Archive for November, 2009

30 November
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Warum das Verbot von Minaretten der Schweiz schadet

Die Schweiz hat laut Stand vom Juli 2009 7.739.100 Einwohner. Von den Schweizer Bürgern sind 41 Prozent römisch-katholisch, 40 Prozent reformiert, 0,18 Prozent christkatholisch, 2,5 Prozent in Freikirchen und 11 Prozent ohne Zugehörigkeit. Von den in der Schweiz lebenden Ausländern ist die Mehrheit christlich und 18 Prozent gehören dem Islam an, was nach Stand von 2000 4,26 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Das entspricht einer Zahl von ca. 400.000 Muslimen. Zur Zeit gibt es in der Schweiz 12 Moscheen, von denen die erste bereits 1963 erbaut wurde und lediglich vier davon besitzen Minarette. Anhand dieser Zahlen kann man dem Schweizer Islam keine zunehmende Ausdehnung oder gar eine eine Islamisierung der Schweiz unterstellen. Dafür sind 12 Moscheen in 46 Jahren einfach zu dürftig.

Die schlichte Realität hat aber die Mehrheit von 57,5 Prozent der Schweizer nicht davon abgehalten, bei einer Volksabstimmung für das Verbot zum Bau von weiteren Minaretten zu stimmen. Das bedeutet in erster Linie einen klaren Sieg für die Populisten der SVP und EDU, die es mit ihren Kampagnen geschafft haben, aus dem Nichts eine Bedrohung für die Bevölkerung zu zaubern. Das war es dann auch schon an Gewinnern, alle anderen Beteiligten haben verloren. Zuerst die Schweizer Regierung, die nicht in der Lage war, den Unsinn dieser Abstimmung als solche klarzustellen. Dann natürlich die Mehrheit der Schweizer Bürger, die augenscheinlich nicht in der Lage ist, zwischen Realität und rassistischen Parolen zu unterscheiden. Die Muslime in der Schweiz sind natürlich auch unterlegen. Sie dürfen sich ab jetzt zu Recht als diskriminierte Minderheit fühlen und müssen sich bei jedem Kontakt fragen, ob sie nicht einem Islamophoben gegenüberstehen.

Politisch betrachtet haben die Schweizer Verfassung und das Ansehen der Eidgenossenschaft jedoch am meisten gelitten. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Dazu gehört für mich auch die Freiheit einer Gemeinschaft, Gebäude zu errichten, in denen sie ihre religiösen Rituale verrichten kann. Betrachtet man die Anzahl von bisher 4 Moscheen mit Minaretten in der gesamten Schweiz, kann man nicht behaupten, dass die Muslime dieses Recht missbraucht haben. Sicherlich kann man aus bautechnischen und ästhetischen Gründen über die Höhe eines Minaretts diskutieren, ein generelles Verbot ist aber meiner Meinung nach ein klarer Verfassungsbruch.

Das Ansehen der Schweiz als Demokratie dürfte im Ausland erstmal gelitten sein, auch wenn diese Abstimmung auf demokratischem Wege stattfand. Wie will man denn von den islamischen Staaten Religionsfreiheit als Menschenrecht einfordern, wenn man sich in diesem Punkt auf dieselbe Stufe stellt? Ach ja, ein Gewinner dieser Abstimmung fällt mir doch noch ein: Die Art Muslime, gegen die man ankämpfen will. Nach dieser Abstimmung werden es verrückte Imame deutlich leichter haben, die Schweiz und westliche Demokratien als Feinde des Islam darzustellen. Damit haben sich die Schweizer einen wichtigen Punkt für die Radikalisierung muslimischer Fanatiker selbst geschaffen.

