Im April letzten Jahres wurde ich per E-Mail gebeten, ein paar Fragen zum Thema Bloggen zu beantworten. Ich glaube, die Dame brauchte das Interview für irgendeine Arbeit oder so. Jedenfalls habe ich die Fragen neulich beim Ausmisten einer Festplatte wiederentdeckt:
1. Was hat Dich bewegt, einen Blog zu schreiben?
Ich wusste seinerzeit nicht, dass ich ein Weblog schreibe, da ich damals den Begriff noch nicht kannte. Meine erste Website, damals nannte man das noch Homepage, hatte ich 2001 oder 2002. Dort veröffentlichte ich selbst gezeichnete Comics und manchmal Kommentare zu verschiedenen Themen. Irgendwann habe ich dort ein simples News-Skript eingebaut, das der Funktionsweise eines Weblogs schon sehr nahe kam. Es hat dann einige Zeit gedauert, bis mir jemand sagte, dass ich ein Blogger wäre. Zu dieser Zeit entwickelte sich gerade die deutschsprachige katholische Blogger-Szene, und meines war gemeinsam mit vier oder fünf anderen eines der ersten. Nachdem ich mich etwas mit der Materie beschäftigt hatte, ging Ende 2002 mein erstes “richtiges” Blog an den Start, das ich ab 2003 bis August 2007 betrieben habe, und das zeitweise sogar eine gewisse Berühmtheit in der katholischen Internetwelt erlangt hat. Seit September 2007 schreibe ich hier im Orden des Leibowitz.
Soviel zur Vorgeschichte, nun aber zur Frage, warum ich in einem Blog schreibe. Zu der Zeit als fonolog.com entstand befand ich mich gerade in meiner Konvertierungsphase aus einer Freikirche zum Katholizismus. Aus diesem Grund habe ich damals viele Links mit Informationen zum katholischen Glauben und Websites mit apologetischen Inhalten veröffentlicht. Zum Teil für mich da ich mein Blog auch als eine Art Notizbuch nutze zum Teil aus einer Art missionarischen Eifer (Konvertiten sind die schlimmsten, egal ob es um Zigaretten oder den Glauben geht) heraus. Natürlich gehört auch ein gewisses Maß an Extrovertiertheit dazu, sonst würde wohl niemand bloggen. Ein weiterer Punkt für mich ist der, dass ich etwas ans Netz zurückgeben möchte. Seitdem ich mich zum ersten mal ins Internet eingewählt habe, ist es für mich das Informationsmedium meiner Träume. Es klingt vielleicht etwas bescheuert, aber ich habe so viel aus dem Internet gezogen, dass ich es nur recht und billig finde, wieder etwas zurückzugeben. Das scheint mir der ursprüngliche Gedanke des Internet zu sein.
2. Wie viel Zeit verbringst Du mit dem Schreiben Deines Blogs und dem Lesen anderer Blogs?
An manchen Tagen komme ich wegen lästiger anderer Dinge wie Arbeit, Haushalt usw. überhaupt nicht zum bloggen. Normalerweise versuche ich aber zwei bis drei Artikel pro Tag zu veröffentlichen, wobei das Schreiben selbst noch am wenigsten Zeit beansprucht. Für manche Artikel muss ich etwas recherchieren, Screenshots erstellen und bearbeiten, das kann schon Zeit in Anspruch nehmen. Grob geschätzt würde ich mal ein bis zwei Stunden pro Tag ansetzen. Früher habe ich sehr viel andere Blogs gelesen, mittlerweile sind es nur noch um die 15, die ich regelmäßig lese. Für weitere 20 andere habe ich einen RSS-Feed angelegt, den ich zwei bis drei mal die Woche durchsehe.
3. Inwiefern hat es Deinen Alltag geprägt? Gab es z.B. Lebenssituationen, in denen Du an Deinen Blog gedacht hast? Kannst Du konkrete Beispiele schildern?
Mein Blog ist im Alltag fast immer dabei, denn irgendwo muss ich ja meine Themen sammeln. Manchmal ist es eine Meldung in der Zeitung oder ein Bericht im Fernsehen, der mich auf die Idee für einen Eintrag bringt. Durch Gespräche mit Freunden und Bekannten bin ich auch schon auf Themen gekommen. Beispiele aus konkreten Situationen kann ich nicht nennen, da ich fast nichts über private Dinge schreibe. Allerdings hat mich mein Blog in einigen schwierigen Zeiten meines Lebens über Wasser gehalten, weil ich mich damit beschäftigen konnte.
