
Der Flur meiner Station
Da ich zur Zeit mal wieder Nachtdienst habe, dachte ich mir dass es interessant sein könnte, Sie an einer Schicht teilhaben zu lassen. Mein Dienst beginnt um 21.20 Uhr und endet am nächsten Morgen um 07.20 Uhr. Wenn ich komme, wartet der Spätdienst schon darauf endlich nach Hause gehen zu können und macht mir eine Übergabe über den Zustand der einzelnen Patienten, der Neuaufnahmen und was sonst noch anliegen könnte. Danach geht der Spätdienst heim und man ist die nächsten 10 Stunden alleine auf der Station. Begleiten Sie mich durch eine mehr oder weniger spannende Nacht auf einer Entzugsstation für Alkoholiker:

Der Aktenrollschrank mit den Medikamenten
22.00 Uhr: Jetzt werden die letzten Medikamente zur Nacht an die Patienten verteilt. Gleichzeitig sollen alle ihr Handy, ihre Bestellkarte für das Essen und einen Tagesrückblick abgeben. Die Mobiltelefone sammeln wir jeden Abend ein und geben sie Mittags wieder raus. Das erleichtert die Arbeit ungemein, da so nicht in der Visite oder den morgendlichen Gruppensitzungen muntere Klingeltöne erklingen, weil die langjährige Bekannte von Herrn Schlonz sich mal eben nach dem werten Befinden erkundigen will. Außerdem ist diese Vergabe praktisch um alle Patienten wenigstens einmal kurz zu sehen und ein wenig Small Talk zu halten.

Der Schreibtisch mit Akte und Medikamenten
23.00 Uhr: Ich habe die Angewohnheit die wichtigsten Dinge solange zu erledigen, wie ich noch bei klarem Verstand bin, deshalb schreibe ich nach der Medikamentenvergabe die Akten der Patienten weiter und stelle die jeweiligen Medikamente für den nächsten Tag.

Akte mit Medikamentenschale
Um sicherzugehen dass nichts falsches im Schälchen ist, zähle ich die Tabletten nach und vergleiche sie mit der Anzahl in der Akte. Ist es eine zuviel oder wenig, muss ich noch mal genau nachsehen. Unsere Patienten bekommen in der Regel alle ähnliche Medikamente, aber Kontrolle kann nicht schaden. Die grauen "Ameiseneier" sind übrigens Distraneurin, ein Mittel das in den ersten Tagen eines Alkoholentzugs sehr wichtig ist, weil es die Symptome des Entzugs lindert und in den meisten Fällen ein Delirium verhindert.

Menükarten und Tagesrückblicke
24.00 Uhr: Wenn die Akten und Medikamente fertig sind, sortiere ich die abgegeben Menüzettel und die Tagesrückblicke. So ein Speiseplan enthält für einige Patienten große Tücken, weshalb man kontrollieren muss, ob auch wirklich alles richtig angekreuzt und mit dem korrekten Datum und vor allem Namen versehen ist. Nichts ist schlimmer als ein falsches Essen oder sogar gar keines. Patienten können einen Entzug oder Schmerzen duldsam ertragen, aber wenn es kein Essen gibt ist Holland in Not.
Auf den Tagesrückblicken rechts im Bild sollen die Patienten ihre Befindlichkeit angeben und kurz schreiben, was ihnen am Tag gefallen hat und mit was sie beschäftigt waren. Außerdem können sie ankreuzen, ob sie am nächsten Tag ein Einzelgespräch wünschen oder etwas amtliches über den Sozialdienst erledigen möchten.

Die Stations-Spülmaschine
01.00 Uhr: Auch so langweilige Tätigkeiten wie Geschirr in die Spülmaschine einräumen wollen erledigt sein, da sich bei uns jeden Tag ein riesiger Berg an Tassen und Gläsern ansammelt. Auch muss man die Spülmaschine rechtzeitig einschalten, denn nach einer Vorschrift in unserem Haus darf das Gerät nur auf 65 Grad laufen und in diesem Programm läuft die Maschine gefühlte 5 Stunden. Will man also morgens saubere Tassen haben muss man zusehen, das Ding bloß rechtzeitig anzustellen.

Meine Butterbrotdose
01.30 Uhr: Zeit etwas zu essen! Ich weiß nicht warum, aber im Nachtdienst habe ich noch mehr Hunger als tagsüber und könnte ständig essen. Die Butterbrotdose habe ich übrigens von meiner Liebsten mit den Worten: "Damit bloß keiner auf die Idee kommt, dass du cool wärst!" geschenkt bekommen. Seitdem ich das erzählt habe, sorgt die Dose für eine stetige Erheiterung unter den Kolleginnen und Kollegen. Soweit zum ersten Teil des Streifzugs durch die Nacht, morgen geht es weiter!
wo gibts denn die geniale butterbrotdose zu kaufen?!
Die Dose gibt es bei Kaufland und gehört zu einer ganzen Serie mit diesem Motiv. Es gibt da noch Pappteller, Servietten und sonstwas davon. Die Firma heißt twentyfive plus.
danke schön. :)