Ich persönlich kann ja Liedermacher nicht ausstehen. Noch weniger als Liedermacher mag ich christliche Liedermacher, weil diese in der Regel musikalisch und gedanklich irgendwo in den 1980er Jahren steckengeblieben sind. Der evangelische Pastor Clemens Bittlinger ist einer von ihnen und produziert genau die Art von Musik, die sich Spötter vorstellen, wenn sie zum ersten Mal den Begriff "Neues Geistliches Lied" hören: seichte Popmusik mit belanglosen Texten zu der man im Gottesdienst geistlich abschunkeln kann. Als Beispiel von Bittlinger’s Schaffen können Sie sich das Video zu "Aufstehn, aufeinander zu gehn" ansehen. Das ist an sich keinen Artikel in einem Weblog wert, doch im vergangenen Mai hat Bittlinger ein neues Stück veröffentlicht, das sich aus seiner Sicht kritisch mit der katholischen Kirche auseinandersetzt. Auch daran gäbe es nichts auszusetzen, wenn die Kritik denn sachlich korrekt wäre und genau daran scheitert er vollkommen. Hier ein Textauszug als Beispiel:
Du (Papst Benedikt) verbietest die Kondome auch den Armen dieser Welt, förderst damit AIDS Verbreitung, auch wenn dir das nicht gefällt. Zwischendurch schaffst du die Vorhölle für ungetaufte Babies ab – hast du im Ernst davor geglaubt, dass der Herrgott so was hat?
Auf die einzelnen Punkte dieses unseligen Konglomerats aus Halbwissen und Unfug will ich nicht lange eingehen, denn der erste Punkt ist mir inzwischen zu blöde geworden und die Angelegenheit der Vorhölle lässt sich grob schon durch einen Blick in die Wikipedia aufklären. Das alles wäre immer noch keinen Artikel wert, wenn nicht Herr Bittlinger auch Beauftragter für Mission und Ökumene im Dekanat Darmstadt-Land der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wäre. Genau jetzt muss ich ihm schlichtweg eine schlampige Arbeitsweise vorwerfen, denn von jemandem der offiziell mit Ökumene beschäftigt ist erwarte ich einfach, dass er auch ausgiebig in der katholischen Theologie bewandert ist. So schwierig ist es nämlich für den "armen Laien", wie er mich und Millionen andere Katholiken nennt, nicht sich in den katholischen Glauben einzulesen. Ich selbst habe das geschafft und von jemanden der Kritik an meiner Kirche üben will, erwarte ich das genauso. Etwas kritisieren kann man nämlich nur, wenn man sich auch mit der Materie auskennt.
Einige befreundete Blogger haben dieses Lied zum Anlass genommen, Herrn Bittlinger in aller Öffentlichkeit einen Katechismus der Katholischen Kirche zukommen zu lassen, damit er sich über die grundlegende Theologie der Kirche belesen kann und sich nicht mehr wegen seiner eklatanten Unwissenheit lächerlich machen muss. Möglicherweise liefert diese Aktion Bittlinger noch mehr Aufmerksamkeit als er verdient, andererseits muss man sich als Katholik auch nicht jeden Blödsinn gefallen lassen. Für weitere Informationen besuchen Sie einfach das Weblog zur Aktion.
*hüstelt* Ich wollte mich ja nicht outen, aber ich - eh, habe ähnliche Schwierigkeiten wie du mit Liedermachern *gg
Um es mit F. J. Degenhardt zu sagen, wir sollen ja nicht mit Schmuddelkindern spielen und denen noch mehr Publicity bringen, aber a) denke ich, soviel isses nu auch wieder nicht - es sei denn, wir schaffen es auf Radio Vatikan und in die ZEIT-online, dann überdenke ich das nochmal und b) dachte ich mir noch, wenn die Klügeren immer nachgeben, beherrschen irgendwann die Dummen die Welt?
Insofern ...
:-)
So Naja bis Ohje der Text von Bittlinger's dürrem Liedchen auch ist - die katholische Replik ist ja ähnlich polemisch. Damit ist keiner Seite geholfen. Wundert mich überhaupt, dass sich da ernsthaft jemand von getroffen fühlt.
@Onkel Toby
Der Bittlinger wäre mir gar nicht aufgefallen, hätte er dieses Liedchen nicht ausgerechnet auf dem Katholikentag in Osnabrück 2008 zu „Besten“ gegeben. Bis dahin war er mir gänzlich unbekannt, dieser Auftritt aber hat mich geärgert. Da kommt mir die Aktion sehr zupass.
meine meinung zu der blogger-aktion: da gebärden sich katholische mitchristen wie aufgescheuchte protestanten nach "dominus iesus". auch lustig.
der künstler und band: "als nächstes fahren wir nach osnabrück zum katholikentag."
ich: "echt? da bin ich auch."
der künstler und band: "da kannst du ja auch zu unserem konzert kommen."
ich: "ähm ..."
Ich habe eigentlich nichts gegen Liedermacher. Funny van dannen ist toll. Ich hätte auch nichts gegen christliche Liedermacher mit Format, nur leider scheint es die ja nicht zu geben. Ich hätte auch nichts gegen ein papstkritisches Lied, wenn es nicht derart blöde gewesen wäre. Und selbst dann wäre die Frage gewesen, ob man denn unbedingt diese Aktion hätte starten müssen, aber wenn auf dem Katholikentag, der nunmal eine "offizielle" Stimme der deutschen Kirche ist, die Leute aufstehen und applaudieren, sollte man als Papist unter den Deutschen Katholiken vielleicht schon seine Stimme erheben, um das katholische Bild Deutschlands zu komplettieren.
@Onkel Toby & beisasse
Ach kommt, Blogs und Blogger sind dazu da um aus Nichts irgendwelche Aktionen zu zaubern. Dementsprechend sind die Macher dieser Aktion nur ihrer Bestimmung gefolgt. Außerdem haben auch Katholiken das Recht auf ihre Sommerloch-Meldung :)
O Bitterling, o Bitterling, du kannst Gott nicht gefallen.
Dein Lied ist sanglich ziemlich schlecht und ausserdem auch ungerecht. Doch du meinst ja, du seist der King von allen.
Warum kreifst so die Augen z'samm, hast eine Menge Dreck am Stecken? Sieht so ein wahrer Christ auch aus oder einer, der Befreiung braucht?
Dich kann ja alles schrecken.
Du bist in Satans
Machtbereich, der wird dir heimzahlen ohnegleich. O Bitterling, o Bitterling, du kannst Gott nicht geafellen.
Kehr um zum Kreuz des Herrn sogleich und fang ein neues Leben an, dann freuen wir uns alle. Dann wirst du bald ein Beterling und alles Bittre geht vorbei und du wirst Freude haben.
Auch an dem was Benedikt sagt, denn ihm gibt Gott die Gnaden, zu sehen, was uns nötig ist, damit der Herr zufrieden ist und wir allein IHM dienen. Da braucht es keinen Mohammed, allein Christus wird regieren. Amen.
Stimmt schon, christliche Liedermacher sind meist so... na ja, es wurde ja schon alles gesagt. Aber ich muss sagen, kein mir bekannter christlicher Liedermacher hat bisher die grottigen Tiefen von Heinzens gereimtem Machwerk auch nur ansatzweise erreicht. Amen? Arme Kirche.