4. Welche positiven Erfahrungen machst Du? Welche negativen?
Positiv ist sicherlich die Erfahrung, dass das eigene Blog von anderen gelesen wird, es also Menschen gibt, die das was man schreibt interessant finden. Außerdem habe ich durch die Bloggerei im Laufe der Zeit einige interessante Menschen kennen gelernt. Einige davon habe ich persönlich getroffen, mit anderen besteht der Kontakt per Telefon oder E-Mail. Ebenfalls positiv sehe ich es, dass sich das Blog inzwischen selbst trägt, da die Kosten für den Provider durch Werbung wieder reinkommen.
Negativ ist sicherlich, dass man heutzutage ein Blog ohne Spam-Filter nicht mehr betreiben kann, es sei denn, man schaltet die Kommentar-Funktion komplett ab. Wirklich üble Erfahrungen mit Abmahnungen, wie sie einige andere Blogger gemacht haben sind mir bisher erspart geblieben. Bisher wurde mir nur einmal mit einer Einstweiligen Verfügung gedroht, dass habe ich inzwischen zu den Erfahrungswerten gepackt.
Ein anderer Punkt ist die Veränderung der Schreibweise. Am Anfang schreibt man was man interessant findet und macht sich recht wenig Gedanken darüber. Irgendwann, wenn die Anzahl der Leser auf eine gewisse Anzahl gestiegen ist, läuft man Gefahr, nur noch für seine Zielgruppe und nicht mehr für sich selbst zu schreiben. Zum Glück ging diese Phase bei wieder schnell vorbei, denn so etwas schränkt ziemlich ein.
5. Sind Blogs tatsächlich eine gute Ergänzung zum Zeitungsmarkt? Tragen sie zur Pluralisierung, Demokratisierung der Meinungsäußerung bei? Oder sieht man den Wald vor lauter Bloggerbäumen ohnehin nicht mehr?
Ich würde eher sagen, dass das gesamte Medium Internet die Verbreitung von Meinungen gefördert hat. Lange vor den Weblogs gab es ja schon Foren und das Use-Net. Wenn man sich die Inhalte der großen Mehrheit der Weblogs ansieht, die irgendwo zwischen Katzenbildern und privaten Tagebuch frustrierter Teenager angesiedelt ist, kann man zwar sagen, dass eine Menge Meinungen verbreitet werden, inwiefern diese allerdings relevant sind, ist eine andere Frage. Auch bei meinem eigenen Blog, das nur eine bestimmte Interessengruppe anspricht, kann man sich fragen, inwiefern die Inhalte relevant sind. Für meine Leserinnen und Leser sind sie es bestimmt, deshalb muss aber noch keine Zeitung um ihre Auflage fürchten.
Zudem ist die Verbreitung von Weblogs nachwievor deutlich geringer als von manchen Medien oder Bloggern behauptet wird. Zumindest in Deutschland bin ich mir sicher, dass sich die Aktivitäten der Internet-Nutzer auf E-Mail, eBay, StudiVZ, Chats und Porno beschränken. Die wenigsten lesen Weblogs und noch weniger Menschen beteiligen sich durch eigene Kommentare. In den USA mag das anders aussehen, aber in Deutschland sind Weblogs noch weit davon entfernt, eine wirkliche Bereicherung zum Zeitungsmarkt zu sein. Wobei ich mir auch die Frage stelle, ob das unbedingt nötig ist.
6. Nutzt Du andere web 2.0 Anwendungen (StudiVZ, Youtube, Facebook…)?
Zur Zeit nutze ich nur noch den Link-Service del.icio.us und sehe mir zuweilen auch Filmchen bei YouTube an. Andere Dienste nutze ich nicht, auch wenn ich bei fast allen einen Account habe um sie auszuprobieren. Das wird zum Teil aber auch an meinem unsozialen Wesen liegen. Ich habe nämlich überhaupt kein Interesse daran, z.B. bei Facebook mir persönlich unbekannte Menschen zu meinen virtuellen Freunden zu machen. Vielleicht bin ich mit 35 Jahren auch schlicht schon zu alt dafür ;-) [Kleine Anmerkung: Inzwischen bin ich auch bei Facebook unterwegs]
7. Der Blog oder das Blog?
Ich weiß dass der Duden mittlerweile auch die Schreibweise der Blog zulässt, doch damit kann ich mich nicht anfreunden. Als ich damit anfing, hieß es noch das Weblog und dabei bleibe ich auch.