Demenz ist wenn man trotzdem lacht

18. August 2008 | Kommentieren

Hirn eines DemenzkrankenVielleicht haben Sie auch von der neuen Idee der Bundesagentur für Arbeit gelesen, ab dem 1. September Langzeitarbeitslose für die Pflege von Demenzkranken Menschen einzusetzen. Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wilhelm Schmidt hat dazu die passenden Worte gefunden: “Der Wert der Pflege wird so gering eingeschätzt, dass nun Hilfskräfte eingesetzt werden sollen, die nach einem Kurzlehrgang auf die Menschen losgelassen werden sollen. Wer sich das ausdenkt, hat von Pflege und Menschlichkeit keine Ahnung”.
Das sehe ich als Krankenpfleger genauso, denn es hat schon seinen Grund, dass die Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege drei Jahre umfasst. Die geplanten 160 Unterrichtsstunden und einige Praktika reichen da nicht, um aus einer arbeitslosen Fleischfachverkäuferin, die vor 10 Jahren ihre verwirrte Großmutter betreut hat eine professionelle Pflegekraft zu machen. Selbst wenn es sich “nur” um Tätigkeiten wie Nahrung darreichen oder spazieren gehen handelt.
Der Umgang mit dementen Personen ist schwierig, er kann selbst dafür Ausgebildete an ihre Grenzen bringen und hat nichts damit zu tun, etwas verwirrte alte Leute zu unterhalten. Die Demenz ist ein komplexes Krankheitsbild mit verschiedenen geistigen und körperlichen Ausformungen. Den Umgang damit kann man nicht mit wenig Unterricht erlernen. Sollten meine Angehörigen davon betroffen sein, würde ich es ablehnen, dass sie von unausgebildetem Hilfspersonal betreut werden.

Das ist aber nur ein Grund diese Entscheidung abzulehnen, denn selbst wenn ausschließlich arbeitslose Kranken- und Altenpfleger/-innen für diese Tätigkeiten herangezogen würden, wäre sie immer noch falsch. Denn auch wenn diese Arbeitslosen laut der Arbeitsagentur keine Pflegekraft ersetzen sollen, wird das in der Realität genauso aussehen. Denn kaum ein Pflegeheim wird sich die Chance entgehen lassen, Fachpersonal ganz legitim durch gesponserte Hilfskräfte zu ersetzen. Entweder wird also ein Arbeitsplatz durch eine Hilfskraft ersetzt oder eine ausgebildete Pflegekraft muss für einen nicht angemessenen Lohn arbeiten.

Letztendlich kann man diesen Vorstoß nur als weiteren Versuch bewerten, die Arbeitslosenstatistik zu schönen und nebenbei noch den Notstand in den Pflegeheimen durch unqualifiziertes Personal zu beheben. Alles auf Kosten von Menschen, den einen verweigert man einen ordentlich bezahlten Arbeitsplatz, den anderen eine professionelle Pflege.

Zum Thema:
Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen
Streit über Pflegejobs für Arbeitslose
Artikel “Demenz” in der Wikipedia

Überfall auf geistig Behinderten

12. Juni 2008 | 4 Kommentare

Gestern Nachmittag saß ich bei einem Kaffee gemeinsam mit der Liebsten in der Küche, als wir plötzlich ein herzzerreißendes Weinen aus der Richtung der Bushaltestelle vor unserem Haus hörten. Draußen nachgeschaut entdeckten wir den Nachbarsjungen, ein geistig behindertes Riesenbaby zwischen 15 bis 18 Jahren, heulend und schluchzend auf der Treppe vom Hauseingang. Auf unsere Nachfrage erzählte er unter Tränen, dass er die Speicherkarte von seinem Handy verloren hätte und deshalb die Angst vor einer Ansage von seinem Vater groß sei. So hat er sich natürlich nicht ausgedrückt, denn obwohl der Bursche einen Kopf größer als ich ist, befindet er sich geistig ungefähr auf dem Stand von einem 8jährigen Kind.

Jedenfalls habe ich mit ihm ein wenig die Strasse abgesucht und durch das Gespräch mit ihm erfahren, dass er die Karte natürlich nicht verloren hat, sondern dass sie ihm von zwei Jungs gestohlen worden ist, die sich danach in den Bus gesetzt und in Richtung Innenstadt gefahren sind. Nachdem wir ihm mühselig ein paar weitere Informationen über die Täter aus der Nase gezogen haben, ist meine Liebste mit ihm zur Polizei gefahren, um wenigstens eine Anzeige zu erstatten. Dort konnte er eine erstaunlich gute Täterbeschreibung abgeben die zusammen mit seinen anderen Aussagen eine fast eindeutige Identifizierung des Täters ermöglichten.
In der näheren Umgebung befindet sich nämlich eine Art Heim für schwer erziehbare Jugendliche und die Beschreibung passte ziemlich genau auf einen bestimmten Jugendlichen, der auch schon mehrfach kriminell aufgefallen ist. Die Polizistin, die die Anzeige aufnahm war deutlich verärgert und kündigte einen Besuch des Heimes noch am gleichen Abend an. Was daraus geworden ist weiß ich leider nicht, aber vielleicht werde ich es noch in den nächsten Tagen erfahren.

Bei mir keimt bei solchen Geschichten der heilige Zorn auf, denn ich kann nicht nachvollziehen, wie jemand derart moralisch verkommen sein kann, dass er geistig Behinderte überfällt. Da mir ab jetzt nur noch schlimmste populistische Gedanken kommen, beende ich den Artikel an dieser Stelle. Viele Fragen bleiben mir trotzdem im Kopf.

Welche Grundwerte braucht eine Gesellschaft?

4. Februar 2008 | Kommentieren

Falls Sie morgen Abend noch nichts vorhaben , in der Nähe des Ruhrgebiets leben und nach einer Möglichkeit suchen, dem Karneval zu entfliehen, kann ich Ihnen einen Vortrag im Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel ans Herz legen. Dort wird um 20.00 Uhr Herr P. Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels OP zum Thema “Welche Grundwerte braucht eine Gesellschaft, auch unsere?” sprechen. Einen Text zum Einlesen können Sie in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift “Die neue Ordnung” im PDF-Format herunterladen. Dort sind außerdem alle bisher erschienenen Jahrgänge der Zeitschrift kostenlos erhältlich. Es ist nichts, was man während des Frühstücks überfliegen könnte, dafür aber viele interessante Denk- und Diskussionsanstöße zur katholischen Soziallehre bietet.

Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel
Zeitschrift Die neue Ordnung