
Nach der erneuten Stellungnahme des Vatikans zur Exkommunikation der vier schismatische Bischöfe der FSSPX und einigen inoffiziellen Erklärungen, wie es überhaupt zu dem Debakel kommen konnte, sollte das Thema eigentlich langsam durch sein. Inzwischen dürfte sich ja neben den Äußerungen der vielen Verantwortlichen der deutschen katholischen Kirche auch so ziemlich jeder zu Wort gemeldet haben, der glaubt eine profunde Meinung abgeben zu können. Abgesehen von der absolut deplatzierten Kritik einer Diplom-Physikerin aus Ostdeutschland hat mir auch der Kommentar vom Bundesvorsitzenden der SPD, dem Katholiken Franz Müntefering zu Denken gegeben:
Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel. Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss“, sagte Müntefering der „Berliner Zeitung“. Benedikt XVI. habe „gerade deutlich demonstriert, dass auch ein Papst hier nicht unfehlbar ist. Ich kann der katholischen Kirche hierzulande nur empfehlen, hier keinen falschen Gehorsam zu zeigen. [Quelle]
In diesem Fall hätte Herr Müntefering besser in seinem Katechismus nachgeschlagen, was es mit der Unfehlbarkeit des Papstes auf sich hat. In den Kommentaren zu diesem Artikel wird es auch schon kurz und knapp erklärt.
Sehr schön ist auch die Forderung von Stephan Kramer, dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland:
Kramer forderte eine vollständige Abkehr des Vatikan von den Pius-Brüdern: Mit einer Kirche, der auch die Bruderschaft angehöre, könne es sonst keinen partnerschaftlichen Dialog mit den Juden geben. “Der Papst muss sich entscheiden, auf welcher Hochzeit er tanzen will”, sagte der Zentralrats-Generalsekretär. Entweder er stehe für die Kirche der Aufklärung mit dem II. Vatikanischen Konzil oder für die Kirche des Traditionalismus mit den Pius-Brüdern. [Quelle]
Herr Kramer hat anscheinend immer noch nicht kapiert, warum die Exkommunikationen überhaupt aufgehoben wurden und was sie bedeuten. Dazu ein kleiner Auszug aus der “Note” vom Vatikan:
Die Aufhebung dieser Exkommunikation hat die vier Bischöfe von einer sehr schweren kanonischen Strafe befreit, aber sie hat die rechtliche Situation der “Pius-Bruderschaft” nicht geändert, die derzeit keinerlei kanonische Anerkennung in der katholischer Kirche genießt. Auch die vier Bischöfe haben – wenngleich die Exkommunikation aufgehoben ist – keine kanonische Funktion in der Kirche; sie können in der Kirche erlaubterweise kein Amt ausüben.
Die Exkommunikationen wurden am 24. Januar aufgehoben, da sollte man meinen, dass sich gerade jemand in einem solch prominenten Posten wie Herr Kramer zumindest einen groben Überblick über das katholische Kirchenrecht verschafft, bevor er sich zu derartigen Äußerungen hinreißen lässt. Schließlich gehört die FSSPX seit 1975 nicht mehr zur römisch-katholischen Kirche. Um das herauszufinden hätte es genügt, kurz in der Wikipedia nachzuschlagen.
Sicherlich hat dieser Fall eindeutig gezeigt, dass anscheinend auch im Vatikan schlampig gearbeitet werden kann und sie dort sowohl an der internen Kommunikation als auch an der Darstellung nach außen arbeiten müssen. Das der Papst sich nicht an sein Notebook setzen kann um im Internet nach möglichen Schandtaten schismatischer Bischöfe zu suchen ist logisch, deshalb sollten seine Berater umso besser arbeiten. Ebenso könnte es bestimmt nicht schaden, die nationalen Bischofskonferenzen vorher zu informieren und sofort eine Erklärung wie vom letzten Mittwoch zu veröffentlichen. Dadurch wäre von Anfang an klar gestellt worden, was die Entscheidung des Papstes bedeutet und was nicht. Das hätte die üblichen Verdächtigen bestimmt auch nicht davon abgehalten, gleich gegen den Vatikan zu wettern, es wäre für die Kirche aber leichter gewesen zu zeigen, dass diese oder jene Behauptung schlicht falsch ist. Allerdings kann ich in all diesen Mängeln trotzdem auch etwas Gutes sehen, denn die ganze Geschichte hat den Vatikan zwar nicht gleich entzaubert, wie ich anderswo gelesen habe, es hat ihm aber etwas von der Mystik genommen. Letztlich sieht man dass Rom auch nur mit Wasser kocht und schlichte menschliche Pannen produzieren kann.
In der eigentlichen Angelegenheit, der FSSPX die Möglichkeit zu bieten, sich wieder in die Kirche einzufügen bleibe ich aber bei meiner Einschätzung, dass daraus nichts wird. In den letzten Tagen hat die Bruderschaft schließlich keine Gelegenheit ausgelassen, sich in der Öffentlichkeit weiter in Misskredit zu bringen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie von dieser Linie Abstand nehmen.