Orden des Leibowitz



10.09. 2009

Abtreibung und Holocaust

Seit Jahren ärgere ich mich über gewisse christliche “Lebensschützer”, die Abtreibung mit dem Holocaust gleichsetzen. Als ob dieser Vergleich an sich nicht schon falsch genug wäre, geht ein Dr. Cornides in einem Schreiben an die österreichische Frauenministerin noch einen Schritt weiter und behauptet, diese Gleichsetzung würde Abtreibungen verharmlosen und das Andenken an die Opfer “in leichtfertiger Weise” missbrauchen. Im politischen Sprachgebrauch würde man in diesem Fall wohl von einer ungeheuerlichen Entgleisung sprechen und ich frage mich ernstlich, was in den Köpfen solcher Menschen vor sich geht, die sich zudem auch noch als Christen bezeichnen. Während der Shoa wurden ca. 6 Millionen Menschen einzig aus dem Grund gezielt und systematisch von den Nazis ermordet, weil sie Juden waren. Dieser versuchte Völkermord ist in seinem Umfang und seiner Vorgehensweise einzigartig und deshalb mit nichts zu vergleichen.

Es gibt viele Gründe Abtreibung abzulehnen, man muss dazu meiner Meinung nach nicht mal einer Religion angehören, auch wenn für mich als Katholik die moralischen Gründe im Vordergrund stehen. Trotzdem verharmlost ein Vergleich mit dem Holocaust nicht nur den Genozid an den Juden, sondern stellt auch alle Frauen, die einmal abgetrieben haben mit den Nazis gleich. Die Gründe aus denen eine Frau sich zur Abtreibung entschließt können vielseitig sein. Doch keine Frau wird sich einem solchen Eingriff mit dem festen Vorsatz unterziehen, ihr ungeborenes Kind ermorden zu wollen. Auch wenn manche der sogenannten Lebensschützer es gerne behaupten, sind Frauen die abtreiben keine Mörderinnen und die Kinder nicht ermordet worden. Wer so etwas behauptet, weiß einfach nicht wovon er spricht.

Deshalb sollten sich alle Christen von solchen Mensch distanzieren und dagegen protestieren. Der Schutz des Lebens ist wichtig und jedes Kind, das abgetrieben wird ist eines zuviel. Nur wenn die Liebe zu Ungeborenen in einen Hass umschwenkt, der soweit geht, dass man den Holocaust verharmlost und Frauen zu Mörderinnen abstempelt hilft das bestimmt niemanden, geschweige denn, dass es mit christlichen Geboten zu rechtfertigen wäre. [via Florian]

Kategorie: Leben
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aardvarks

Bisher 16 Kommentare

  1. Larry sagt:

    Florian,

    mit welchem Vorsatz unterziehen sich Frauen Deiner Meiinung nach einer Abtreibung, wenn nicht mit dem, ihr Kind los zu werden?
    Bitte um Antwort

  2. Frank Mazny sagt:

    Florian wird dir nicht antworten können, da das hier mein Weblog ist :-)

    Ich kann mir zwar ungefähr vorstellen, auf was du hinaus willst, aber nein, das ist dann immer noch kein Mord.

  3. [...] Abtreibung und Holocaust (Frank Mazny) [...]

  4. AnguloJuan sagt:

    Danke! Der Artikel ist gut. Bin genau deiner Meinung!

  5. Larry sagt:

    Sie wollen also ihr Kind los werden, aber das ist immer noch kein Mord?

    Kannst Du das bitte genauer erklären?

  6. Frank Mazny sagt:

    @Larry
    Lies die deutsche Gesetzgebung oder schlag es in der Wikipedia nach. Da wird es sehr genau erklärt.

  7. Larry sagt:

    “Mord” ist also, was die deutsche Gesetzgebung so nennt.
    Und wo ist jetzt das Problem mit dem Holocaustvergleich?

  8. Frank Mazny sagt:

    @Larry
    Das Problem des Vergleichs wird im Artikel erklärt. Scheinst ein Kandidat für den Spam-Button zu sein.

  9. Larry sagt:

    Nein. Aber manchmal hilft Nachfragen bei der Aufdeckung von Ungereimtheiten.

    Ich finde es merkwürdig, dass heute so viele Katholiken die Slogans der Abtreibungsbefürworter nachbeten und es nicht einmal bemerken. Abtreibung ist kein Mord, weil dann ja eine Frau, die abtreibt, eine Mörderin wäre.

    Messerscharf geschlossen, wie bei Palmström.

