Wie funktioniert eine Entgiftung von Alkohol?

Ich werde häufig gefragt, was man sich unter einer Entgiftung von Alkohol vorstellen muss, wie sich ein Entzug äußert und mit welchen Medikamenten behandelt wird. Deshalb habe ich hier eine Übersicht darüber geschrieben, welche Symptome auftreten können und wie sie behandelt werden. Die medikamentöse Behandlung ist von der Einrichtung für qualifizierten Alkoholentzug in der ich arbeite übernommen, in anderen Kliniken kann das natürlich variieren.

Das Alkoholentzugssyndrom

Wird der Konsum von Alkohol reduziert oder abrupt beendet, treten in der Regel Entzugserscheinungen auf, die ohne Medikamentengabe lebensbedrohlich sein können. Normale beziehungsweise leichte Symptome sind zum Beispiel Übelkeit, Appetitlosigkeit , Schwitzen, Nervösität (rastlos sein, innere Unruhe verspüren) und Schlafstörungen. Je nachdem wie weit die körperliche Abhängigkeit schon fortgeschritten ist, können weitere Symptome wie starkes Zittern (Tremor) am ganzen Körper, Krampfanfälle und ein Delirium (die berühmten weißen Mäuse) auftreten.

Dazu muss gesagt werden, dass nicht alle Symptome bei allen Patienten auftreten müssen und nicht immer gleich stark sind. Jemand bei dem die körperliche Abhängigkeit noch nicht lange besteht wird weniger starke Symptome haben, wie jemand der schon seit Jahrzehnten abhängig ist. Zudem hängt die Ausprägung der Symptome auch von der Menge des täglich konsumierten Alkohols und auch vom Alter ab. Generell ist es aber nicht empfehlenswert, einen sogenannten “kalten Entzug” ohne medikamentöse Begleitung zu Hause durchzuführen. Wir raten auch unseren Patienten mit einer schon ausgeprägten körperlichen Abhängigkeit, bei Aufnahme nicht nüchtern sondern besser mit einem “Pegel” zu erscheinen, mit dem sie noch funktionieren können.

Die Entgiftung

Um die Symptome des Alkoholentzugs abzumildern, verordnet der Arzt bei der Aufnahme Medikamente. Um den reinen Alkoholentzug zu dämpfen und ein Delirium zu vermeiden, wird in den ersten Tagen in der Regel Clomethiazol (Distraneurin) eingesetzt. Da dieses Mittel selbst abhängig machen kann, wird es nur über einen kurzen Zeitraum gegeben und dann kontinuierlich reduziert. Damit die Gefahr eines Krampfanfalls reduziert wird, wird ein sogenanntes Antiepileptika gegeben, bei uns normalerweise Carbamazepin (z.B. Timonil) oder Valproinsäure (z.B. Ergenyl oder Orfiril). Zudem hat es sich als hilfreich erwiesen im akuten Entzug den Blutdrucksenker Clonidin (z.B. Catapresan) einzusetzen, um den durch den Entzug erhöhten Blutdruck zu senken. Da viele Patienten über Unruhe und Schlafstörungen klagen, gibt man häufig noch Melperon (z.B. Eunerpan oder Melneurin). Bei starken Einschlafstörungen wird manchmal Quetiapin (Seroquel) in geringer Dosierung zur Nacht eingesetzt.

Die Dosierung der Medikamente wird auf jeden Patienten individuell abgestimmt, da jeder Mensch anders auf den Entzug reagiert. Auch der Grad der körperlichen Abhängigkeit und die Menge des durchschnittlich konsumierten Alkohols wird berücksichtigt. Deshalb empfiehlt es sich beim Aufnahmegespräch möglichst genaue Angaben zu machen, um eine Unter- oder Überdosierung zu vermeiden. Zusätzlich zur Regelmedikation bekommen fast alle Patienten eine sogenannte Bedarfsmedikation verordnet. Das ist eine weitere Dosis Distraneurin oder Melperon, die man sich abholen kann falls die normale Medikation nicht ausreicht. Medikamente die jemand zum Beispiel wegen einer bestehenden Krankheit vom Hausarzt verordnet bekommen hat, werden natürlich weiterhin gegeben, sofern keine Kontraindikation besteht. Um das sicherzustellen, sollte man sich vor der Entgiftung am besten einer Liste dieser Medikamente und ihre Dosierung geben lassen.

Sollte medizinisch nichts dagegen sprechen, können noch zusätzliche Angebote wie Akupunktur und verschiedene Entspannungsmethoden in Anspruch genommen werden. Dies sind keine Wundermittel, können aber helfen den Alkoholentzug leichter zu gestalten.

Weitere Angebote

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung werden verschiedene therapeutische Gruppensitzungen, Einzelgespräche und die Weitervermittlung in Einrichtungen, die Langzeittherapien ambulant oder stationär durchführen angeboten. Sollte jemand eine Langzeittherapie anstreben ist es hilfreich, wenn schon vor dem Aufenthalt eine Kostenzusage des zuständigen Kostenträgers besteht, weil es die Chance erhöht nahtlos verlegt zu werden. Ebenso wird Unterstützung für Patienten ohne festen Wohnsitz angeboten, oder wenn sich im Laufe des Aufenthalts herausstellen sollte, dass ein Patient nicht mehr alleine in der eigenen Wohnung leben kann. Bei Patienten mit einem gesetzlichen Betreuer wird das natürlich immer in Zusammenarbeit abgestimmt.

Wie kann man qualifiziert entgiften?

Man braucht lediglich eine gültige Einweisung des Hausarztes, eine Krankenversicherung und einen Aufnahmetermin. Alles weitere erfährt man dann bei der jeweiligen Einrichtung. Um eine Klinik die qualifizierten Alkoholentzug anbietet zu finden, empfiehlt es sich eine Beratungsstelle wie zum Beispiel das Blaue Kreuz oder eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Bei weiteren Fragen einfach melden.


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