Spießer und Familiengottesdienste

Ich werde einfach nicht schlauer. Dabei müsste ich nach einigen Jahren in meiner Gemeinde wissen, dass ich Messen die als Familiengottesdienst deklariert sind meiden sollte. Wenn mich die Leinwand für den Tageslichtprojektor anblinzelt, müssten meine Alarmglocken läuten. Spätestens wenn ich das blaue Liederbuch des BDKJ in den Kirchenbänken liegen sehe, sollte ich rennen wie der Teufel hinter der armen Seele. Aber ich werde nicht klüger und hoffe jedesmal, dass es möglicherweise doch nicht so schlimm wird. Stattdessen gab es zum Halleluja vor dem Evangelium vorgetanzte Armbewegungen mit Klatschen, die die Kinder samt der Erwachsenen nachmachen sollten. Dabei bin ich nicht aus einer charismatischen Freikirche ausgetreten, um dann als Katholik in der Messe irgendwelche Bewegungen zu leisten.

Anstatt einer Predigt wurde ein Kind getauft, wobei alle in der Kirche anwesenden Kinder um das Taufbecken versammelt waren um zuzusehen. Den krönenden Abschluss bildete das gemeinsame Vater unser, bei dem sich die Gemeinde an den Händen fassen durfte. Gewiss hätte es mich härter treffen können, als die Hand der ebenso blonden wie attraktiven jungen Frau neben mir ergreifen zu müssen, trotzdem liegen mir derartige Spielarten des Gebets nicht so richtig. Ach ja, während der gesamten Messe lasen noch verschiedene Kinder Sätze von Zetteln ab (jede/r von Ihnen wird wissen, wie gut kleine Kinder ablesen können), die erklären sollten, was alles zum Haus Gottes gehört. Dazu passend wurde ein von Kinderhand gezeichnetes Haus an die Leinwand geworfen, in das die Kinder Sofas oder Spielzeug hineinstellten.

Ich habe mir jetzt fest vorgenommen klüger zu werden. Ich muss nur auf das Wort "Familiengottesdienst" in den Pfarrnachrichten achten. Dann werde ich artig früh aufstehen, um am Sonntag die Frühmesse zu besuchen oder alles schon am Samstag hinter mich bringen. [inspiriert von Matthias]

20 Kommentare

Also bitte, verehrter Frank, da bist du schon ganz alleine schuld. Ich käme nie auf die Idee, einen Familiengottesdienst besuchen zu wollen, nicht, weil ich Familie nicht leiden kann, sondern weil ich keine eigenen Kinder habe und das nicht aus Not. Wenn im Reisekatalog steht: Familienhotel, dann buche ich auch nicht.
Ist einfach nicht mein Ding. Stünde da Seniorenhotel, könnte ich mich wirklich hinreißen lassen. Gibt es Seniorengottesdienste eigentlich?
Nee, oder?

Vielleicht hätte ich erwähnen sollen, dass ich letzten Sonntag verschlafen habe und die Wahl zwischen Familiengottesdienst und keiner Messe hatte. Deshalb werde ich in Zukunft an Sonntagen an denen es um 11:15 Uhr eine Familienmesse gibt darauf achten, pünktlich in die normale Messe zu gehen. Nichtsdestotrotz bin ich fest davon überzeugt, dass es möglich ist, Messen für Kinder auf andere Art zu feiern. Ich habe seinerzeit in der Freikirche oft die Kinderpredigten gehalten und dadurch gelernt, dass Kinder wesentlich mehr verstehen, als manche Erwachsene glauben. Unter anderem haben wir damals eine Predigt über Ezechiel gehalten, die die Kinder verstanden haben. Wenn sie sich das zumindest vorstellen können, verstehen sie auch den Rest.

@Elsa
Ja, es gibt Seniorengottesdienste. Bei uns in der Gemeinde wird am ersten Mittwoch im Monat die Messe statt um 18:30 schon um 14:30 Uhr gefeiert und heißt dann "Seniorenmesse", anschließend ist "Seniorennachmittag". Zur Seniorenmesse gehe ich nie, auch wenn das oftmals dazu führt, dass ich mehrere Tage hintereinander zu keiner Messe komme. Aber dort fühle ich mich schlichtweg ausgeladen, denn mit 23 gehöre ich da nicht rein.

