180 katholische Reformtheologen die sich zur Aktionsgemeinschaft Rottenburg zusammen geschlossen haben, fordern einen “ernsthaften ökumenischen Dialog” mit den evangelischen Kirchen. Sie kritisieren die Haltung der Kirche, die zuletzt im Dokument “Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche” bestätigt wurde und den christlichen Gemeinschaften die aus aus der Reformation hervorgingen abspricht, Kirchen im eigentlichen Sinne zu sein. In ihrer Antwort auf dieses Schreiben formulieren sie es folgendermaßen:

In der Selbstzufriedenheit der römischen Verlautbarung zeigt sich allerdings umgekehrt derselbe Mangel, die Einheit im Grund schon als gegeben anzusehen – nämlich in der selbstgerechten Vorstellung, man besitze selber schon die „Fülle der Heilsmittel“ und brauche keine eigene Anstrengung mehr, sondern nur die Einsicht und Umkehr der Anderen.

Angesichts solcher Äußerungen bleibt mir nur noch den alten Karl Adam aus dem Regal zu holen und ihn sprechen zu lassen. Besonders den letzten Satz sollten sich die Rottenburger Theologen meiner Meinung nach auf der Zunge zergehen lassen.

“Im Licht dieses Tatbestandes ist es ein unbilliger, unhaltbarer Vorwurf - der dadurch, dass man ihn immer wiederholt, nicht haltbarer wird -, der von der Kirche geforderte unbedingte Glaubensgehorsam, der Anspruch auf göttliche Vollmacht, knechte die Gewissen. Als berufene Verkünderin der Wahrheit Jesu wird die Kirche niemals aufhören, für diese Wahrheit wie eine, die “Gewalt hat” Zeugnis zu geben und die Gewissen, alle Gewissen immer wieder daran zu binden. Aber sie will die Gewissen nicht überwältigen, sondern überzeugen. Sie will nicht ihr äußerliches, sondern ihr innerliches Ja. Und wo dieses Ja nicht gegeben werden kann, da überlässt sie solche Gewissen der Barmherzigkeit Gottes und gibt sie frei. [...] Sie fordert, dass alle diese aus ihrer neuen Gewissenshaltung die Folgerung ziehen und ihre Gemeinschaft verlassen. [...] Nicht die Kirche vergewaltigt die “freigeistigen” Gläubigen und Theologen, wenn sie dieselben aus der Gemeinschaft ihrer Gläubigen ausschließt, sondern die freigeistigen Gläubigen und Theologen vergewaltigen die Kirche, wenn sie bei ihr verbleiben, obschon sie den kirchlichen Glauben eingebüßt haben.”

Das Wesen des Katholizismus, Seite 235-236, Karl Adam 1940



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