  10. Frank Mazny sagt:

    Eine Abtreibung wäre nur dann ein Mord, wenn ein Paar oder eine Frau planen würde, einzig aus dem Grund ein Kind zu zeugen, um es anschließend abzutreiben. Von einem solchen Fall habe ich aber bisher noch nichts gehört.

    Ich denke, Frauen treiben in der Regel aus finanziellen Nöten ab, weil sie sich zu jung fühlen, sie von ihrer Familie oder Partner unter Druck gesetzt werden oder weil sie glauben, dass ein Kind ihrer beruflichen Karriere im Weg stehen würde. Dazu kommen bestimmt noch einige Vergewaltigungsopfer und Frauen bei denen eine Geburt aus medizinischen Gründen kontraindiziert ist. Ich habe auch einige wenige Frauen kennengelernt, die sich schlichtweg nicht um Verhütung gekümmert haben. Das waren aber immer Frauen, die tief in einer Drogen- oder Alkoholsucht steckten.

    All diesen Frauen kann und will ich keinen Mord unterstellen, zumal sie meine religiöse Sichtweise nicht kennen oder nicht teilen. Sicherlich wäre es besser gewesen, wenn sie ihr Kind wenigstens ausgetragen und zur Adoption freigegeben hätten. Haben sie aber nicht. Das zeigt mir, dass anscheinend noch viel Arbeit nötig ist um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was eine Schwangerschaft bedeutet. Genauso wichtig finde ich es aber gesellschaftliche Voraussetzungen zu schaffen, die es Familien und Frauen leichter machen ein Kind nicht nur auszutragen, sondern auch großzuziehen. Sei es in finanzieller Hinsicht oder in der, dass es einfacher wird Kind und Job unter einen Hut zu bringen. Das ist einmal die Aufgabe unseres Staates aber auch die der Kirche. Und solange wie christliche Abtreibungsgegner zwar gerne mit dem Holocaust winken aber im Gegenzug keine kostenlose Kinderbetreuung anbieten oder Geld für die Hartz-4-Mutter sammeln, sollen sie doch bitteschön das Maul halten. Oder wann hast du das letzte Mal eine jungen Mutter Babysitterdienste angeboten, damit sie ihre Ausbildung zu Ende machen kann oder der Familie, die von der Arge lebt, eine Tüte Windeln und Babynahrung gekauft?

  11. Larry sagt:

    Lieber Frank,

    Deinen Postings entnehme ich, dass Du (mit viel Engagement) gegen die Abtreibung bist. Darüber bin ich froh. Dein Raisonnement scheint mir allerdings doch etwas inkonsistent:

    1. “Eine Abtreibung wäre nur dann ein Mord, wenn ein Paar oder eine Frau planen würde, einzig aus dem Grund ein Kind zu zeugen, um es anschließend abzutreiben.” Wie kommst Du auf diese Definition? Ich habe noch nie gehört, das ein Mord nur dann ein Mord ist, wenn man das Mordopfer selbst gezeugt hat “um es zu ermorden”, oder wenn man sonst in irgend einer Weise die (vermeintliche) “Notwendigkeit” der Tat selbst bewusst herbeigeführt hat. Deine Definition von Mord ist frei erfunden, und hält keiner Überprüfung stand.

    2. Die subjektiven Gründe für eine Abtreibung können die moralische Verantwortlichkeit natürlich mindern. Aber das ändert nichts am objektiven Tatbestand: der vorsätzlichen Tötung. So sehr es zu begrüssen ist, dass auch die subjektive Seite gesehen wird: ein Dogma, wonach keine Frau jemals für eine Abtreibung moralisch verurteilt werden kann, ist völlig absurd.

    3. Das Problem, das ich mit Deinen Standpunkten habe, ist, dass sie direkt aus dem Fundus der Abtreibungslobby stammen. So politically correct und angepasst sind wir inzwischen schon. “Solange wie christliche Abtreibungsgegner zwar gerne mit dem Holocaust winken aber im Gegenzug keine kostenlose Kinderbetreuung anbieten oder Geld für die Hartz-4-Mutter sammeln, sollen sie doch bitteschön das Maul halten.” – Würdest Du auch sagen: solange ich dem Arbeitslosen von nebenan kein Geld spende, darf ich mich nicht beschweren, wenn er eine Bank überfällt? Mit Verlaub, diese Logik scheint mir verquer.

    4. Es mag gute Gründe geben, den Holocaustvergleich abzulehnen. Diese scheinen mir aber doch eher taktischer Natur zu sein: solange sich Abtreibungsgegner wie Du darüber erregen, wird er bei Abtreibungsbefürwortern nichts ausrichten. Sachlich scheint der Vergleich zulässig; übrigens hat auch JPII (Erinnerung und Identität, 2005) sich in dieser Weise geäussert. Hätte er auch “das Maul halten” sollen?

