Das Mohrenbock aus Österreich
Veröffentlicht am 13.03. 2008
Aus dem Leben gegriffen

Die Österreicher sind uns Deutschen ja im Grunde fremd. Wir sprechen zwar fast dieselbe Sprache und teilen die kurzzeitige Anbetung eines kleinen Mannes aus Braunau, trotzdem weiß man in der Regel wenig voneinander. Dass der Österreicher einen besonderen Humor pflegt, konnte ich kürzlich wieder feststellen, als ich als Mitbringsel einen Karton Bockbier aus der Mohrenbrauerei geschenkt bekam. Das Bier ist sehr lecker und schmeckt mir besser, als alle deutschen Bockbiere die ich bisher getrunken habe. Allerdings wäre ein Bier aus einer Mohrenbrauerei, dazu noch mit diesem Logo in Deutschland absolut undenkbar. Käme so etwas auf den Markt, könnte sich die Brauerei vor Boykottaufrufen und Demonstrationen vor dem Werksgelände nicht mehr retten.
Den Österreicher stört es anscheinend nicht, denn er verkauft in seinem Web-Shop auch noch Mohri-Figuren und allerlei anderen lustigen Tand. Mein persönliches Highlight ist aber die Schneekugel mit einem Mohren der eine Flasche Bier im Arm hält. In der Beschreibung heißt es: “Diese Schneekugel hat´s in sich. Denn er ist einzigartig und unwiderstehlich, unser romantischer Schneemohr.” Ich denke spätestens bei diesen Produkten würden sich in Deutschland die Talkshows einschalten und sowohl der Bundespräsident als auch Claudia Roth intervenieren.
Da ich ein großer Freund dieser Murmeltiersalbe bin, muss ich mir jetzt immer vorstellen, wie der Österreicher Mohrenbier saufend über die Almen zieht und reihenweise Murmeltiere totschlägt und sie zu Salbe einkocht. Ein lustiges Volk.
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Bisher 11 Kommentare
Österreicher herrschen schon allein deshalb, weil ich da geboren bin, höhö.
Bockbier jedoch nicht. :(
Aber gabs nicht mal auch bei uns den Sarotti-Mohr?
>Aber gabs nicht mal auch bei uns den Sarotti-Mohr?
Ja, aber den haben sie vor ein paar Jahren in “Sarotti-Magier” umbenannt und sein Aussehen soweit verändert, dass er weniger nach “Neger” aussieht. Ich kann mich auch erinnern, dass mir meine Mutter ganz ganz früher öfter nach dem Einkaufen einen “Eisneger” spendiert hat. Das war dieses Softeis mit Schokoladenüberzug. So eine Bezeichnung ginge heute auch nicht mehr.
Stimmt. Auch so ein Dialog wie in “Otto - Der Film” kann es heute nicht mehr geben:
“Das einzige, was mir noch helfen konnte, war…. EIN NEGER!!!”
“Du Neger?”
“Was”
“Schwarze Kopf, Schwarze Bauch, Schwarze Füß…”
“Schwarze Füß?”
“Ja, Schwarze Füß!” (Otto zeigt seine etwas drckigen Füße)
“Ah! Schwarze Füß! Du Neger?”
Allgemein istdie ganze Szenerie da ja dreist. Später gibt sich Otto mit diesem Afrikaner (Um Geld zu verdienen) als Sklavenhändler aus. “Gestatten: Bimbo!” “Sie habe gerufe?”
Ich mein: Otto! Das war noch in den Achtzigern!
Fairerweise muß man sagen, daß der Afrikaner schließlich die Hälfte der erworbenen Kohle bekommt und daß die Frau, die ihn als Sklaven kauft, nicht wirklich etwas mit ihm anzufangen weiß und ihm erstmal einen Kaffee macht. Und daß Otto schließlich verkleidet der Frau erklärt, daß Besitz eines Sklaven heute strafbar ist.
>Das war noch in den Achtzigern!
Damals konnte man beim Bäcker auch noch ein Negerkuss-Brötchen kaufen. Das wollen mir manche die jetzt um die Zwanzig sind, schon fast nicht mehr glauben, geschweige denn, dass es den Eisneger gab. Ich habe mir damals nie etwas rassistisches dabei gedacht, allerdings gab es seinerzeit bei uns auch noch keine dunkelhäutigen Menschen. Insofern finde ich es schon positiv, dass man den Sprachgebrauch in dieser Richtung angepasst hat.
Ich weiß es nicht. Da wird manchmal mehr überlegt, als gut ist. Nun habe ich von schwarzer, um genau zu sein, brasilianischer Seite schon gehört, daß sie Neger genannt werden wollen, da das als ihr Sklavenname auch der Hinweis auf ihren Sieg ist, dann hab ich gehört, daß “Farbiger” eine Unverfrohrenheit ist, wieder andere finden schwarz falsch und Afro-Europäer klingt irgendwie scheiße.
nicht zu vergessen die lecker schmeckenden mohrenköpfe! (jetzt schaumküsse).
@FingO
Manchmal wird es vor lauter Korrektheit wirklich etwas kompliziert. Gab es nicht neulich im Zusammenhang mit Sinti und Roma eine Bezeichnung als mobile irgendwas?
@Inge
Aus welcher Gegend kommst du? Bei uns ist ein Mohrenkopf nämlich eine gefüllte Biskuitkugel, die mit Schokolade überzogen ist. Meist gibt es die zu Silvester und Karneval mit einem Schornsteinfeger verziert.
Sinti und Roma ist allein deshalb schon imho diskriminierender als Zigeuner (oder Mitglied der ziganischen Volksgruppen), da es neben Sinti und Roma noch zumindest die Jenischen gibt. Und eigentlich auch noch Quinqui und Pawee. Und eigentlich gehören die Sinti eh zur Volksgruppe der Roma.
@Fingo
Und wie heißt das Schnitzel jetzt?
Der politisch korrekte ißt doch nur einen Tofuburger und kein Schnitzel - welcher Sorte auch immer!
Zu guter letzt gebe ich nun auch noch meinen Beitrag ab:
Mohrenkopf ist ganz klar Allgäuerisch. Zumindest bei mir zu Hause gibt es immer noch einen guten Mohrenkopfsemmel. Und die Dinger haben die letzten 30 Jahre nicht Negerkuss geheißen.
Genauso Weizen(Weißbier) mit Cola, das hat bei uns den passenden Namen Mohren, in Oberbayern sagt man dazu übrigens Neger.
Nicht zu vergessen auch die Großmetzgerei Schwarz aus Gundelfingen/Donau. Wer in deren Logo keinen Neger/Mohren/Afrikaner erkennt der hat was auf den Augen.
Jetzt fällt mir grad nichts mehr ein. Aber als ein absolutes No-Go habe ich nun noch nichts davon erlebt. Außer dass ich einmal hier im Viertel komisch angeschaut wurde als ich einen “Russen” bestellt habe. :o)