Der gebloggte Nachtdienst III

Das Stationstelefon4.30 Uhr: Das Telefon klingelt. Am anderen Ende ist einer unserer ehemaligen Patienten mit geschätzten drei Promille und würde gerne jetzt sofort aufgenommen werden. Er ist fast direkt nach der Entlassung vor gut drei Wochen rückfällig geworden und wieder bei einem täglichen Pensum von zwei Flaschen Korn und einen halben Kasten Bier. Ich erkläre ihm mehrmals, denn ab einer gewissen Promillezahl ist man nicht mehr so richtig aufnahmefähig, dass ich erstmal nichts für ihn tun kann, weil wir auf der Station nicht für die Aufnahmen zuständig sind. Ich rate ihm sich eine Einweisung vom Hausarzt und einen Termin von unserem Aufnahmeminister zu holen. Im Zweifelsfall soll er sich bei der normalen Ambulanz des Krankenhauses melden und versuchen, auf der inneren Station aufgenommen zu werde.

Der Schrank mit den Medikamenten
Der Schrank mit den Medikamenten

Eine weitere Aufgabe des Nachtdienstes besteht in der Bestellung der Medikamente. Bestimmte Sachen gehören zum Standardprogramm und müssen immer vorrätig sein, deshalb sichtet man den Schrank und schaut, was langsam zur Neige geht. Manche meiner Kolleginnen und Kollegen bestellen gerne ein wenig auf Vorrat, da sie wahrscheinlich vermuten, dass grundsätzlich immer ein Notstand ausbrechen kann und die Ausgabe von Medikamenten rationiert wird. Ich selbst bestelle immer nur soviel, dass es für den nächsten Tag oder für das Wochenende reicht. Ansonsten kann es passieren, dass man große Mengen eines sündhaft teuren Präparates für einen Patienten bestellt, der dann die Behandlung abbricht und wir auf dem teuren Zeug sitzen bleiben.

Die Medikamente für den nächsten Morgen
Die Medikamente für den nächsten Morgen

Ebenfalls wichtig ist die Vorbereitung der Medikamente für den nächsten Morgen. Auf meiner Station hat man die Angewohnheit bestimmte Tabletten, zum Beispiel Mittel zum Magenschutz (damit wird die Produktion von Magensäure gehemmt) vor dem Frühstück zu geben. Deshalb fische ich diese Tabletten aus den Schälchen und stelle sie in einem Plastikbecher daneben. Manche Patienten bekommen auch noch irgendwelche Tröpfchen in ihr Wasser, das bereite ich ebenfalls vor, so dass der Frühdienst nur noch verteilen muss.

Vorbereitung einer Infusion
Vorbereitung einer Infusion

Jetzt noch eine Infusion vorbereiten: Im unteren Glas befindet sich die Trockenlösung mit einem Antibiotikum in der oberen Kochsalzlösung. Beides vermischt ergibt eine prima Infusion um widerliche Keime zu töten. Mittlerweile haben wir auch schon 6.00 Uhr, somit ist der Endspurt zum Feierabend angebrochen. Ich nehme mir nochmal alle Patientenakten vor und trage besondere Vorkommnisse aus der Nacht ein und kontrolliere ob ich alle Medikamente, die ich herausgegeben habe auch eingetragen sind.

Ist das erledigt, muss noch der Übergabezettel auf dem alle Patienten aufgelistet sind ausgedruckt werden, damit sich der Frühdienst Anmerkungen zu jedem aufschreiben kann. Noch wichtiger ist aber Kaffee! Einen Frühdienst ohne fertigen Kaffee zu beginnen ist die absolute Pest, deshalb gehört das zu den dringendsten Aufgaben eines Nachtdienstes. Zudem benutzen alle aus dem Team eine eigene Tasse, die nicht verwechselt werden darf. Mittlerweile habe ich raus, wer welche Tasse bevorzugt, so dass es hier nicht mehr zu Komplikationen kommt.

Tisch im Stationszimmer
Tisch im Stationszimmer

6.50 Uhr: Zettel und Kaffee sind fertig, gleich sollte die Ablösung kommen. Sobald sie da ist, mache ich noch eine Übergabe über das Geschehen während der Nacht und gehe endlich nach Hause. Dort wartet ein Feierabendbier auf mich, das ich während gemütlichen Surfen im Internet trinke und dann müde ins Bett gehe.



1 Kommentar

Hiho, hiho!

Marion hat mich auf Deinen Blog gebracht und ich hab mich beim lesen Deiner Nachtdienstschilderung fast nass gemacht. Wirklich sehr schön formuliert und mit netten, kleinen Spitzfindigkeiten gespickt. ;)
Ich bin überzeugt das nicht nur ich, bin ja quasi n Insider, beim lesen viel Spass hatte!
Liebe Grüsse, Jan-Henning

Jetzt kommentieren

Schließen