Katechismus für Bittlinger

4. September 2008 | 8 Kommentare

Ich persönlich kann ja Liedermacher nicht ausstehen. Noch weniger als Liedermacher mag ich christliche Liedermacher, weil diese in der Regel musikalisch und gedanklich irgendwo in den 1980er Jahren steckengeblieben sind. Der evangelische Pastor Clemens Bittlinger ist einer von ihnen und produziert genau die Art von Musik, die sich Spötter vorstellen, wenn sie zum ersten Mal den Begriff “Neues Geistliches Lied” hören: seichte Popmusik mit belanglosen Texten zu der man im Gottesdienst geistlich abschunkeln kann. Als Beispiel von Bittlinger’s Schaffen können Sie sich das Video zu “Aufstehn, aufeinander zu gehn” ansehen. Das ist an sich keinen Artikel in einem Weblog wert, doch im vergangenen Mai hat Bittlinger ein neues Stück veröffentlicht, das sich aus seiner Sicht kritisch mit der katholischen Kirche auseinandersetzt. Auch daran gäbe es nichts auszusetzen, wenn die Kritik denn sachlich korrekt wäre und genau daran scheitert er vollkommen. Hier ein Textauszug als Beispiel:

Du (Papst Benedikt) verbietest die Kondome auch den Armen dieser Welt, förderst damit AIDS Verbreitung, auch wenn dir das nicht gefällt. Zwischendurch schaffst du die Vorhölle für ungetaufte Babies ab – hast du im Ernst davor geglaubt, dass der Herrgott so was hat?

Auf die einzelnen Punkte dieses unseligen Konglomerats aus Halbwissen und Unfug will ich nicht lange eingehen, denn der erste Punkt ist mir inzwischen zu blöde geworden und die Angelegenheit der Vorhölle lässt sich grob schon durch einen Blick in die Wikipedia aufklären. Das alles wäre immer noch keinen Artikel wert, wenn nicht Herr Bittlinger auch Beauftragter für Mission und Ökumene im Dekanat Darmstadt-Land der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wäre. Genau jetzt muss ich ihm schlichtweg eine schlampige Arbeitsweise vorwerfen, denn von jemandem der offiziell mit Ökumene beschäftigt ist erwarte ich einfach, dass er auch ausgiebig in der katholischen Theologie bewandert ist. So schwierig ist es nämlich für den “armen Laien”, wie er mich und Millionen andere Katholiken nennt, nicht sich in den katholischen Glauben einzulesen. Ich selbst habe das geschafft und von jemanden der Kritik an meiner Kirche üben will, erwarte ich das genauso. Etwas kritisieren kann man nämlich nur, wenn man sich auch mit der Materie auskennt.

Einige befreundete Blogger haben dieses Lied zum Anlass genommen, Herrn Bittlinger in aller Öffentlichkeit einen Katechismus der Katholischen Kirche zukommen zu lassen, damit er sich über die grundlegende Theologie der Kirche belesen kann und sich nicht mehr wegen seiner eklatanten Unwissenheit lächerlich machen muss. Möglicherweise liefert diese Aktion Bittlinger noch mehr Aufmerksamkeit als er verdient, andererseits muss man sich als Katholik auch nicht jeden Blödsinn gefallen lassen. Für weitere Informationen besuchen Sie einfach das Weblog zur Aktion.

The glory of the human voice

31. August 2008 | 4 Kommentare

Florence Foster Jenkins“Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann, aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte.”

- Diese Worte sind in den Grabstein von Frau Florence Foster-Jenkins gemeißelt und man muss neidlos anerkennen, dass sie wirklich viel und gerne gesungen hat. Die Passion zum klassischen Gesang trieb die gute Florence schon als Kind um, doch wollte ihr der Vater kein Studium finanzieren, genauso wenig wie ihr Ehemann. Im Nachhinein möchte man beiden keine finsteren Absichten unterstellen, sondern vielmehr muss sie die Liebe zu dieser Frau bewogen haben. Irgendwann aber war Frau Foster-Jenkins geschieden und durch den Tod ihres Vaters die Erbin eines beträchtlichen Vermögens, das sie nun einsetzte, um endlich ihre Gesangskarriere zu forcieren.

