Posted by Frank Mazny in
Buch

Seitdem es den elektronischen Buchhandel in Form von Amazon gibt, gehe ich nicht mehr sehr oft in Buchhandlungen. Eigentlich nur wenn ich es nicht mehr rechtzeitig geschafft habe, ein Buch bei Amazon zu bestellen. So auch letzten Freitag, als ich mich aufmachte, um ein Buch zur Taufe meiner 14jährigen Nichte in spe zu erwerben. Die Auswahl an religiöser Literatur in der örtlichen Buchhandlung war leider nicht sehr groß, und zumeist auf kleinere Kinder gemünzt. Also ging ich auf den Vorschlag der Buchfachverkäuferin ein, die mir “Gespräche mit Gott – Meditationen” empfahl. Ich fragte extra nach, ob dieses Buch auch christlich christlich und nicht vielleicht esoterisch christlich oder sonst ein Unfug sei. Die Dame verneinte das und sagte, vom Autor Neale Donald Walsch wäre zwar nicht alles zu empfehlen aber dieses Buch sei sehr gut. Zugegeben hatte ich es etwas eilig und auf den ersten Blick sah es auch ganz interessant aus, also habe ich mich auf den Rat der Verkäuferin verlassen und das Buch gekauft.
Was für ein Segen, dass ich mir es nicht habe einpacken lassen, denn als ich das heute Morgen tun wollte, habe ich vorher nochmal einen Blick hinein geworfen. Stutzig wurde ich bei der Meditation über Religion und Spiritualität:
Die Religion kann die Spiritualität nicht ausstehen.
Sie kann sich nicht mit ihr abfinden.
Denn die Spiritualität kann dich zu einer anderen
Schlussfolgerung gelangen lassen als zu der
bestimmten Religion – und das kann keine
der bekannten Religionen tolerieren.
Die Religion fordert dich auf, die Gedanken anderer
zu erforschen und sie als deine eigenen zu akzeptieren.
Die Spiritualität lädt dich dazu ein, die Gedanken anderer
beiseite zu schieben und mit eigenen aufzuwarten.
Klingt nicht nach Weisheiten die man einem jungen Mädchen zu Taufe zukommen lassen sollte. Nach einem Blick in die Wikipedia war dann alles klar, Walsch glaubt an viele Dinge, der Gott des Christentums ist allerdings nicht darunter. Seine Lebensgeschichte ist zwar recht spannend, so wurde er nach einem völlig normalen Leben plötzlich arbeits- und obdachlos und musste sich sein Geld durch das Einsammeln von Dosen verdienen. Leider ist der Mann in dieser Zeit anscheinend auch komplett wahnsinnig geworden, denn kurz hiernach begann seine spirituelle Verkündigung. Die Botschaft von Walsch ist kurz gesagt:
Wir sind alle eins, und damit alle Teil des Universums, Teil all dessen was ist, Teil Gottes, wir sind alle Gott, Gott ist Leben und Leben ist Gott, Leben ist nicht nur in der belebten, sondern auch in der sogenannten unbelebten Natur, alles ist in Schwingung … Die Schöpfung ist Gott im Akt der „Selbsterfahrung“. Der, der einfach ist, will nicht nur von sich wissen, sondern will sich in seiner Grandiosität wahrnehmen und erfahren, und dieser Gott hat keine Bedürfnisse, er (ver-)urteilt nicht und er verdammt nicht … Diese und weitere Aussagen Walschs vermitteln eine deutlich panentheistisch geprägte Welt- und Gottesanschauung. [Quelle]
Das Buch werde ich die Tage wieder umtauschen und der Nichte lieber ein anderes Buch über Amazon zukommen lassen. Der traditionelle Buchhandel hat sich zumindest für meine Bedürfnisse wieder mal als nicht konkurrenzfähig erwiesen. Hätte ich dort gleich ein paar Rezensionen abrufen können oder gesehen, was andere, die dieses Buch gekauft haben außerdem gut finden dann wäre das Thema Walsch schnell erledigt gewesen. Ach ja, hat jemand von Ihnen vielleicht eine Buchempfehlung für eine frisch getaufte 14 Jahre alte Protestantin?