Was der Vatikan von Apple lernen kann
Kaum etwas wird von den Gläubigen der Kirche des heiligen Apfels so erwartet wie eine Keynote Adress, in der gewohnheitsmäßig neue Produkte vorgestellt werden. Schon Monate vorher kocht die Gerüchte-Küche, die Ergebnisse werden auf unzähligen Websites verbreitet und wenn es soweit ist gibt es für viele Menschen kein anderes Thema und sowohl die einschlägige als auch die normale Presse überschlägt sich mit Meldungen. Im Endeffekt kommt dabei sehr viel kostenlose Werbung heraus, die das Image der Firma steigert selbst wenn nichts Neues wie das iPhone vorgestellt wird.

Vielleicht sollte der Vatikan ein paar Marketing-Strategien von Apple übernehmen, und wichtige Dinge wie Enzykliken des Papstes, Dokumente der einzelnen Kongregationen, Heiligsprechungen oder Änderungen in der Kurie oder Weltkirche nur noch einmal im Jahr auf einer besonderen Präsentation bekanntgeben. Das müsste natürlich etwas sakraler als bei Apple vor sich gehen, z.B. sollte der Papst als CEOA der Kirche nicht direkt oder nur zum Abschluss in Erscheinung treten. Veranstaltungsort könnte entweder die Halle für die Generalaudienz oder etwas stilvoller die Sixtinische Kapelle sein. Wie bei Papstreisen üblich werden nur ausgewählte Medienvertreter eingeladen und alles wird per Live-Stream und Twitter im Netz übertragen.
Letztendlich haben beide Unternehmen bei genauerer Betrachtung durchaus Gemeinsamkeiten, auch wenn die Kirche sich schon bedeutend länger auf dem Markt behauptet. Beide begründeten ihre Erfolgsgeschichte mit revolutionären Erneuerungen, waren zwischenzeitlich immer mal wieder tot gesagt und konnten sich trotzdem immer wieder aufrappeln, weil sie ihrer ursprünglichen Idee treu geblieben sind. Eines unterscheidet Steve Jobs natürlich von Papst Benedikt; Jobs hat wesentlich mehr Machtbefugnis und ist nach Meinung vieler Apple-Jünger immer unfehlbar. Zudem hat er im Umgang mit Medien das bessere Gespür, das kann aber auch einfach daran liegen, dass er im Gegensatz zum Papst professionelle Berater hat.
Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2007 und aus meinem alten Blog. Zum momentanen Mediendesaster der Kirche und zum 5jährigen Pontifikat von Benedikt XVI. habe ich ihn noch mal ausgegraben.