Sie nahm Unterricht und gab bald darauf Konzerte vor ausgewähltem Publikum, die ihr zu einem gewissen Ruf verhalfen. Ihre divenhaften Auftritte bei denen sie immer passend zum vorgetragenen Stück das Kostüm wechselte müssen eine echte Show gewesen sein. Dass sie keinen Ton halten konnte und nur über einen sehr geringen Stimmumfang verfügte, konnte sie nicht von ihrer Leidenschaft abhalten und auf die in der Regel vernichtenden Kritiken antwortete sie lediglich mit dem Satz der auch ihre letzte Ruhestätte schmückt.

Aber was schreibe ich soviel. Lauschen Sie einfach Frau Foster-Jenkins traumhafter Stimme:

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Musik von Dietrich Buxtehude

22. August 2008 | Kommentieren

Dieterich BuxtehudeDieterich Buxtehude war ein Organist und barocker Komponist, lebte von ungefähr 1637 bis 1707 und bis gestern habe ich noch nie etwas von diesem Mann gehört. Da ich aber den Nachnamen des guten Dietrich so lustig fand (Tante Trude aus Buxtehude…), habe ich gleich mal Google aktiviert um etwas mehr über ihn zu erfahren. Neben weltlichen Clavierwerken und Triosonaten hat Buxtehude eine Vielzahl an geistlicher Orgelmusik und Kirchenliedern geschaffen, wobei er bei letzeren gerne auf Texte von Martin Luther zurückgriff:

Ein feste Burg ist unser Gott,
Ein gute Wehr und Waffen;
Er hilft uns frei aus aller Not,
Die uns jetzt hat bestroffen.
Der alt böse Feind
Mit Ernst er’s jetzt meint,
Gross Macht und viel List
Sein grausam Rüstung ist,
Auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Da Anhören besser als über Musik lesen ist, folgt hier auch gleich ein Link zu einer Website, die alle Orgel- und einige Clavierwerker von Buxtehude zum kostenlosen Download im MP3-Format anbietet.

Orgel - und Clavierwerke von Dietrich Buxtehude

The future is unwritten

21. August 2008 | Kommentieren


Foto: Wikimedia Commons

Heute wäre Joe Strummer 56 Jahre alt geworden. Ich erhebe mein Glas auf einen derjenigen, die zu früh gegangen sind und gehe ins Bett. Die heutigen Punkrocker sind sowieso alle Weicheier und kennen ihre Wurzeln nicht. Jedenfalls haben das früher schon die Älteren zu mir gesagt…

Ein Baby macht Musik

19. Juni 2008 | Kommentieren

Früher Computer The Baby

Vor 60 Jahren ging an der Universität Manchester der weltweit erste Computer in Betrieb, der über einen Speicher für elektronische Daten, sprich Software verfügte. Die offizielle Bezeichnung der Maschine lautete “Small Scale Experimental Machine” aber alle nannten sie schlicht “The Baby”. Dem Baby wird aber zum 60. Geburtstag eine weitere Ehre zuteil, denn ein niederländischer Historiker hat herausgefunden, dass mit ihm zum ersten Mal elektronische Musik erzeugt wurde, die man sich heute noch anhören kann. Das Archiv der BBC besitzt Aufnahmen, auf dem Baby God save the King, ein englisches Kinderlied und Glenn Millers “In the mood” spielt.

In diesem Artikel der BBC News können Sie sich die älteste von einem Computer gemachte Musik anhören und einen Film aus dem Jahr 1948 ansehen, in dem über die Inbetriebnahme des Rechners berichtet wird. Weitere Informationen erhalten Sie auf der eigens zum Jubiläum eingerichteten Website der Universität Manchester.

