Auslegung des Magnifikat
18. Februar 2008 | Kommentieren
Daraus können wir lernen, welches die rechte Ehrung sei, mit der man Maria ehren und ihr dienen soll. Wie muß man sagen zu ihr? Sieh die Worte an, so lehren sie dich so sagen: “O du selige Jungfrau und Mutter Gottes, wie bist du so gar nichts, gering und verachtet gewesen, und Gott hat dich dennoch so überaus gnädig und reichlich angesehen und große Dinge in dir gewirkt. Du bist ja keins davon wert gewesen, und weit und hoch über all dein Verdienst hinaus ist die reiche, überschwengliche Gnade Gottes in dir. Oh, wohl dir; selig bist du von der Stunde an bis in Ewigkeit, die du einen solchen Gott gefunden hast usw.”. Du brauchst nicht zu denken, dass sie das ungern höre, wenn man sie solcher Gnade unwürdig nennt. Denn sie hat ohne Zweifel nicht gelogen, wenn sie selber ihre Unwürdigkeit und Nichtigkeit bekennt, welche Gott gar nicht wegen ihres Verdienstes, sondern aus lauter Gnade angesehen habe. [...] Damit lassen wir’s diesmal bewenden und bitten Gott um ein rechtes Verständnis dieses Magnifikat, daß es nicht allein leuchte und rede, sondern brenne und bleibe in Leib und Seele. Das verleihe uns Christus durch die Fürbitte und den Willen seiner lieben Mutter Maria. Amen.
- Martin Luther, Das Magnifikat
Hätten Sie gedacht, dass dieser Text aus der Feder Martin Luthers stammt? Er ist seiner deutschen Übersetzung und Auslegung des Magnifikat aus dem Jahr 1520 entnommen, die Andreas Janssen freundlicherweise zur Verfügung stellt. In diesem Jahr veröffentlichte Papst Leo X. die Bannbulle “Exsurge domine“, in der Luther aufgefordert wird, 41 seiner 95 Thesen zu widerrufen. Als Antwort verbrannte er die Bulle selbst sowie einige Schriften der Scholastik und des kanonischen Rechts. Daraufhin wurde er am 3. Januar 1521 mit der Bannbulle “Decet Romanum Pontificem” exkommuniziert. Martin Luther starb heute vor 462 Jahren in Eisleben.







