25. Juli 2010

Das kalkulierte Risiko

19 Tote. Mehr als 300 Menschen, teilweise schwer verletzt. So die bisherige traurige Bilanz einer Riesenparty. Noch schlimmer ist allerdings, dass die Toten durch eine Massenpanik von den Veranstaltern anscheinend billigend in Kauf genommen wurden. Die Mängel beginnen schon am Veranstaltungsort. Duisburg ist zu klein und eng für Massenveranstaltungen, deshalb hätte die Loveparade dort nie stattfinden dürfen. Dann das ungeeignete Gelände am ehemaligen Güterbahnhof der Stadt, das nur durch eine 200 Meter lange Unterführung mit einem Tunnel zu betreten und zu verlassen ist. Zudem war das Gelände nur für 250.000 Personen zugelassen, obwohl die Veranstalter im Vorfeld mit mehr als einer Million Besucher rechneten. Zu den ganz offensichtlichen Mängeln gesellen sich noch eine Menge Ungereimtheiten. So hat das Amt für Baurecht und Bauberatung, den Veranstalter von der Pflicht enthoben, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Auch auf Feuerwehrpläne, wie sie bei jeder großen Veranstaltung vorhanden sein müssen wurde verzichtet.

Genauso zweifelhaft ist die Aussage des Duisburger Panikforschers Michael Schreckenberg, der das “Sicherheitskonzept” mitentworfen hat. Kurz vor Beginn der Panik hatten einige Besucher die Sicherheitssperren durchbrochen, womit man im Vorfeld angeblich nicht hätte rechnen können. So etwas sagt jemand, der sich mit seiner Materie auskennen sollte und wusste, dass solche Menschenmengen nicht durchgängig kontrollierbar sind. Zumal man bei den Besuchern der Loveparade auch davon ausgehen muss, dass ein Großteil Unmengen chemischer Drogen konsumiert und dadurch noch unberechenbarer ist.

Da lässt man also eine Massenveranstaltung wie die Loveparade in einer ungeeigneten Stadt auf einem zu kleinem Gelände mit nur einem Ein- und Ausgang stattfinden, und verzichtet dazu noch auf ein Mindestmaß an Sicherheitsvorkehrungen. Da erscheint es fast als Wunder, dass es “nur” 19 Tote gegeben hat. Angesichts dieser Schlampereien hätte es auch noch wesentlich schlimmer ausgehen können. Noch schlimmer finde ich aber, dass man die Ursachen der Katastrophe nicht allein auf Inkompetenz zurück führen kann. Hier wurde eindeutig versucht, den schnellen Reibach zu machen ohne anständig vorbereitet zu sein. Manche Details lassen auch darauf schließen, dass im Vorfeld nicht alles legal durchgeführt wurde. Ich bin gespannt auf die Untersuchungen zu diesem Fall, denn diese Loveparade stinkt nach einem sehr fiesem Klüngel, in den ebenso viele Menschen verwickelt sind.

Zum Thema:
Katastrophe bei der Love Parade
Die Suche nach den Schuldigen geht jetzt los
Scharfe Kritik an Veranstaltern – Warnungen im Vorfeld

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