7 schöne alte Punkvideos

18. Juni 2008 | Kommentieren

Neulich spazierte ich an den ersten Ausläufern des Sommerlochs und stieß dabei zufällig auf ein paar Videos unvergessener Bands wie Sham 69, UK Subs oder The Damned. Alle Videos stammen aus der Zeit von 1978 bis 1982 und können mit Fug und Recht als Klassiker bezeichnet werden.

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Rockmusik nonstop per Internet

23. April 2008 | Ein Kommentar

Screenshot Virgin Radio Classic Rock

Da es in meinem Haus keinen Radioempfang über Antenne gibt bin ich seit meinem Umzug auf Internetradio angewiesen. Zudem bin ich seit etwas über einer Woche krank geschrieben, da kann man nicht den ganzen Vormittag Deutschlandfunk und WDR 5 hören ohne bekloppt zu werden. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach interessanten Internetsendern begeben und bin tatsächlich in der vorinstallierten Radio-Liste meines Musikspielers fündig geworden. Virgin Radio Classic Rock spielt den ganzen Tag lang irgendwelches altes Rockzeug aus den letzten 40 Jahren. Das schlimmste was ich bisher hören musste waren Whitesnake und Guns’n'Roses, ansonsten habe ich schon viele gute Bands entdeckt, von denen ich bisher nie gehört hatte. Die Werbung hält sich in Grenzen und viel geredet wird auf dem Sender sowieso nicht. Also der praktische Kanal für Arbeiten aller Art. Für den Empfang über das Internet bietet der Sender einen Haufen Links für verschiedene Formate an.

Kunst aus Schallplatten

25. Februar 2008 | 4 Kommentare

Carlos Aires Love is in the Air

Falls Sie noch alte Vinyl-Schallplatten auf dem Dachboden stehen haben und auf der Suche nach einem neuen Hobby sind, könnten Sie es dem spanischen Künstler Carlos Aires nachmachen, der allerlei Silhouetten aus den Scheiben geschnitten hat. Mit ein paar Ideen und einer guten Laubsäge, sollte da einiges zu machen sein. Vielleicht gestalten Sie ja die nächste Weihnachtskrippe für Ihre Gemeinde auf diese Weise?! [via Unplggd]

Love is in the Air - Silhouetten aus Vinyl-Schallplatten

Drunken Sailor

28. Januar 2008 | Kommentieren

Ein altes Segelschiff

Heute Morgen waren meine Füße noch nicht ganz aus dem Bett gehievt, da hatte ich auch schon den alten Shanty “What shall we do with a drunken sailor?” im Ohr. Dort blieb er auch den ganzen Tag, deshalb habe ich mal im Internet nach dem Lied gesucht und bin natürlich fündig geworden:

Drunken Sailor - Yarmouth Shantymen
Drunken Sailor - Roger McGuinn
The Mr. Palmer Shanty (Lustige Parodie von Schulkindern)
Auch schön: The Jedi drinking song - Brobdingnagian Bards

Klassische Klaviermusik kostenlos

21. Januar 2008 | Kommentieren

Klaviertasten

Bernd Krueger aus Potsdam hat klassische Klavierstücke Note für Note in einen MIDI Sequenzer eingegeben und mit allen notwendigen Attributen wie Anschlagstärke, Dynamik, Tempo usw. versehen, die für eine musikalische Interpretation notwendig sind. Diese Interpretationen der Werke von Albéniz über Grieg bis Tschaikowsky stellt er auf seiner sehr übersichtlichen Website kostenlos im MIDI-, MP3- und OGG-Format zur Verfügung. Die Auswahl wird monatlich erweitert und besonders zu erwähnen ist, dass Herr Krueger seine Dateien mit einer Creative Commons-Lizenz lizensiert hat, die die Benutzung und Weiterbearbeitung erlaubt.

MIDI- und MP3-Sequenzen für alle Freunde klassischer Musik