@Frank
Es gibt Schlimmeres als geklatschtes Halleluja. Wenn es denn so ist, dass die Kinder was damit anfangen können - wieso nicht? Natürlich ist das auch nichts mehr, was mich anspricht, aber dafür ist es eben dann auch als Familienmesse ausgeschrieben.
Solange die Messe noch "ordentlich", also mit allen Teilen und ohne "Lesung aus dem Buch des kleinen Prinzen" gefeiert wird, habe ich nichts dagegen einzuwenden.

Ich glaube immer noch das Hauptargument gegen Kindergottesdienste ist, daß Kinder das nicht wollen. Letztendlich geht es (wie übrigens auch bei Musikern wie Sukowski, um mal was weltliches zu nehmen!) darum, daß Kinder etwas tun, was ihre (Groß-)Eltern für süß bzw. kindgemäß halten. Böse gesagt: Wenn man Kinder mißgebraucht um Erwachsenen Spaß zu bereiten? Da gab´s doch einen Straftatbestand?

Auf der einen Seite kann ich dich ja verstehen, Familiengottesdienste, nun ja es steht halt oftmals nicht DER im Vordergrund, für DEN der Gottesdienst gehalten wird.
Schnell geht es darum welches Kind am besten vorlesen kann usw. usf. Es wird schnell zum Familiendienst.
Alle Eltern im Familiengottesdienstkreise etc. wollen sicherlich an sich schon einen Gottesdienst, aber es geht oft darum noch kreativer zu sein als die letzte Vorbereitungstruppe und dadurch wird dann schnell vergessen worauf es ankommt.
Doch gib die Hoffnung nicht auf das diejenigen die sich mit einer Gottesdienstvorbereitung abmühen werden irgendwann vielleicht doch merken worauf es ankommt.
Und solange kann man sich damit trösten, das viele doch merken das sie während der Eucharistiefeier etwas Heiliges mitmachen, und wer nur gekommen ist um sein Patenkind lesen zu hören, spürt das es um mehr geht.

Außerdem ist noch einmal lobend hervorzuheben, das eine Taufe im Beisein der ganzen Gemeinde geschieht, denn die Taufe ist nicht wie ich es in meiner GEmeinde oft erleben ein Familienfest sondern die Aufnahme in die Gemeinde, die Gemeinde muss das Kind willkommen heißen, das ist auch Gottesdienst.
(Das dabei die Predigt fallengelassen wird, schmälert dieses urchristliche Selbstverständnis wieder etwas, leider)

Ps: Auch wenn Sie/du es nicht so gemeint haben, eine Hl. Messe bringt man nicht hinter sich!

Ich hab als Kind diesen Klatschekram gern gemacht, sofern die anleitende Person auch fähig war. Manche waren schlicht nicht in der Lage, das natürlich rüberzubringen, und das fand ich dann als Kind schon eher peinlich (obwohl ich damals das Wort "peinlich" noch nicht kannte, aber das Gefühl halt schon).

Na ja, deswegen sind diese Pfarrblätter ja da, um gewarnt zu werden. Wobei bei uns zum Beispiel der Trick ist, dass Familiengottesdienste immer zum Zeitpunkt des normalen Sonntagsgottesdienstes ersetzt. Deshalb ist die Kirche dann auch gut gefüllt, und man hört beim rasscheln der angeschafften Liedbücher gerne mal Sätze wie "Ach, all das moderne Zeug".

Wobei ich persönlich, als männlicher kinderloser Single, jetzt eigentlich nie so schlimm fand. (Wobei ich jetzt aber auch nicht extra in einen rein gehen würde.) Und auch wenn die Grenze fließend sein kann, ich denke man kann durchaus zwischen einem kindgerechten und kindischen Gottesdienst unterscheiden. Und da Kinder nun mal keine kleinen Erwachsenen sind finde ich auch den Gedanken des "Missbrauchs" eher merkwürdig. Und das eine Taufe dabei statt gefunden hat finde ich sogar sehr schön. Benedikt hat doch völlig Recht, wo finden denn Taufen ansonsten statt? Samstag Nachmittag im engen Familienkreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit ...

Ich denke, ich sollte mich bei Zeiten mal unseren Kindertanten bedanken. Die Damen schaffen es, von mir bisher unbemerkt, Familiengottesdienste zu organisieren, wo man nicht den Eindruck bekommt irgendwer würde gezwungen, oder so. Klar klappt nicht immer alles reibungslos, aber dafür sind es halt Blagen.

