Die Pilatusakten
Veröffentlicht am 21.03. 2008
Lammfromm und Spass dabei

Als Jesus hineinging, während die Standartenträger die Standarten hielten, da verneigten sich die kaiserlichen Brustbilder auf den Standarten und bezeugten Jesus ihre Ehrfurcht. Als die Juden sahen, wie sich die Standarten vor Jesus neigten, pöbelten sie die Standartenträger an. Pilatus wunderte sich und sagte zu ihnen: “Staunt ihr nicht darüber, wie die Kaiserbilder sich neigten und Jesus anerkannten?” Die Juden riefen: “Wir sahen nur, dass die Standartenträger die Standarten senkten und ihm damit ihre Ehrfurcht bezeugten.” Da rief der Statthalter die Standartenträger und fragte sie: “Warum habt ihr das getan?” Sie antworteten: “Wir sind griechische Männer im Tempeldienst. Warum sollten wir ihn ihn verehren? Die Kaiserbilder neigten sich von selbst um ihn verehren.”

Pilatus ging wieder ins Prätorium und fragte Jesus unter vier Augen: “Du bist der König der Juden?” Jesus antwortete: “Ist das deine Meinung, oder haben dir andere das von mir erzählt?” Pilatus entgegnete Jesus: “Ich bin doch kein Jude! Dein Volk und die Hohepriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?” Jesus antwortete: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Anhänger kämpfen, damit du mich nicht verurteilst. Mein Reich ist aber nicht von hier.” Pilatus fragte ihn erneut: “Bist du also ein König?” Jesus antwortete ihm: “Du sagst es. Ich bin ein König. Denn ich bin ich geboren und gekommen, damit jeder, der aus der Wahrheit ist, meine Stimme hört.” Darauf Pilatus: “Was ist Wahrheit?”. Da erwiderte ihm Jesus: “Die Wahrheit stammt vom Himmel.” Und Pilatus: “Gibt es auf Erden keine Wahrheit?” Darauf Jesus zu Pilatus: “Du siehst doch, wie die die Wahrheit sagen, von den weltlichen Machthabern verurteilt werden.”

Als Pilatus diese Worte hörte, bekam er Angst und er gebot den Massen zu Schweigen, weil sie noch immer schrien, und fragte sie: “Hat Herodes damals diesen Mann gesucht?” Die Juden antworteten: “Ja, er ist es.” Da nahm Pilatus Wasser, wusch sich die Hände vor der Sonne und sagte: “Dieser Mann ist unschuldig. Ich trage keine Schuld an seinem Tod. Da mögt ihr zusehen.” Wiederum schrien die Juden: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Da ließ Pilatus den Vorhang vor den Richterstuhl ziehen, auf dem er saß, und sprach zu Jesus: “Dein Volk hat dich der Anmaßung des Königsnamens überführt. Daher habe ich entschieden, dass du entsprechend des Römischen Gesetzes zuerst gegeißelt und danach ans Kreuz geschlagen wirst. Die Verbrecher Dysmas und Gestas sollen mit dir gekreuzigt werden.”

Jesus verließ das Prätorium gemeinsam mit den beiden Verbrechern. Als sie an der Hinrichtungsstätte ankamen, entkleideten sie ihn, banden ihm einen Leinentuch um die Hüften und setzten ihm eine Dornenkrone auf. Aber Jesus sprach: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun” Und die Soldaten verteilten seine Kleider untereinander. Das Volk verspottete ihn mit den Hohepriestern die sagten: “Er hat anderen geholfen, jetzt soll er sich selbst helfen. Wenn er der Sohn Gottes ist, soll er vom Kreuz absteigen!” Die römischen Soldaten verhöhnten ihn auch, indem sie ihm mit Galle vermischten Essig zum Trinken anboten. Pilatus hatte nach der Urteilsverkündung den Befehl gegeben, die ihm zur Last gelegte Schuld in griechischer, römischer und hebräischer Sprache als Inschrift anzubringen entsprechend der jüdische Anklage, er sei König der Juden.

Gegen Mittag verdunkelte sich die Sonne und der Vorhang im Tempel zerriss in der Mitte. Jesus rief mit lauter Stimme: “Vater, baddach ephkid ruel”, was bedeutet: In deine Hände befehle ich meinen Geist. Danach starb er. Als der Hauptmann dass sah, lobte er Gott und sprach: “Dieser Mensch war unschuldig und gerecht!” Die Schaulustigen bereuten und bekehrten sich.
Frei nacherzählt aus den apokryphen Acta Pilati. Die Acta Pilati (lat.:, deutsch: „Pilatusakten“), seit dem Mittelalter oft auch als Nikodemusevangelium bezeichnet, sind eine apokryphe christliche Schrift. Sie wird wie das Petrusevangelium zu den Passionsevangelien gerechnet, die sich vorwiegend mit Jesu Tod und Auferstehung befassen. Den Namen „Nikodemusevangelium“ verdankt die Schrift einer Angabe im Prolog, der als Autor „Ananias“, einen kaiserlichen Leibgardisten im Offiziersrang nennt. Dieser behauptet, der Text sei ursprünglich in hebräischer Sprache vom Pharisäer Nikodemus verfasst worden, welcher nach dem Zeugnis der neutestamentlichen Evangelien bei der Kreuzigung Jesu anwesend war. Ananias habe diesen Text frei ins Griechische übersetzt. (Quelle: Wikipedia)
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