Politischer Amoklauf: Verbot von Killerspielen

Foto: moffi
Die Innenministerkonferenz in Bremen fordert ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von sogenannten “Killerspielen“. Im Beschluss der 16 Innenminister heißt es wörtlich:
Für Spiele, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist, ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot so schnell wie möglich umzusetzen
Der Innenminister von Niedersachsen, Uwe Schünemann (CDU) kommentiert diesen Entschluss mit den Worten:
Durch Killerspiele sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt. Amokläufer haben sich vor ihren Taten immer wieder mit solchen Spielen beschäftigt.
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich über soviel Ignoranz und Sinnlosigkeit fast lachen. Die Innenminister fordern also ein Verbot, das es schon längst gibt, denn in Deutschland werden Computerspiele durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf ihre Tauglichkeit geprüft. Ein Spiel das den Richtlinien nicht entspricht, kann hier entweder nur ab 18 Jahren verkauft werden oder wird sogar ganz verboten. Dadurch erscheinen Spiele mit “unmenschlichen Gewalttätigkeiten” in Deutschland gar nicht erst auf dem Markt.
Zudem unterstellt Herr Schünemann allen Spielern von Ego-Shootern eine niedrigere Hemmschwelle gegenüber Gewalttaten zu haben. Diese Aussage ist nicht nur dumm sondern in meinen Augen auch eine Beleidigung und üble Verleumdung. Ich lasse mich doch nicht von einem Politiker, der solche Spiele höchstwahrscheinlich nur von den Computerausdrucken seines Sekretärs kennt, mit geistig gestörten Amokläufern gleichsetzen. Den schönsten Kommentar zu diesem geistigen Amoklauf fand ich in der Welt online:
Ich habe die ewige Bevormundung durch diesen Parlamentsadel so was von satt. Ich bin 29 Jahre alt, war 4 Jahre Zeitsoldat und der Staat hätte kein Problem damit mich – im Falle einer militärischen Auseinandersetzung- sofort einzuziehen und mit klarem Tötungsauftrag und vom Staat gestelltem G36 in den Kampfeinsatz zu schicken aber zur gleichen Zeit verbietet er mir ab sofort Spiele wie Stalker zu spielen? Das könnte mich zu einem gefährlichen Killer machen? Ach, die 4 Jahre beim Bund waren Gesprächstherapie oder was?
Thorsten Wirth, der Kandidat der Piratenpartei für die Europawahl findet ebenfalls passende Worte:
Die logische Konsequenz aus derlei Vorgehen wäre: Abschaffung der Bundeswehr, Verbot von Schusswaffen aller Art, Verbot von Brettspielen deren Ziel die Vernichtung des Gegners ist (Schach, Dame, Risiko …) . Wo bleibt da eine angemessene Analyse und warum stellt nicht mal jemand die gesellschaftlichen Hintergründe einer Tat wie in Winnenden in Frage?
Würde man die krude Logik der Innenminister auf die Spitze treiben, dann müsste man letztendlich alle männlichen Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren wegsperren, weil sie alle potentielle Killer sind. Wahlweise könnten auch Schulen verboten werden, denn schließlich sind das beliebte Orte für einen Amoklauf. Den Herren von CDU und SPD fällt allerdings alles mögliche ein um sich vor der Wahl noch schnell ein paar Stimmen uninformierter Bürger zu sichern, nur auf Nachdenken und sinnvolles Handeln kommen sie nicht. Für mich ein weiterer Grund am Sonntag zur Wahl zur gehen und die Piratenpartei zu wählen.
Innenminister wollen die Killerspiele verbieten
Eintrag zum Thema im Blog der Piratenpartei
Zu weit weg vom Leben – Eintrag von mir zum gleichen Thema





Ich gebe zu ich bin Wahlgeil. Und das liegt eherlich gesagt nur an Zensursula und Killerspielverboten und ähnlichen Wahnvorstellungen.
Die Medien-Inkompetenz unserer Politiker – Macht-Rentner – hat einen neuen erschütterlichen Tiefpunkt erreicht. Wenn Menschen, die keine Ahnung von der Materie haben, ein Verbot beschließen, das sowieso nie wirksam durchgesetzt werden kann. Das ist dumm, töricht, traurig und einfach nur falsch ;(
Ich weiß nicht was mich mehr aufregt: Das angestrebte Killerspiel-Verbot an sich, oder die Sinnlosigkeit dieses Versuchs?