Warum das Verbot von Minaretten der Schweiz schadet
Die Schweiz hat laut Stand vom Juli 2009 7.739.100 Einwohner. Von den Schweizer Bürgern sind 41 Prozent römisch-katholisch, 40 Prozent reformiert, 0,18 Prozent christkatholisch, 2,5 Prozent in Freikirchen und 11 Prozent ohne Zugehörigkeit. Von den in der Schweiz lebenden Ausländern ist die Mehrheit christlich und 18 Prozent gehören dem Islam an, was nach Stand von 2000 4,26 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Das entspricht einer Zahl von ca. 400.000 Muslimen. Zur Zeit gibt es in der Schweiz 12 Moscheen, von denen die erste bereits 1963 erbaut wurde und lediglich vier davon besitzen Minarette. Anhand dieser Zahlen kann man dem Schweizer Islam keine zunehmende Ausdehnung oder gar eine eine Islamisierung der Schweiz unterstellen. Dafür sind 12 Moscheen in 46 Jahren einfach zu dürftig.
Die schlichte Realität hat aber die Mehrheit von 57,5 Prozent der Schweizer nicht davon abgehalten, bei einer Volksabstimmung für das Verbot zum Bau von weiteren Minaretten zu stimmen. Das bedeutet in erster Linie einen klaren Sieg für die Populisten der SVP und EDU, die es mit ihren Kampagnen geschafft haben, aus dem Nichts eine Bedrohung für die Bevölkerung zu zaubern. Das war es dann auch schon an Gewinnern, alle anderen Beteiligten haben verloren. Zuerst die Schweizer Regierung, die nicht in der Lage war, den Unsinn dieser Abstimmung als solche klarzustellen. Dann natürlich die Mehrheit der Schweizer Bürger, die augenscheinlich nicht in der Lage ist, zwischen Realität und rassistischen Parolen zu unterscheiden. Die Muslime in der Schweiz sind natürlich auch unterlegen. Sie dürfen sich ab jetzt zu Recht als diskriminierte Minderheit fühlen und müssen sich bei jedem Kontakt fragen, ob sie nicht einem Islamophoben gegenüberstehen.
Politisch betrachtet haben die Schweizer Verfassung und das Ansehen der Eidgenossenschaft jedoch am meisten gelitten. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Dazu gehört für mich auch die Freiheit einer Gemeinschaft, Gebäude zu errichten, in denen sie ihre religiösen Rituale verrichten kann. Betrachtet man die Anzahl von bisher 4 Moscheen mit Minaretten in der gesamten Schweiz, kann man nicht behaupten, dass die Muslime dieses Recht missbraucht haben. Sicherlich kann man aus bautechnischen und ästhetischen Gründen über die Höhe eines Minaretts diskutieren, ein generelles Verbot ist aber meiner Meinung nach ein klarer Verfassungsbruch.
Das Ansehen der Schweiz als Demokratie dürfte im Ausland erstmal gelitten sein, auch wenn diese Abstimmung auf demokratischem Wege stattfand. Wie will man denn von den islamischen Staaten Religionsfreiheit als Menschenrecht einfordern, wenn man sich in diesem Punkt auf dieselbe Stufe stellt? Ach ja, ein Gewinner dieser Abstimmung fällt mir doch noch ein: Die Art Muslime, gegen die man ankämpfen will. Nach dieser Abstimmung werden es verrückte Imame deutlich leichter haben, die Schweiz und westliche Demokratien als Feinde des Islam darzustellen. Damit haben sich die Schweizer einen wichtigen Punkt für die Radikalisierung muslimischer Fanatiker selbst geschaffen.








