Wo waren Sie?

11. September 2008 | Kommentieren

Ground Zero in New York
Foto: Wikimedia Commons

Wir hatten noch gut 10 Minuten Zeit bis zum nächsten Patienten. Wenn man bei einem mobilen Pflegedienst arbeitet, kann es passieren, dass man sich zwei Stunden lang abhetzen muss um dann wieder etwas Freiraum zu haben, weil jemand einen Besuch abgesagt hat. Ich zündete mir eine eigentlich im Dienstwagen nicht erlaubte Zigarette an und ärgerte mich darüber, dass der Praktikant den ich mitnehmen musste, den Radiosender schon wieder auf 1Live eingestellt hatte. Gerade als ich den Sender wieder umstellen wollte, kam die Sondermeldung dass soeben ein Flugzeug in einem Turm des World Trade Centers geflogen sei. Im ersten Moment habe ich das nur für eine Art schräges Hörspiel des Senders gehalten, ähnlich wie damals Orson Welles “Krieg der Welten”. Das ganze Ausmaß des Anschlags habe ich erst realisiert, als ich bei einem Patienten im Wohnzimmer die brennenden Türme im Fernsehen gesehen habe. Ich weiß noch dass wir während der gesamten Tour ständig das Radio anhatten und es eigentlich nicht fassen konnten.

Zum Tode von König Faisal I.

8. September 2008 | Kommentieren

Heute vor 75 Jahren starb der erste König des Irak, Faisal I. an einem Herzinfarkt. Von März bis Juni 1920 war er auch König von Syrien, wurde aber von den Franzosen ins Exil nach England getrieben. Aber zurück zum Irak, ich habe schon öfter darüber nachgedacht, ob eine konstitutionelle Monarchie wie unter Faisal nicht die bessere Alternative für die Zeit nach der Diktatur unter Saddam Hussein gewesen wäre. Vielleicht wäre das vielen Irakern nicht so sehr vom Westen aufgezwungen vorgekommen, wie die jetzige Demokratie. Zudem hätten die verfeindeten Volksgruppen einen gemeinsamen König möglicherweise als Identifikationsfigur sehen können. Das Parlament hätte man zum Beispiel aus Vertretern der einzelnen Stämme und religiösen Gruppen wählen können.

Natürlich ist das alles nur reine Theorie, ob sich die Monarchie tatsächlich als bessere Alternative für den Irak herausgestellt hätte kann niemand sagen. Momentan scheint mir nur sicher zu sein, dass der Sprung von der Diktatur zu Demokratie nicht unbedingt die beste Wahl gewesen ist. Ich frage mich übrigens was passiert, wenn sich die Iraker irgendwann in der Zukunft entscheiden sollten, lieber in einem “Gottesstaat” nach iranischem Vorbild zu leben. Kommt der Irak dann wieder auf die Liste der “Schurkenstaaten”?

Keine Religion ist eine Insel

8. April 2008 | 2 Kommentare

Jerusalem 1486

Karl-Josef Kuschel, der Theologie der Kultur und des Interreligiösen Dialogs an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen lehrt hat einen lesenswerten Artikel über die Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam geschrieben. Gerade in diesen Zeiten sind solche Gedanken bei vielen Vertretern dieser Religionen unbeliebt, doch beten alle zum gleichen Gott und berufen sich auf das alte Testament. Jede Religion natürlich mit der Bewertung, die ihrem Anliegen entspricht, trotzdem lassen sich viele Verbindungen, die auch von anderen Religionen, die nicht an nur einen Gott glauben abgrenzen nicht verleugnen. Kuschel ermuntert zu einem Trialog, der über gesellschaftspolitische Fragen hinausgeht und benennt als die entscheidenden Grundfragen an Menschen in allen drei Religionen “Welchen Ort hat der je Andere für mich? Welchen Raum hat das je andere Glaubenszeugnis neben mir?”.

Gemessen an der derzeitigen Realität zwischen diesen drei Religionen, wirkt diese Fragestellung vielleicht sehr idealistisch, doch scheint sie mir erstmal richtig zu sein. Denn auch wenn sich zur Zeit zumindest statistisch das Gefälle zwischen Islam und Christen zugunsten der Muslime verschoben hat, ist auf lange Sicht kein “Sieg” der einen oder anderen Religion abzusehen. Insofern wäre eine Zusammenarbeit zwischen den abrahamitischen Religionen wünschenswert und würde auf theologischer Ebene wahrscheinlich zu interessanten Ergebnissen führen.

