Nachruf auf eine glückliche Kindheit

Die Dame auf dem Foto ist meine Großmutter Ende der 40er oder Anfang der 50er Jahre. Sie hat gemeinsam mit meinem Großvater zwei kleine Mädchen durch den Krieg gebracht. Nach einer aufregenden Flucht ist sie erst in Hamburg und später in Ahlen gelandet, dort kam noch ein drittes Mädchen zur Welt. Das halbe Zechenhäuschen in dem sie mehr als 50 Jahre lebte, war mir in meiner Kindheit vertrauter als mein eigenes zu Hause und im Rückblick habe ich dort auch wesentlich mehr Zeit verbracht. Ich kann mich an die Zinkwanne im Garten erinnern, die im Sommer als Planschbecken diente, an den rosa Bezug für den Toilettensitz und den Geruch des Fliedersprays der immer auf der Fensterbank stand. Zu Abend gegessen wurde um Punkt 18.00 Uhr mit einer Tasse warmer Milch und jeden Samstag ging es in die Badewanne. Ich bekam immer ein in blaues Staniolpapier eingewickeltes Brausedings ins Wasser, das auch nach Flieder roch und jede Menge Schaum zum Spielen machte.
Ich habe den Duft von dicken Blaubeerpfannkuchen mit Zucker in der Nase, und ich kann fast die schlimmen Schmerzen spüren, wenn sie mir nach einem Sturz das Knie mit dieser fiesen Jodtinktur behandelte. Ich bin oft heimlich abends auf den Dachboden gegangen um in den unzähligen Koffern und Kisten nach Geheimnissen zu stöbern. Danach war es mir jedes mal so gruselig, dass ich ins Bett der Großeltern flüchten musste um sicher am Omabusen weiterzuschlafen. Beim Einkauf im Konsum um die Ecke gab es immer eine kleine Süßigkeit und ich durfte der Kassiererin das Heftchen mit den eingeklebten Rabattmarken reichen. Einmal hat sie mir auch den Mund mit Seife ausgewaschen, weil ich irgendein schlimmes Wort benutzt habe. Seitdem ist nie wieder ein Fluch oder Schimpfwort in ihrer Gegenwart über meine Lippen gekommen. Einfach alles dort hatte das perfekte Maß an Liebe, Regelmäßigkeit und freundlichem Spießertum, das ich immer geliebt habe.
Meine Oma musste die Beerdigung meiner Mutter erleben und sie hat vor ein paar Jahren ihren Mann unter die Erde gebracht. Die Tage ist auch sie im Alter von 88 Jahren friedlich in ihrem Sessel vor dem Fernseher verstorben.





Hallo, Frank,
ja, unsere Omas… Was für ein Geschenk, wenn man das Glück hatte, eine solche wie Du zu besitzen und von einer solchen umsorgt und geliebt zu werden.
Ich werde sie in mein Gebet miteinschließen!
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Hallo Frank,
danke für die Worte zu Deiner Oma. Vieles was Du schreibst kommt auch mir sehr bekannt vor, die Omas sind schon was ganz besonderes. Ich habe meiner zu Ihren 100. Geburtstag eine Erinnerungswebseite gemacht – 18 Jahre nach ihrem Tod. Sie war eine wunderbare Oma und sie darf nicht vergessen werden.
Ich freue mich darauf sie wieder zu sehen,
viele Grüße und Gottes Segen
Stefan