  12. Frank Mazny sagt:

    > zu 1: Wichtig ist nicht die Zeugung, sondern die Planung. Ein Mord setzt immer eine vorher geplante Handlung voraus. Die ist bei einer Schwangerschaft die abgebrochen wird, wohl kaum gegeben. Also kein Mord.

    > zu 2: Ich habe nie behauptet, dass man eine Abtreibung nicht moralisch verurteilen kann. Nur unterteilt unser Recht nicht umsonst zwischen Tötung und Mord.

    > zu 3: Äpfel und Birnen.

    > zu 4: Johannes Paul II. schrieb: “Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen. Und diesmal handelt es sich um eine Vernichtung, die sogar von demokratisch gewählten Parlamenten beschlossen ist, in denen man sich auf den zivilen Fortschritt der Gesellschaften und der gesamten Menschheit beruft” (Ich habe das Buch gelesen.)

    Mit diesen Worten hat der verstorbene Papst aus meiner Sicht keinen direkten Vergleich zwischen Holocaust und Abtreibung gesetzt. Er zeigt lediglich auf, dass auch heute noch Leben vernichtet wird. Deshalb finde ich es illegitim, den seligen Johannes Paul als Patron des Abtreibungsvergleichs herzunehmen.

    Der Holocaustvergleich ist und bleibt falsch und man braucht ihn auch nicht um gegen Abtreibungen zu sein. Ob du mich dafür für politisch korrekt, angepasst oder sonst was hältst, ist mir ehrlich gesagt scheißegal.

  13. Larry sagt:

    Frank, gestatte mir bitte (trotz Deiner Kraftausdrücke) folgende Bemerkungen:

    1) Nicht geplant ist vielleicht die Schwangerschaft, aber die Behauptung, eine Abtreibung sei kein “geplanter” Tötungsakt, ist absurd. Wenn man ein Abtreibungsklinikumaufsucht, um abtreiben zu lassen, geschieht das ja wohl nicht versehentlich.

    2) Die Unterscheidung zwischen Tötung und Mord hat genau denselben Grund: man unterscheidet zwischen fahrlässigen Tötungen (zB bei einem leichtsinnig verschuldeten Verkehrsunfall) und vorsätzlichen Tötungen: Mord, aber auch Totschlag (im Fall einer nachvollziehbaren Gefühlsaufwallungen). Strafbar sind übrigens (ausser der Abtreibung) alle Tötungsdelikte.

    3) nicht Äpfel und Birnen, sondern die analoge Anwendung Deines Arguments auf einen ähnlichen Sachverhalt.

    4) Der Papst hat in dem Zusammenhang (nicht nur der Abtreibung, sondern auch der Versuche, die Homo-Ehe einzuführen) von einer “neuen Ideologie des Bösen” gesprochen, die “noch verhohlener und heimtückischer” als (die in der betreffenden Passage ebenfalls genannten) Ideologien des Nationalsozialismus und Kommunismus sei. Also nicht gleich schlimm, sondern schlimmer. Du musst den ganzen Text lesen.

    Zum Thema “Heimtücke” kannst Du nocheinmal den Brief lesen. Die “Verhohlenheit” zeigt sich vielleicht gerade daran, dass sogar Leute wie Du, trotz grundsätzlicher Abtreibungsgegnerschaft, die wahre Tragweite des Geschehens nicht wahrhaben wollen.

  14. Frank Mazny sagt:

    Als Antwort habe ich mir dieses Mal ein paar Sätze aus einem anderen Blog zu einem ganz anderen Thema ausgesucht, weil sie einfach passen:

    “Ein running gag unter meinen Freunden ist die sogenannte ‘Aber trotzdem’-Fraktion. Das sind diejenigen Menschen, denen man lang und ausführlich perfekte Argumentationsketten vorträgt, um dann ihre just entkräftete Meinung erneut zu hören, nur mit einem vorangestellten ‘aber trotzdem’. Neudeutsch nennt man solche Menschen wohl merkbefreit, es nützt halt das beste Argument nichts, wenn es nicht vermittelbar ist und die Voraussetzungen dafür müssen eben auf beiden Seiten vorhanden sein.”

  15. Larry sagt:

    Und? Wo ist der Witz? Gehörst Du zu der Fraktion?

  16. Frank Mazny sagt:

    Welcher Witz? Da gibt es keinen.

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