Die Höllenfahrt Christi
Veröffentlicht am 22.03. 2008
Lammfromm und Spass dabei

Da nun alle in solcher Freude waren, kam Satan, der Erbe der Finsternis, und sprach zu Hades: “Unersättlicher, Allesverschlinger, höre meine Worte! Da gibt es einen aus dem Judenvolk, der Jesus heißt und sich Gottes Sohn nennt. Er ist (aber nur) ein Mensch, und auf mein Betreiben hin haben ihn die Juden gekreuzigt. Und da er jetzt tot ist, so sei in Bereitschaft, damit wir ihn hier einsperren. Denn ich weiß, dass er (nur) ein Mensch ist, und ich habe ihn klagen hören: “Meine Seele ist betrübt bis an den Tod” Er hat mir viel Böses in der Welt droben angetan, als er mit den Sterblichen zusammenlebte. Denn wo er immer meine Diener fand, trieb er sie aus, und alle die Menschen, welche ich bucklig, blind, lahm, aussätzig und dergleichen mehr gemacht hatte, die heilte er durch bloßes Wort, und viele, die ich reif gemacht hatte, begraben zu werden, auch die machte er durch bloßes Wort wieder lebendig.”

Während Satan und Hades so miteinander sprachen, ertönte wie Donner eine gewaltige Stimme: “Öffnet, ihr Herrscher, eure Tore, gehet auf ewige Pforten! Einziehen wird der König der Herrlichkeit” Als Hades das hörte, sprach er zu Satan: “Geh hinaus, wenn du kannst, und tritt ihm entgegen!” Satan ging nun hinaus. Dann befahl Hades seinen Dienern: “Verrammelt gut und kräftig die ehernen Tore, schiebt die eisernen Querbalken vor, behaltet meine Verschlüsse in der Gewalt, steht gerade und schaut nach allem! Denn kommt er herein, wird Wehe über uns kommen.”

Da packte der König der Herrlichkeit den Obersatrapen Satan am Kopfe und übergab ihn den Engeln mit den Worten: “Mit Eisenketten fesselt ihm Hände und Füße, Hals und Mund!” Dann übergab er ihn Hades und sprach: “Nimm ihn und halte ihn fest bis zu meiner zweiten Ankunft!” Und Hades nahm Satan in Empfang und sprach zu ihm: “Beelzebub, Erbe des Feuers und der Pein, Feind der Heiligen, was zwang dich, den Kreuzestod des Königs der Herrlichkeit zu veranstalten, so dass er hierhin kam und uns entmachtete? Wende dich um und schaue, dass kein Toter bei mir zurückgeblieben ist und dass du alles, was du durch das Holz der Erkenntnis gewonnen, durch das Holz des Kreuzes verloren hast!
Deine ganze Freude wurde in Trauer verkehrt. Indem du den König der Herrlichkeit töten wolltest, hast du dich selbst getötet. Wie konntest du darauf ausgehen, einen solchen Menschen in diese Finsternis hinabzuführen und dich durch ihn aller von Anbeginn an Verstorbenen berauben zu lassen?”

Während Hades so mit Satan sprach, streckte der König der Herrlichkeit seine rechte Hand aus, ergriff den Urvater Adam und richtete ihn auf. Dann wandte er sich auch zu den übrigen und sprach: “Her zu mir alle, die ihr durch das Holz, nach dem dieser griff, sterben musstet! Denn seht, ich erwecke euch alle wieder durch das Holz des Kreuzes.” Darauf ließ er sie alle hinaus. Und der Urvater Adam, dem man ansah, dass er voller Freude war, sprach: “Ich danke deiner Majestät, Herr, dass du mich aus der tiefsten Unterwelt hinaufgeführt hast.” Ebenso sprachen auch alle Propheten und Heiligen: “Wir danken dir, Christus, Heiland der Welt, dass du unser Leben aus dem Verderben hinaufgeführt hast.”
Als sie so gesprochen hatten, segnete der Heiland den Adam, indem er das Kreuzeszeichen auf seine Stirn machte. Und so tat er es auch bei den Patriarchen, Propheten, Märtyrern und Vorvätern. Dann stieg er mit ihnen aus der Unterwelt empor. Während er ging, folgten ihm die heiligen Väter und stimmten den Lobgesang an: “Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Alleluja! Ihm gebührt Ehre und Lob von allen Heiligen.”
Aus der “Höllenfahrt Christi” der apokryphen Acta Pilati. Die Acta Pilati (lat.:, deutsch: „Pilatusakten“), seit dem Mittelalter oft auch als Nikodemusevangelium bezeichnet, sind eine apokryphe christliche Schrift. Sie wird wie das Petrusevangelium zu den Passionsevangelien gerechnet, die sich vorwiegend mit Jesu Tod und Auferstehung befassen. Den Namen „Nikodemusevangelium“ verdankt die Schrift einer Angabe im Prolog, der als Autor „Ananias“, einen kaiserlichen Leibgardisten im Offiziersrang nennt. Dieser behauptet, der Text sei ursprünglich in hebräischer Sprache vom Pharisäer Nikodemus verfasst worden, welcher nach dem Zeugnis der neutestamentlichen Evangelien bei der Kreuzigung Jesu anwesend war. Ananias habe diesen Text frei ins Griechische übersetzt. (Quelle: Wikipedia)
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