29 November
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1. Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenheerde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird;
Und lauscht hinaus. Den weissen Wegen

Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke, Quelle

28 November
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Die großen Mythen der Bibel

Die Geschichten des Alten Testaments haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Sie sind das Gründungsdokument des Judentums und die Quelle der christlichen Zivilisation, ihr erstes großes Epos. Das Alte Testament, die Hebräische Bibel, versammelt Sagen, Gesetze, Dichtung, Prophezeiungen und historische Schilderungen. Es beginnt mit den fünf Büchern Mose, die in der jüdischen Überlieferung Thora genannt werden.
Seit je gibt es Streit, wie denn diese Texte zu lesen und zu verstehen seien. Sind sie historisch verbürgte Wahrheit? Oder nur spannende, interessante, lebenskluge, manchmal auch grausame Erzählungen? Hat die Bibel recht? Irrt sie absichtlich? Lügt sie gar?

So die Beschreibung des Sonderheftes von National Geographic, Die großen Mythen der Bibel, das ich während der letzten drei Nächte gelesen habe. Der Autor versucht darin neueste wissenschaftliche und theologische Erkenntnisse mit den Aussagen im Alten Testament in Einklang zu bringen. Diejenigen, die die Bibel nur wortwörtlich lesen, sollten das Heft besser links liegen lassen. Alle anderen an der Bibel Interessierten dürften aber auf ihre Kosten kommen. Denn auch wenn (oder gerade weil) der Autor nicht christlich motiviert ist, zeigt er was die Schreiber des AT im Sinn hatten, selbst wenn ihre Aufzeichnungen beim jetzigen Stand der Wissenschaft falsch erscheinen. Ob in dem Heft wirklich die endgültigen Erkenntnisse beschrieben sind, sei dahingestellt, interessant ist es allemal. Zudem ist es wie man es von National Geographic gewohnt ist, mit vielen schönen Fotos angereichert. Das Heft liegt zur Zeit an vielen Kiosken aus und wird bestimmt auch bald über den Verlag zu bestellen sein. Weitere Informationen mit Beschreibungen zu den einzelenen Themen findet ihr auf dieser Seite.

27 November
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Einen für Tina Turner

Guten Morgen, werte Leserschaft! Hier regnet es schon seit Stunden Katzen und Hunde und ich bin echt froh, dass ich mich gleich in mein Bett verziehen kann. Das ist eine Sache am Nachtdienst, die mir gut gefällt. Während sich alle durch einen Tag mit miesem Wetter quälen, verschläft man ihn einfach und bekommt davon nicht viel mit. Zum guten Morgen hätte ich dann noch ein uraltes Video von Tina Turner aus dem Jahr 1973 auf Lager. Musikalisch ist Frau Turner nie so meine Angelegenheit gewesen, aber eine wirklich coole Sau ist sie allemal. Mit Dreckschüppengesicht Turner verheiratet gewesen zu sein und nach der Trennung trotzdem eine beachtliche Karriere hinzulegen, muss man erstmal schaffen. Nutbush City Limits muss zwar immer bei Tina Turner herhalten, aber es ist auch einfach ein prima Stück. Außerdem sollten sich die Damen aus dem heutigen Popgewerbe dieses Video als Lehrstoff dafür ansehen, wie man sich auf der Bühne wirklich sexy bewegt. Tina war damals 34 und dass, was ich mal altmodisch als einen heißen Feger bezeichnen würde. Viel Spaß damit und gute Nacht.

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25 November
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Israel, von der Welt verachtet

Woher kommt das Bedürfnis, einen kleinen, international anerkannten, demokratischen Rechtsstaat für alles Unheil verantwortlich zu machen? Über den neuen alten Hass auf die Juden

Interessantes Essay von Michael S. Lauder, der zur Zeit Präsident des Jüdischen Weltkongresses ist, über die Hintergründe des seit einiger Zeit sehr beliebten Israel-Bashings. Heutzutage wird Antisemitismus ja gerne mal unter dem fadenscheinigen Deckmantel der Menschenrechte verkauft. Wenn man weiß, wer dahinter steckt, wird dieser Trend besser nachvollziehbar.