@amica: >>Aber dort fühle ich mich schlichtweg ausgeladen, denn mit 23 gehöre ich da nicht rein.>>
alles nur eine Frage der Zeit :)
ich glaube, die senioren würden sich riesig freuen, vielleicht auch über ein anschließendes gespräch. aber ich gebe zu, ist meine persönliche sichtweise, ich hab halt mehr den draht zu den senioren als zu kindern.
vielleicht aus dem grund, den frank auch anführt: es wird viel zu viel komisches getue gemacht, wo sie doch mit ezechiel vielleicht ebenso happy wären und dazu noch gefordert. ich hab aber schlicht keine ahnung, da keine eigenen, wie gesagt.
und besuche mit vorliebe die vorabendmessen :))

Die Kindergottesdienste meiner ehemaligen Heimatpfarre (in meiner jetzigen weiß ich es noch nicht, dort war ich immer nur zu Abendmessen - btw., die schmucke Asiatin, die auch immer da ist, muß ich noch ansprechen...) sind mir zwar auch ein Greuel, aber erstens nicht so schlimm wie das erwähnte, zweitens... na ja, wenn ich die ganze Zeit predige, man solle nicht so auf seinen Geschmack bei der Feier der Messe achten, dann muß ich wohl, wenn ich in eine solche Messe gehe, das Kreuz auf mich nehmen.
Der Zyniker in mir hat mal folgende Weisheit geprägt: "Aufopferung, Abtötung, Buße und auch der Opfercharakter der Messe wurden mir nie so klar wie bei der einem Familiengottesdienst."

*prust*
Tschuldigung.

@FingO

Das wiederum ist mir auch schon so gegangen, allerdings eben nur bei wirklichen Verstößen gegen das Meßformular. Ich hab mir aber mal erlaubt, den Satz bei katholon als Signatur einzustellen ... Der ist nämlich echt gut.

@Elsa
Wenn mich die Senioren sehen wollen, sollen sie zur ganz normalen Werktagsmesse kommen, die für alle ausgeschrieben ist. Da bin ich nämlich so gut wie immer anzutreffen.

Eigentlich war das doch ganz passend, der Familiengottesdienst als kleine Buße fürs Verschlafen ;-)

Ich gestehe, dass ich heute aus einem -nicht angekündigten- Familiengottesdienst geflohen bin. Als ich die blauen BDKJ-Bücher sah, wußte ich Bescheid ... Es gab eine Taufe und die Vorstellung der Kommunionkinder. Nach 20 min. waren die Kommunionkinder gerade dabei ihre Namensschilder an die Kerzen ihrer Gruppen zu heften. Da habe ich es nicht mehr ausgehalten. Ich hatte gerade 3 Tage einer anstrengenden Fortbildung hinter mir, wo ich auch nur vollgetextet wurde.
So katholisch, dass ich dies als "Aufopferung" hinnehmen könnte, bin ich doch nicht. ;-)
Ich hab es einfach nicht ausgehalten ...

@Michael
Das kann ich gut nachvollziehen. Deshalb habe ich dieses Wochenende auch eine ganz normale Vorabendmesse besucht. Stinknormale Messen sind einfach viel entspannender für mich :)

Meine Frau hat übrigens meine -und die hier vertretene- als schrecklich intolerant bezeichnet. Sie sagte sinngemäß: Wenn man keine Familiengottesdienste mehr anbietet, dann hat man ggfs. irgendwann auch nur noch Greise im Gottesdienst sitzen.

@Michael
Dann teile deiner Gattin doch bitte mit, dass ich persönlich nichts an Familiengottesdiensten auszusetzen habe. Ich bin nur der Meinung, dass man so eine Messe besser und attraktiver gestalten könnte, als ich es bisher gesehen habe.

Es gibt ja auch bei Familienmessen solche und solche.

Ein von mir sehr geschätzter Priester (St. Bernhard, Dahlem) macht seine Kinder/Familienmessen eigentlich genauso str8 wie alle anderen, nur die Homilien sind mehr auf Kinder angelegt.

Bin als Pfarrer überrascht über obige Meinungen. In meiner Gemeinde merke ich, dass die Kindergottesdienste sehr gut besucht sind im Vergleich zu "normalen" Gottesidensten. Vor allem der Kindergottesdienst am Heiligen Abend, da müsste man die Kirche vergrößérn können. Und dann denke ich an das Martinsfest etc. Wenn das wirklich so schlimm ist, dann soll man einfach nicht hingehen und solche Gottesdienste wird es bald nicht mehr geben.
Aber es gibt ja bei der heutigen Mobilität immer Alternativangebote - also nicht schimpfen, sondern ausweichen ;-)

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