Der Halloween-Ablass 2007

Ablass-UrkundeUnsere protestantischen Freunde feiern heute bekanntermaßen nicht den Tag des Kürbis, sondern den ihrer Reformation. Die begann zu einer Zeit als ein Dominikanermönch namens Johann Tetzel der unwidersprochene Ablass-König von Deutschland war. Wie seine modernen Nachfahren, die Vertreter, zog er von Ort zu Ort und schilderte dem staunendem Volk die Hölle in detailliertem Grauen. Kein Wunder also, dass die Ablässe in allen Preisklassen reißenden Absatz fanden, denn im Zweifelsfall wollten auch die treuesten Kirchgänger auf Nummer sicher gehen. Dass Geschäft hätte noch Jahre so weitergehen können, wenn Tetzel nicht irgendwann auf einen ausgesprochen humorlosen Mönch namens Martin Luther getroffen wäre. Erzürnt über den Tickethandel mit dem Ausweg aus dem Purgatorium, erklärte er kurzerhand den Papst zum Antichristen, seine eigene Interpretation der Bibel für unfehlbar und gründete ein Konkurrenzunternehmen zum Vatikan, das trotz der Einbuße von Marktanteilen bis heute floriert.

Ein Ergebnis der Reformation ist, dass unsereins seitdem harte Reue und Buße zeigen muss, um in den Genuss eines Ablasses zu gelangen. Da wird manch einer an die gute alte Zeit zurückdenken, als die Sache mit ein paar oder auch mehr Talern erledigt war. Deshalb will auch der Orden des Leibowitz die Anregung aus dem Catholic's Guide to good Living übernehmen und Ihnen zu Halloween einen Ablass gewähren. Zu haben ist er ohne Nebenwirkungen, zum Ausdrucken und gültig für 10 Tage. Greifen Sie zu!

Download: Original Halloween-Ablass



6 Kommentare

Wunderbar, so ein Ablass ist wirklich praktisch, aber verderben Sie mit dieser Lowcost-Variante nicht die Preise? ;-)

Iwo! Umsonst gibt es ja nur 10 Tage Erlass der Sündenstrafen. Wer mehr braucht, muss sich ganz normal an die herkömmlichen Regeln für einen Ablass halten :-)

witzig geschrieben!

Was für ein netter Ablass! Aber ein kleiner Einspruch von einem der genannten 'protestantischen Freunde' muss schon sein: der Mönch Martin hat seine Bibelauslegung nie als unfehlbar bezeichnet, sondern immer daran festgehalten, die Schrift JETZT nicht anders als SO verstehen zu können und daran in seinem Gewissen vor Gott gebunden zu sein. Und zwar grundsätzlich offen für alle Diskussion, BIS ihm jemand mit überzeugenden biblischen Argumenten etwas anderes oder das Gegenteil beweist. Das ist ein grundlegend anderer Ansatz als selbstpostulierte 'Unfehlbarkeit' ... so etwas überlassen wir gern den Römern :)

Achso, der Augustiner Martin hat nicht Zwingli wegen seiner gleichzeitigen Auslegung verdammt? Insofern ist Unfehlbarkeit genau treffend ... und bei ihm war sie wirklich selbsternannt, da es ja wirklich (anders als beim Papst) um seine Privatmeinungen geht.

In Diskussionen hat er übrigens auf unwiderlegbare Argumente damit reagiert, daß er die Grundlage der Argumente abgelehnt hat, um sich so aus der Affäre zu ziehen. Ergebnis war Sola Scriptura.

Und ich wage zu bezweifeln, daß er gemeint hätte, daß man die Bibel in anderen Tagen anders verstehen könnte/sollte (was ja auch ein absurder Gedanke ist). Das kommt mir eher als ein Versuch vor, Lutherseligkeit mit einer Nichtübereinstimmung mit seinen Ansichten zu verbinden.

Ach bevor es jemand vergißt: der Ablaß hier ist nur ein Spaß.

Was, nur ein Spaß? Schade! :-)

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