Keine Religion ist eine Insel

Wallpaper Saint Paul’s Cathedral

9. Februar 2008 | Kommentieren

Saint Paul’s Cathedral London

Diesen schönen Schnappschuss der Saint Paul’s Cathedral in London habe ich wieder mal bei stock.xchng entdeckt. Der Fotograf mit dem passendem Namen Paul Preacher stellt es dort kostenlos zur Verfügung. Da die Church of England zur Zeit ja mehr durch seltsame Ideen zur Gesellschaftspolitik von sich reden macht, kann man sich immerhin an ihren Kirchen erfreuen.

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Muslime, die Christen werden, leben gefährlich

14. Januar 2008 | 4 Kommentare

Falls Sie heute Abend noch beschließen sollten, zum Islam zu konvertieren, werden Sie möglicherweise einiges Kopfschütteln innerhalb Ihrer Familie und dem Freundeskreis bewirken. Mit Sicherheit wird die Reaktion aber nicht so heftig ausfallen wie damals, als ich der Leitung meiner Freikirche davon berichtete Katholik werden zu wollen (mir wurde seinerzeit nur der Abfall vom rechten Glauben vorgeworfen). Umgekehrt kann der Übertritt eines Muslims zum Christentum deutlich andere Reaktionen hervorrufen. Wenn Sie Glück haben, werden Sie “nur” von der Familie verstoßen, schlimmstenfalls müssen Sie mit gewalttätigen Angriffen rechnen. Ein Artikel in der WELT berichtet über die Erlebnisse von ehemals islamischen Konvertiten. Das Weblog einer türkisch-christlichen Gemeinde aus Köln mit weiteren Informationen können Sie hier einsehen.

Muslime, die Christen werden, leben gefährlich

Das größte Fußgängerproblem der Welt

22. Oktober 2007 | Kommentieren

Foto der Kaaba in Mekka bei Nacht
Foto: Wikipedia

Der Höhepunkt des Hadsch, der islamischen Pilgerfahrt nach Mekka, ist die siebenmalige Umrundung der Kaaba, bei der es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Massenpaniken und Todesfällen kam. Um dem ein Ende zu bereiten, hat die saudische Regierung Forscher und Ingenieure aus Deutschland angestellt, die neue Methoden entwickeln sollen, um den Ansturm der Pilger besser kontrollieren zu können. Dazu wurde eine Software entwickelt, die Anzeichen für Panik vorausberechnen kann, zusätzlich wurde ein Wegesystem eingerichtet, das sich schon auf dem letzten katholischen Weltjugendtag bewährt hat.

Nur keine Panik - Wie der Hadsch sicherer wurde

Der Islam und der Westen

21. Oktober 2007 | Kommentieren

Geografisch gesehen, ist der Orient die islamisch-arabische Welt im Mittelmeerraum und im Nahen Osten. Es ist eine Welt, die keine strikte Trennung zwischen Religion und Staat vollzogen hat. Säkularismus existiert im Orient in Ansätzen nur dort, wo er von “oben” verordnet wird und sich auf die Macht der Bajonette berufen kann. Es ist eine Welt, in der der Islam den Alltag der Mehrheit der Bevölkerung geprägt hat und entscheidend mitformt.

Im Archiv der ZEIT habe ich einen interessanten Beitrag aus dem Jahr 2003 von Mordechay Lewy, dem damaligen israelischen Botschafter in Deutschland entdeckt. Lewy beschäftigt sich mit der Sichtweise des Orients über sich selbst und mit welchen Gedanken der Westen betrachtet wird.

