Eine Reliquie

Ein Kardinal aus dem Vatikan hat den schwunghaften Handel mit Reliquien bei eBay angeprangert. Dort können Sie zum Beispiel für 1350,- Euro eine Monstranz mit Haaren von Pfarrer P.R.Mayer S.J erwerben, oder für knapp 1500,- Dollar eine Reliquie mit Teilen einer Windel unseres Herrn Jesus Ihr eigen nennen. Ebenfalls im Angebot ist eine Kopie des Schweißtuchs der Veronica, das auf das Originaltuch gelegt worden ist. Schon für 1250,- Euro kann es Ihnen gehören. Deutlich preisgünstiger ist ein Reliquiar des heiligen Liborius, auf das derzeit 99,- Dollar geboten werden.

Das kanonische Recht verbietet Katholiken den Handel mit biblischen Reliquien sowie Reliquien erster und zweiter Klasse. Katholiken dürfen solche Objekte zwar von nicht katholischen Dritten oder von dazu offiziell befugten kirchlichen Einrichtungen erwerben, besitzen und privat verehren, aber nicht weiterverkaufen. Zulässig sind lediglich das Verschenken von Reliquien an andere Gläubige und die Rückgabe an die Kirche. Insofern müsste man als gläubiger Mensch erst bei den Verkäufern nachfragen, ob sie auch bestimmt nicht katholisch sind. Trotzdem ist die Versteigerung solche Dinge irgendwie unwürdig und außerdem hätte ich Zweifel, was die Echtheit der Reliquien angeht. Da sind die offiziellen Einrichtungen der Kirche doch die bessere Wahl um an ein Überbleibsel seines Lieblingsheiligen zu gelangen. Da fällt mir ein, dass ich immer noch auf meine Reliquie von Papst Johannes Paul II. warte.

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