24 November
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Besser als das Original: Accessible Twitter

Zur Zeit kann ich meine bevorzugte Twitter-Anwendung für den Desktop, Seesmic nicht benutzen und bin deshalb auf den Browser angewiesen. Leider ist Twitter im Original reichlich unpraktisch. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach Browser-Anwendungen für Twitter gemacht, die etwas mehr Komfort bieten. Dabei bin ich auf meinen momentanen Favoriten Accessible Twitter gestoßen. Die Leute hinter der Website haben sich Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit auf die Fahne geschrieben, außerdem ist die Oberfläche so gestaltet, dass sie auch Menschen mit Sehbehinderungen benutzen können. Grafische Schmankerl darf man nicht erwarten, dafür werden die Tweets übersichtlich und mit einer kleinen Vorschau für Fotos dargestellt. Für Links gibt es ein eigenes Feld, das sie automatisch in eine Kurz-Url ändert und in den Tweet einfügt. Das Eingabefeld für Tweets verfügt über eine besondere Funktion, die mir erst nicht aufgefallen aber recht witzig ist. Während man tippt sagt einem eine Stimme, die Anzahl der Zeichen die noch zur Verfügung stehen. Retweet und Direct messages sind natürlich auch eingebaut, außerdem kann man alle Funktionen auch komplett über die Tastatur benutzen. Anscheinend hat Accessible Twitter nicht umsonst den Access IT @web2.0 Award 2009 verliehen bekommen. All denen, die über den Browser twittern kann ich empfehlen, diese praktische Alternative zum Original mal auszuprobieren: Accessible Twitter

Alternative zur Alternative: Brizzly. Hübsch, übersichtlich, Bildervorschau und alles was das Twitterherz begehrt.

24 November
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Was mit Datenschutz

Heute gibt es erstmal nichts spannendes, sondern bloß eine langweilige Datenschutzerklärung, die ihr bitte für mich lesen sollt. Ich habe sie gestern etwas überarbeitet und hoffe, dass sie jetzt auch für den letzten DAU (nicht böse gemeint) leicht verständlich ist. Für Verbesserungsvorschläge bin ich natürlich gerne zu haben. Vielleicht habe ich ja irgendwas wichtiges übersehen. Hier ist also die Datenschutzerklärung des Orden des Leibowitz.

Kleiner Scherz am Rande: Das Wörterbuch meines Browsers kennt das Wort Leibowitz nicht. Stattdessen wurde mir Slibowitz angeboten. Orden des Slibowitz klingt ja auch nicht schlecht.

23 November
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Einen für Billy the Kid

Heute vor 150 Jahren wurde einer der berühmtesten Outlaws des Wilden Westens, Henry McCarty, besser bekannt unter Namen Billy the Kid geboren. Wobei anzumerken ist, dass er vielleicht am 23. November geboren sein könnte, denn ganz genaues weiß man nicht. Seine einzige Biographie wurde von Pat Garret geschrieben, der ihn 1881 aus einem Hinterhalt heraus erschoss. Deshalb ist auch Vorsicht angebracht, was die 21 ihm zur Last gelegten Morde angeht. Sicher überliefert sind nur vier Fälle, von denen zwei wohl Notwehr waren. Der Rest ist wie vieles in seinem Leben eine Mischung aus Wahrheit und Legende. Ebenfalls interessant ist die Geschichte von John Miller, der 1937 starb und möglicherweise Billy the Kid gewesen sein könnte. Es gab zwar noch andere, die behaupteten the Kid zu sein, doch bei Miller spricht tatsächlich einiges dafür. Sein Alter hätte gepasst, es gibt erst ab 1881 offizielle Dokumente über ihn, er sprach wie Billy fließend Spanisch, er erzählte im engen Familien- und Freundeskreis viele authentisch klingende Geschichten über ihn und sah dem Revolverhelden nicht zuletzt sehr ähnlich. Zudem wurde sein Leichnam 2005 exhumiert und seine DNA mit der von Billy the Kid, die man durch Blutspuren nach seinem Tod hatte verglichen. Nur wurde das Ergebnis bis heute nicht veröffentlicht. Also bleibt auch weiterhin offen, ob man sich Billy the Kid lieber als tollkühnen Revolverheld, der heimtückisch erschossen wurde vorstellt, oder man einen gewitzten Mann der seinen Tod vortäuschte vorzieht. Zur Feier des Tages lassen wir dann noch Billy Joel The ballad of Billy the Kid singen.

