LPT und kein Ende
Auch auf die Gefahr hin, meine werte Leserschaft mit piratischen Themen zu strapazieren muss ich noch einen nachlegen. Die Entscheidung vom Sonntag den Parteitag zu unterbrechen und am kommenden Sonntag zu Ende zu bringen, hat für Diskussionen gesorgt. Unsere neue 1. Vorsitzende Birgit stellt die Entscheidung in Frage, weil sie der Meinung ist, dass zu wenige Piraten darüber abgestimmt haben. Ähnlich sieht es Pirat Bastian, der die Entscheidung aber im Gegensatz zu Birgit weder für demokratisch noch für rechtlich korrekt ansieht. Das ist ihr gutes Recht, doch ich sehe die Sache anders. Die Abstimmung darüber, den LPT zu unterbrechen und in einer Woche weiterzuführen, ist meiner Meinung nach völlig korrekt verlaufen. Dass zu diesem Zeitpunkt schon einige den Parteitag verlassen hatten, ist je deren persönliche Entscheidung gewesen. Mittags gab es eine ähnliche Situation, als gut die Hälfte der Anwesenden zum Essen war, obwohl eine Pause per Abstimmung abgelehnt wurde. In dieser Zeit wurden ebenfalls Entscheidungen getroffen, die nicht von allen mitentschieden werden konnten.
Insofern halte ich die Begründung durch die geringere Anzahl der Anwesenden für falsch gedacht. Die Tatsache der Unterbrechung an sich ist alles andere als wünschenswert, doch ich halte es für die beste Möglichkeit. Bestimmt werden einige Piraten am Sonntag keine Zeit haben, doch irgendwen wird es immer geben, der zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht kommen kann. Dadurch werden die Entscheidungen nicht weniger demokratisch, und im Zweifelsfall würde ich einfach auf das Urteil meiner Mitpiraten vertrauen. Deshalb kann ich Bastians Aufruf die Versammlung am Sonntag durch sinnlose Anträge zu sprengen in keinster Weise nachvollziehen. Ein solches Verhalten ist in meinen Augen nicht nur kontraproduktiv und parteischädigend, es stinkt auch einfach nach schlechtem Verlierer. Ich bin auch nicht mit allen Entscheidungen zufrieden, doch das gehört nun mal zu einer Demokratie. Deshalb hoffe ich, dass sich Bastian und die Sympathisanten seiner Idee noch eines besseren belehren lassen, und die Versammlung sinnvoller nutzen als sie zu untergraben. Pirat Alex hat auch ein paar Sätze dazu geschrieben, die ich nur unterstützen kann. Es kann nicht gut sein, sich in Grabenkämpfen zu verstricken, wenn wichtige Dinge anstehen.
Update: Pirat Losso macht den Vorschlag, den LPT am Sonntag zu beenden und und zu einem programmatischen Arbeitstag zu machen. Dabei sollen alle strittigen Punkte ausdiskutiert werden, damit man auf einem neu einberufenen LPT “nur noch” darüber abstimmen muss. Sollte sich die Mehrheit dafür entscheiden, muss man das natürlich akzeptieren. Für klug halte ich es trotzdem nicht.
Update 2: Es wahr natürlich nicht Losso, der diesen Vorschlag gemacht hat. Er stammt aus der Mailingliste von GrumpyOldMan! Und das steht da auch so!




Aaah, der frische Duft von Politik am frühen Morgen :-P
Da haben die Piraten aber schnell in den ganz normalen politischen Alltag hineingefunden, mit allen Macken und Verrücktheiten ;-)
eure erste Vorsitzende mag das gut finden oder nicht – es handelt sich hier um die Entscheidung einer ordentlichen Mitgliederversammlung, gleich ob 250 anwesend waren oder auch nur 8 Leute.
Solange zu dieser ordnungsgemäß geladen war und solange die Entscheidung während der laufenden Versammlung getroffen wurde ist sie rechtlich bindend und für den Verein gültig.
Ich bin selbst seit über 15 Jahren im Vorstand einer Hilfsorganisation und aus dieser Zeit weiss ich, dass Haupt- und Mitgliederversammlungen reine Basisdemokratie sind und man sich als Vorstand besser pinibel an die durch Satzung und Gesetz vorgegebenen Formalien hält. Tut man dies nicht, gefährdet man die gesamte Versammlung inklusive aller Entscheidungen, die dann rechtlich angreifbar und nichtig aufgrund von Formfehlern werden.
