Vielleicht haben Sie auch von der neuen Idee der Bundesagentur für Arbeit gelesen, ab dem 1. September Langzeitarbeitslose für die Pflege von Demenzkranken Menschen einzusetzen. Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wilhelm Schmidt hat dazu die passenden Worte gefunden: "Der Wert der Pflege wird so gering eingeschätzt, dass nun Hilfskräfte eingesetzt werden sollen, die nach einem Kurzlehrgang auf die Menschen losgelassen werden sollen. Wer sich das ausdenkt, hat von Pflege und Menschlichkeit keine Ahnung".
Das sehe ich als Krankenpfleger genauso, denn es hat schon seinen Grund, dass die Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege drei Jahre umfasst. Die geplanten 160 Unterrichtsstunden und einige Praktika reichen da nicht, um aus einer arbeitslosen Fleischfachverkäuferin, die vor 10 Jahren ihre verwirrte Großmutter betreut hat eine professionelle Pflegekraft zu machen. Selbst wenn es sich "nur" um Tätigkeiten wie Nahrung darreichen oder spazieren gehen handelt.
Der Umgang mit dementen Personen ist schwierig, er kann selbst dafür Ausgebildete an ihre Grenzen bringen und hat nichts damit zu tun, etwas verwirrte alte Leute zu unterhalten. Die Demenz ist ein komplexes Krankheitsbild mit verschiedenen geistigen und körperlichen Ausformungen. Den Umgang damit kann man nicht mit wenig Unterricht erlernen. Sollten meine Angehörigen davon betroffen sein, würde ich es ablehnen, dass sie von unausgebildetem Hilfspersonal betreut werden.
Das ist aber nur ein Grund diese Entscheidung abzulehnen, denn selbst wenn ausschließlich arbeitslose Kranken- und Altenpfleger/-innen für diese Tätigkeiten herangezogen würden, wäre sie immer noch falsch. Denn auch wenn diese Arbeitslosen laut der Arbeitsagentur keine Pflegekraft ersetzen sollen, wird das in der Realität genauso aussehen. Denn kaum ein Pflegeheim wird sich die Chance entgehen lassen, Fachpersonal ganz legitim durch gesponserte Hilfskräfte zu ersetzen. Entweder wird also ein Arbeitsplatz durch eine Hilfskraft ersetzt oder eine ausgebildete Pflegekraft muss für einen nicht angemessenen Lohn arbeiten.
Letztendlich kann man diesen Vorstoß nur als weiteren Versuch bewerten, die Arbeitslosenstatistik zu schönen und nebenbei noch den Notstand in den Pflegeheimen durch unqualifiziertes Personal zu beheben. Alles auf Kosten von Menschen, den einen verweigert man einen ordentlich bezahlten Arbeitsplatz, den anderen eine professionelle Pflege.
Zum Thema:
Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen
Streit über Pflegejobs für Arbeitslose
Artikel "Demenz" in der Wikipedia
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