Kleiner Blick nach Georgien

Ich persönlich stehe der russischen Politik und ihrem Verständnis von Demokratie ja durchaus skeptisch gegenüber, trotzdem muss ich mich zur Zeit über viele westliche Kommentare und Äußerungen verschiedener Politiker wundern. Hat denn wirklich jemand ernsthaft erwartet, dass sich die russische Regierung einen Angriff auf Russen, auch außerhalb ihres Staates gefallen lassen würde? Oder anders gefragt, wie konnte Georgiens Präsident Saakaschwili so dumm sein und sich mit seinen wenigen Truppen (Infografik) mit einem Gegner wir Russland anlegen? Genauso gut könnte Luxemburg ins Saarland einfallen und hoffen, mit einem Sieg davon zu kommen. Zudem kommt noch dazu, dass Russland nun wirklich kein Land der langen Reden ist sondern sich im Zweifelsfall lieber auf seine nachwievor schlagfertige Armee verlässt. Saakaschwili hat einen komplett nutzlosen Krieg vom Zaun gebrochen, trägt die Schuld an tausenden Toten und kaum stehen die Russen vor Tiflis greint er nach westlicher Hilfe und stellt sich als Opfer dar.

Bleibt zu hoffen, dass Putins Truppen rasch in Tiflis einmarschieren, Saakaschwili absetzen und dem Spuk ein Ende bereiten. Dem georgischen Volk dürfte damit auf lange Sicht besser gedient sein, als einen ebenso unberechenbaren wie augenscheinlich größenwahnsinnigen Präsidenten am Hals zu haben. Das entspricht vielleicht nicht dem europäischen Verständnis von Politik, das muss aber auch nicht zwangsweise das Maß aller Dinge sein.



11 Kommentare

Auch ich stehe Sakaschvillis Vorgehen durchaus skeptisch gegenüber.

Nur sollte man einerseits nicht auf russische Propaganda hereinfallen - nein, es sind keine Russen außerhalb des Staatsgebietes angegriffen worden.

Und schon gar nicht kann man sich wünschen, das Rußland Georgien unter seine Knute zwingt und den legitimen Präsidenten dort absetzt. Wenn das erlaubt sein sollte, warum dann all die Aufregung über so verdiente Staatsmänenr wie Mugabe? Handeln die dann nicht auch völlig gerechtfertigt? Die europäische Sicht ist doch nicht das Maß aller Dinge?

Und schließlich: Sakaschvillis Vorgehen war dumm, aber wie lange sollte sich eigentlich ein Land den von der benachbarten Großmacht unterstützten Separatismus bieten lassen? Eine Großmacht, deren Behauptungen jetzt um so heuchlerischer sind, da man in Tschetschenien ganz andere Seiten aufzieht.

Betet doch mal bitte für mein ehemaliges Firmkind, daß georgisch-orthodox ist und im Augenblick mit Frau und Kind in Georgien weilt...

Na ja, das Saarland gehört aber völkerrechtlich auch nicht zu Luxemburg...

Und dass Russland der gesamten südossetischen Bevölkerung russische Pässe ausgeteilt hat - und damit jetzt "die eigenen Bürger" verteidigen darf -, dafür kann Saakaschwili aber wieder nichts...

Fazit: Der georgische Präsident ist wohl hauptsächlich der staatsmännischen und strategischen Weisheit wegen zu kritisieren - völkerrechtlich schon weniger. Immerhin ist er in den eigenen Staatsgrenzen vorgegangen und hat lediglich ein abtrünniges Gebiet angegriffen. Tja, nur ist dieses Gebiet eben "zufällig" auch russisches Protektorat innerhalb der georgischen Grenzen...

P.s.:
Am besten war übrigens die Wortmeldung einer alten georgischen Oma gegenüber dem österreichischen ORF-Radio: "Was greifen die (=die Russen) uns an? Wir sind doch auch Christen, keine Moslems!" (Sie dachte wohl an Tschetschenien...)