TDecius hat völlig recht. Die LMV ist das höchste Gremium. Wenn diese beschliesst es so zu machen dann wird es so gemacht, auch wenn manche meinen früher abreisen zu müssen. Da eine Vertagung oder ein Abschluss einer Tagung naturgemäß am Ende kommt muss man schon bis zum Schluss bleiben wenn man da mitbestimmen will.
Bernhard – Ex-Vorstand.
NEIN! Ich habe den Vorschlag nicht gemacht! Er stammt aus der Mailingliste von GrumpyOldMan! Und das steht da auch so!
Ich lese doch keine MLs, habe ja schließlich ein Leben und Arbeit. Werde es ändern, sobald ich Feierabend habe. Dir auch einen schönen Tag :)
Da quak ich mal etwas konstruktive Kritik dabei :-)
Ich halte es für äußerst undemokratisch wenn schon die ersten gegangen sind plötzlich wichtige Entscheidungen, wie einen weiteren Sitzungstag abzuhalten, zu treffen. Wie Helmut Kohl uns gelehrt hat können auch Mehrheiten sich sehr wohl irren. Wenn man unabhängige Politiker will dann arbeiten die halt meistens auch noch während der Woche und dann müssen die irgendwann wieder nach Hause fahren. Wer lieber abhängige 8-Jahre-MdBs haben will die dableiben der kann allerdings auch die alten Parteien wählen.
Keine Mittagspause zu machen halte ich auch für fatal. Eine Pause, sei sie noch so kurz, wird auf jeder vernüftigen Konferenz gehalten. Das ewige Sitzen und Zuhören hält doch keiner 10 Stunden am Stück aus.
Gebracht hat es sowieso nichts, sonst hättet ihr nicht vertagen müssen.
Bitte seht das nicht als bashing. Ich bin zwar kein Kandidat oder Mitglied der Piratenpartei sehe sie momentan allerdings als einzige Möglichkeit für Deutschland ohne Huxley und Orwell. Deswegen liegt mir DIE Partei (die immer Recht hat ;-) ) am Herzen, insofern das geht.
@Kaleu
>Ich halte es für äußerst undemokratisch [...] wichtige Entscheidungen [...] zu treffen.
In gewisser Hinsicht mag ich dir zustimmen, doch es wurde a) niemand gezwungen zu gehen, b) war abzusehen, dass eine irgendeine Entscheidung am Ende der Sitzung getroffen werden musste und c) habe ich mit den anderen Piraten aus Hagen schließlich auch bis zum Schluss ausgeharrt. Aus diesen Gründen muss ich alle, die sich über den Entschluss beschweren fragen, warum sie nicht bis zum Ende geblieben sind.
>Keine Mittagspause zu machen halte ich auch für fatal.
Ich ebenfalls. Da ich hungrig ungenießbar bin, habe ich mich dann auch für Essen fassen entschieden und war reichlich abgenervt, dass die Sitzung samt Abstimmung über wichtige Dinge trotzdem weiterging. Da sich aber die Mehrheit der Anwesenden gegen eine Pause entschieden hat, musste man das so hinnehmen.
>Bitte seht das nicht als bashing.
Ich sowieso nicht, denn jede Kritik von Außen ist erstmal willkommen. Wir wollen eine transparente Partei sein, deshalb schreibe ich nicht nur über die Erfolge, sondern auch über die Querelen innerhalb der Partei, die sich durch eine Basisdemokratie zwangsläufig ergeben. Immer Recht haben wir bestimmt nicht (das gab es nur bei der SED) aber wir versuchen, auf dem rechten Weg zu bleiben. Darum sind mir auch solche Diskussionen wie im Moment lieber, als dass wichtige Entscheidungen nur von irgendwelchen Delegierten abgewunken werden.
>Deswegen liegt mir DIE Partei [...] am Herzen…
Mir auch. Ich bin ja nur einfaches Mitglied, und ein wenig in meiner Crew aktiv um die Sache am Laufen zu halten. Deshalb sehe ich solche Streitigkeiten ( auch wenn sie mich zeitweise nerven) eher als einen Garanten für die Piŕatenpartei. Anderswo würde es entweder unter den Teppich gekehrt oder ganz simpel von Oben entschieden. Wir diskutieren im Zweifelsfall halt über jeden Scheiß. Und das ist auch gut so ;-)
Ich habe nichts hinzuzufügen :-)