Der Islam und der Westen - Nimm meine Schuld auf dich

Ich stehe zum Leitbild Ehe und Familie

20. Oktober 2007 | 2 Kommentare

In unserem Ja zur Vielfalt sehe ich unsere Stärke. In Rumänien habe ich einen orthodoxen Gottesdienst erlebt, da spielt sich Liturgie ab, ohne dass die Gemeinde irgendwie beteiligt ist. Ohne Gemeinde gibt es aber für uns keinen Gottesdienst. Wir Evangelische sollten auch nicht versuchen, andere nachzuahmen, indem wir jetzt alle bunte Stolen tragen oder in klerikalen Kragen herumlaufen. Der schwarze Talar mit Beffchen ist unsere Tradition, ja unser Markenzeichen. Eine Stola gehört nicht dazu, sie ist Zeichen eines Weihepriestertums. Ich trage deshalb bewusst keine Stola.

Die evangelische Bischöfin Margot Käßmann spricht in der WELT über Ursache und Wirkung des neuen Atheismus, den derzeitigen Stand der EKD und der Möglichkeiten in der Zukunft. Als selbst Betroffene äußert sie sich auch zum Thema Brustkrebs und Scheidung, sowie zum Vorschlag, die erste evangelische Päpstin zu werden.

Interview mit der evangelischen Bischöfin Margot Käßmann

Mit Jesus im Zentrum des Islam

9. Oktober 2007 | Kommentieren

Der Vatikan hat uns manchmal zu verstehen gegeben, dass wir orientalischen Christen im Namen der Menschenrechte mit dem Islam zusammen arbeiten sollten: Dingen wie Emanzipation der Frau, Verteidigung des Lebens, Religionsfreiheit. Aber was heißt das? Wir haben eine besondere, einzigartige Beziehung zum Islam; eine andere als die, die ihr in Europa zu den islamischen Minderheiten habt. Ich sage immer: Wir sind die Kirche des Islam.

Seine Seligkeit Gregorius III.Die Melkitische Griechisch-Katholische Kirche gehört nicht zu den bekanntesten und mit wenig mehr als einer Million Gläubigen auch nicht zu den größten Kirchen. Sie versteht sich als direkte geistliche Nachfolgerin der ersten Christengemeinden von Jerusalem und Galiläa, und was ihr Oberhaupt, seine Seligkeit Gregorius III. Laham über das Verhältnis zum Islam, den Orthodoxen und auch zu den Beziehungen zu Rom sagen kann, ist wirklich interessant. Im direkten Zusammenleben mit anderen Religionen gestalten sich die Dinge eben oft anders, als aus dem fernen Westen betrachtet. Und selbst ein “Schurkenstaat” wie Syrien entpuppt sich als geradezu großzügig gegenüber seinen religiösen Gemeinschaften. [via Pax et bonum]

Interview mit Gregorius III. im katholischen Magazin 30Tage

Foto: Wikipedia

Einander kennen, um die Angst zu besiegen

29. September 2007 | Kommentieren

Hier im Westen sprechen wir oft vom Islam als einem einzigen Block. Aber das ist ein Trugschluss. Es gibt keinen einzigen Islam, sondern viele. Mit dem Islam, der tötet – und der meiner Meinung nach nicht der wahre Islam, sondern eine Verzerrung desselben ist –, ist natürlich kein Dialog möglich. Mit dem echten Islam – dem, den ich nicht nur im Libanon kennen gelernt habe, sondern auch in Syrien und in den Golfländern –, gibt es derzeit zwar keinen theologischen Dialog, aber es kann durchaus einen der Kultur, der Liebe und des Friedens geben. Das wichtigste ist, einander zu kennen. Und zwar immer besser. Jeder von uns kann vom anderen lernen. Wir können beispielsweise an den Muslimen die Dimension der Transzendenz Gottes schätzen, den Wert des Gebets und des Fastens, den Mut, den eigenen Glauben im öffentlichen Leben zu bezeugen. Von uns dagegen können die Muslime den Wert einer gesunden Laizität lernen.

In der Online-Ausgabe der katholischen Monatszeitschrift 30Tage habe ich ein Interview von August mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran entdeckt. Der Kardinal war viele Jahre “Außenminister” des Vatikan und hat einige Zeit im Nahen Osten verbracht. In dem Interview spricht er über de Möglichkeiten eines Dialogs mit Muslimen aber auch anderer Religionen wie Buddhismus und Hinduismus.

Interview mit Kardinal Jean-Louis Tauran in 30Tage