit zu erinnern. Diese Mittel haben den Zweck, sich das Beispiel dieses bestimmten Heiligen bewusst zu machen und sich ihrer Nähe zu Gott und ihrer Kraft zu erinnern, für uns auf der Erde fürbittend einzutreten.

punchintheface

Zumindest bist du am Ende dieser Seite angelangt, deshalb noch schnell das Kleingedruckte:

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