23 November
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Haltestellen ins Nirgendwo

Habt ihr gewusst, dass es Schein-Bushaltestellen gibt? Die sehen auf den ersten Blick wie gewöhnliche Haltestellen aus, mit Fahrplan, Sitzbank und was sonst dazu gehört. Mit dem Unterschied dass hier niemals ein Bus anhält. Diese Haltestellen sind nämlich für Demenzkranke eingerichtet und stehen in oder vor Pflegeheimen. Die Idee ist gut, denn Menschen mit dieser Krankheit leben vereinfacht ausgedrückt in ihrer Vergangenheit und wollen dann häufig zu den Orten zurück, an denen sie früher gelebt haben. Deshalb besteht immer die Gefahr, dass ein solcher Patient abhanden kommt und hilflos durch die Gegend irrt. Sehen die Erkrankten aber eine Bushaltestelle, setzen sie sich hin um auf den Bus zur Schule oder zu ihrer Arbeit zu warten.

Für meine Patienten müsste man dann später wohl Schein-Trinkhallen einrichten, an denen steht, dass der Besitzer gleich wiederkommt. Um Nerds wie mich an der Flucht zu hindern, wird es dann in 40 Jahren falsche Internetcafés in Pflegeheimen geben. Eigentlich würde auch ein alter C64 auf dem Zimmer reichen. Dann wäre ich wieder 12 Jahre alt und hätte sowieso keine Lust raus zugehen. [via]

23 November
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Apple verweigert Rauchern die Reparatur ihrer Macs

Da hat man sich für nicht wenig Geld ein schickes MacBook gekauft und ist zu Recht stolz auf sein Gerät. Leider ist das Notebook irgendwann wegen Überhitzung nicht mehr zu benutzen. Doch zum Glück hat man ja noch Garantie und kann den Rechner bei Apple zum Reparieren abgeben. Allerdings nur wenn man Nichtraucher ist, denn ansonsten bekommt man seinen Computer mit dem Hinweis auf die Verseuchung durch Nikotin unverrichteter Dinge wieder zurück. Die amerikanische Verbraucherschutzorganisation Consumers Union hat zwei solcher Fälle veröffentlicht, in denen Kunden mit dem Hinweis auf Nikotin die Reparatur ihrer Geräte noch während der laufenden Garantie verweigert wurde. Eine Kundin wandte sich daraufhin an das Sekretariat von Steve Jobs und bekam folgende Antwort:

Nikotin steht auf der Liste der gefährlichen Substanzen am Arbeitsplatz. Aus diesem Grund wird Apple von seinen Mitarbeiten nicht verlangen, Geräte zu reparieren, die man für gesundheitsschädlich hält.

Noch ist nicht bekannt, ob es sich bloß um unverschämte Einzelfälle oder eine neue Firmenpolitik von Apple handelt. Denn Apples Garantiebestimmungen sagen nichts über einen Verfall der Garantie bei “Versuchung” der Geräte durch Tabakrauch. Sollte es wirklich eine neue Richtlinie sein, dürfte das schlechte Beispiel bestimmt bald Schule bei anderen Herstellern machen. Schließlich ließe sich aus einer zusätzlichen Garantie für Raucher mit einem Aufschlag für die Gefährdung der Mitarbeiter ordentlich Profit schlagen. Bei uns dürfte das Problem zwar erstmal nicht auftreten, da man hier seinen Mac in der Regel beim Händler in der Nähe abgibt, doch man soll ja schon den Anfängen wehren. [Gulli.com] [Hi Joshua: The news in english]