Bundesparteitag der Piraten in Bingen

Am vergangenen Wochenende fand der Parteitag der Piratenpartei in Bingen statt. Gemeinsam mit anderen Piraten aus Hagen war ich auch dort, insgesamt sollen es 1001 Piraten gewesen sein. Angesicht dieser Menschenmenge hat die Organisation sehr gut funktioniert. Die Akkreditierung ging flott über die Bühne, selbst bei mir, der ich noch keinen Parteiausweis habe und auch meinen Personalausweis vergessen hatte. Nur den Sinn des orangefarbenen Armbands hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Das Orga-Team ließ nämlich zu Beginn niemanden ohne in die Halle, während es hinterher nicht mehr kontrolliert wurde.
Am ersten Tag musste ein neuer Bundesvorstand gewählt werden. Die Tatsache, dass wir 10 Stunden gebraucht haben, um letztendlich den alten Vorstand wieder zu wählen kann man von zwei Seiten betrachten. Natürlich hätte alles schneller gehen können, zumal man sich schon im Vorfeld über die Kandidaten informieren konnte. Warum viele Mitglieder einer “Internetpartei” das nicht schaffen, ist mir ein Rätsel. Auf der anderen Seite gab es im Vorfeld einige Kritik am Vorstand über die gesprochen wurde, und eine echte Basisdemokratie kann eben lange dauern, auch wenn es manchmal wirklich nervt. Mit dem neuen alten Vorstand kann ich persönlich gut leben, es gab für mich auch keine brauchbaren Alternativen.
Das Highlight des Sonntags war für mich der Beschluss, die Jungen Piraten zur offiziellen Jugendorganisation der Partei zu erklären. Die Jupis sind ein lustiger Haufen sehr engagierter junger Menschen und es ist gut, dass sie jetzt richtig zur Partei gehören. Außerdem wurde die bundesweite Testphase der Software Liquid Feedback beschlossen, mit der man kurz gefasst Meinungsbilder online erstellen kann. Sehr viel mehr gab es an diesem Tag nicht, deshalb kann man nicht behaupten, es wäre ein Parteitag der vielen Beschlüsse gewesen. Als Reinfall würde ich den Parteitag trotzdem nicht bezeichnen.
Man wäre sicherlich weiter gekommen, wenn sich die fast immer gleichen Personen mit überflüssigen Fragen zurückgehalten hätten und die Mehrheit der Piraten besser vorbereitet gewesen wäre. Zudem ist die Geschäftsordnung wohl nicht auf einen Parteitag mit 1000 Teilnehmern ausgerichtet. Eventuell kann es an dieser Stelle Verbesserungen zum Ablauf geben, da bin ich allerdings kein Experte. Man darf auch nicht vergessen, dass die Piraten eine noch sehr junge Partei sind, die sich zudem hauptsächlich aus Menschen zusammensetzt, die vorher wenig bis keine Erfahrung mit Politik machen haben. Außerdem haben wir es uns zum Ziel gesetzt wirklich demokratisch zu sein, im Notfall bis über die Schmerzgrenze hinaus. Da ist es mir lieber, wenn 10 Stunden über den Vorstand gestritten wird, als dass er wie in anderen Parteien von wenigen bestimmt wird.
Die andere Seite des Parteitags hatte mehr mit Spaß als mit Politik zu tun. Ich habe es geschafft, mich mit fast allen Piraten aus ganz Deutschland, die ich bisher nur über Twitter kannte wenigstens kurz zu treffen. Auch ansonsten war es sehr entspannend und lustig, nach getaner Arbeit mit vielen Piraten zu reden und zu trinken. Das man sich politisch nahe steht ist weiß man voneinander, aber genauso wichtig finde ich es, wenn man sich auch menschlich näher kennenlernt. Deshalb hatte ich zwar nur wenig Schlaf, das war es aber wert. Insgesamt kann ich mich über den Parteitag nicht beklagen. Programmatisch wäre vielleicht mehr drin gewesen, aber was soll’s? Ich hatte ein sehr amüsantes Wochenende und der nächste Parteitag kommt bestimmt.
Der Parteitag in den Medien
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10 Stunden auf hoher See
Parteitag der Piratenpartei: Ein bisschen Fasching
Entern oder kentern?
Junge Piratenpartei auf Kurssuche (Video)
Kurzbericht des SWR zum Parteitag (Video)
Der Parteitag in Blogs
Das war mein Parteitag
Bundesparteitag der Piraten in Bingen
Von Gender und Multitude
Und täglich grüßt das Gendertier
Erste Impressionen vom Parteitag
Warum ich mich für kein Amt innerhalb der Piratenpartei zur Verfügung stellen werde