Zettel hat zwei recht gute Kommentare geblogt, in denen er den Hintergrund und die Vorgeschichte des Krieges darlegt:

http://zettelsraum.blogspot.com/2008/08/hintergrnde-des-kriegs-in-georgien-1-in.html

http://zettelsraum.blogspot.com/2008/08/hintergrnde-des-kriegs-in-georgien-2.html

Sehr empfehlenswert, und deckt sich mit meinen Ansichten (ich verfolge Georgien seit etwa 6 Jahren, wenn mein Georgisch mittlerweile auch etwas rostig ist).

Na, so wie es aussieht, ist die heiße Phase des Krieges jetzt vorbei. Der Georgier weiß wieder wo der Hammer hängt, und die restliche Welt dass nachwievor mit Russland zu rechnen ist. Ab jetzt kann fleißig über die Hintergründe und Folgen spekuliert werden. Das auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR ohne die Mitsprache der Russen nichts läuft dürfte aber vor allem klar sein.

Ich wollte nur noch klar stellen, dass das natürlich nicht mehr Putins-Truppen sind. Auch wenn das böse Zungen immer wieder behaupten. ;o)

Die Medienkultur verliert immer mehr an Unabhängkeit... Es ist wirklich traurig, wie sich Sender wie ARD/ZDF, Phoenix und N-TV dazu verleiten lassen, in Krisenzeiten Propaganda für den Westen zu fahren...
Neutrale Berichterstattung ade...

Vielleicht, derteller, meinen sie ja, daß es dadurch neutral wird, weil sie zunächst das Geschäft russischer, pardon russländischer, Propaganda betrieben haben.

Zur Vermeidung von Mißverständnissen, leicht umformuliert:

Vielleicht, derteller, meinen die genannten deutschen Medien ja, daß sie durch eine nun pro-westliche Haltung Neutralität erzielen, nachdem sie zunächst das Geschäft russischer, pardon russländischer, Propaganda betrieben haben.

Was ist übrigens so schlimm an einer pro-westlichen Haltung in einem westlichen Land?

Ich finde die Berichterstattung in den Medien sollte nie pro-irgendwas sondern neutral sein. Ansonsten läuft man wirklich Gefahr, reine Propaganda zu liefern. Diese Gefahr sehe ich aber bei den deutschen Medien noch lange nicht, denn in den seriösen Zeitungen und Sendern wurde meiner Meinung nach sehr umfassend und mit vielen Hintergrundinformationen über dieses Thema berichtet.

Bei den meisten deutschen Politikern sieht das dann schon anders aus, denn aus dieser Richtung wird mir etwas zu einseitig Russland als der alleinige Bösewicht dargestellt. Wahrscheinlich ist das der Ärger darüber, dass Russland doch nicht so einschätzbar ist wie man es immer gedacht hat. Um so ärgerlicher, da Deutschland ziemlich von Gaslieferungen von Putins Gnaden abhängt.

Da hast Du natürlich recht, Frank - die Berichterstattung sollte neutral sein. Nur finde ich es kurios wenn sich hier derteller über "pro-westliches" echauffiert - im Westen. Und außerdem - und da liegen wir beide wohl auseinander - sehe ich nicht, daß die deutschen Medien pro-westlich berichtet hätten. Sicher, das haben sie auch schon getan (z.B. bei der Rosenrevolution in Georgien) und außerdem von Medium zu Medium unterschiedlich (man bedenke die unsäglichen Propagandaberichte des Deutschlandfunks zu polnischen, italienischen, spanischen Wahlen - von den US ganz zu schweigen), aber hier finde ich das eben nicht. Vielmehr ist man allzu naiv der wirklich gut gemachten russischen Propaganda aufgesessen und hat - nicht irgendwo sondern in der Tagesschau - sowas wie "Süd-Ossetien ist größtenteils von Russen bewohnt" einfach übernommen.

Von Politikern erwarte ich Umsicht, andererseits sind sie auch nicht fürs neutral-sein angestellt. Aber niemand solle ich einbilden - gut manche Medien tun das wiederum - das deutsche Wortmeldungen in der Sache wirklich irgendjemandend kratzen.

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