Nokia und die katholische Soziallehre
17. Januar 2008

Einige Kommentatoren der großen deutschen Tageszeitungen schrieben heute, dass die Firma Nokia im Fall der Schließung ihres Werks in Bochum nur richtig gehandelt habe. Nokia hat die Vereinbarungen die mit den Subventionen verbunden waren eingehalten und global betrachtet, steht man sich mit einer Produktion in Rumänien eben günstiger als mit einem Werk in Deutschland. Aus der Sicht des Unternehmers kann man ihnen also nichts vorwerfen, wenn da nicht mehrere Tausend Arbeitsplätze mit im Spiel wären. Der katholische Katechismus hat im Abschnitt über die Soziallehre der Kirche ein paar deutliche Worte zu diesem Thema:
KKK 2424: Eine Theorie, die den Profit zur alleinigen Regel und zum letzten Zweck aller wirtschaftlichen Tätigkeiten macht, ist sittlich unannehmbar. Ungezügelte Geldgier zieht böse Folgen nach sich. Sie ist eine der Ursachen der zahlreichen Konflikte, die die Gesellschaftsordnung stören.
Systeme, die "um einer kollektivistischen Organisation des Produktionsprozesses willen grundlegende Rechte der Einzelpersonen und der Gruppen hinten ansetzen", widersprechen der Würde des Menschen (GS 65,2). Alles, was den Menschen zu bloßen Profitmitteln erniedrigt, knechtet den Menschen, führt zur Vergötzung des Geldes und trägt zur Ausbreitung des Atheismus bei. "Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon" (Mt 6,24; Lk 16, 13).
KKK 2432: Die Unternehmensleiter sind gegenüber der Gesellschaft für die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen ihrer Tätigkeit verantwortlich. Sie sind verpflichtet, auf das Wohl der Menschen und nicht nur auf die Steigerung der Gewinne Bedacht zu nehmen. Gewinne sind jedoch notwendig. Sie ermöglichen Investitionen , die die Zukunft des Unternehmens und die Arbeitsplätze sichern.
KKK 2436 Arbeitslosigkeit verletzt fast immer die Würde dessen, den sie trifft, und droht, sein Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Außer dem Schaden, den er persönlich erleidet, bringt sie auch zahlreiche Gefahren für seine Familie mit sich.
Das wird die Verantwortlichen bei Nokia mit Sicherheit nicht umstimmen und auch die derzeitige Empörung unter bundesdeutschen Politikern würde ich persönlich lediglich dem Wahlkampf zurechnen. Trotzdem kann ich meine Macht als Konsument ausüben, und in diesem Leben kein Produkt aus dem Hause Nokia erwerben. In Bochum dürfte die Firma auch den einen oder anderen Käufer verloren haben.
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Bisher ein Kommentar:
Da wir schon bei der katholischen Soziallehre sind, hier etwas zum Thema gerechte Löhne und Mindestlohn: “Wenn also auch immerhin die Vereinbarung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber, insbesondere hinsichtlich des Lohnes, beiderseitig frei geschieht, so bleibt dennoch eine Forderung der natürlichen Gerechtigkeit bestehen, die nämlich, daß der Lohn nicht etwa so niedrig sei, daß er einem genügsamen, rechtschaffenen Arbeiter den Lebensunterhalt nicht abwirft. Diese schwerwiegende Forderung ist unabhängig von dem freien Willen der Vereinbarenden. Gesetzt, der Arbeiter beugt sich aus reiner Not oder um einem schlimmeren Zustande zu entgehen, den allzu harten Bedingungen, die ihm nun einmal vom Arbeitsherrn oder Unternehmer auferlegt werden, so heißt das Gewalt leiden, und die Gerechtigkeit erhebt gegen einen solchen Zwang Einspruch.
(Rerum Novarum, Nr. 45)
Ferner müssen Gesellschaft und Staat für ein angemessenes Lohnniveau sorgen, das dem Arbeiter und seiner Familie den Unterhalt sichert und die Möglichkeit zum Sparen erlaubt. Es erfordert Anstren-gungen, um den Arbeitern stets jenes fachliche Wissen und Können zu vermitteln, damit ihre Arbeit zur Verbesserung der Produktion beiträgt. Es ist ebenso notwendig, darüber zu wachen und gesetz-geberische Maßnahmen zu ergreifen, um die schändliche Ausbeutung insbesondere der Schwachen, der Einwanderer und der an den Rand gedrängten Arbeiter zu verhindern. Hier liegt die entscheidende Aufgabe der Gewerkschaften, die Mindestlohn und Arbeitsbedin-gungen aushandeln.
(Centesimus Annus, Nr. 15)