Keine Religion ist eine Insel

Karl-Josef Kuschel, der Theologie der Kultur und des Interreligiösen Dialogs an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen lehrt hat einen lesenswerten Artikel über die Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam geschrieben. Gerade in diesen Zeiten sind solche Gedanken bei vielen Vertretern dieser Religionen unbeliebt, doch beten alle zum gleichen Gott und berufen sich auf das alte Testament. Jede Religion natürlich mit der Bewertung, die ihrem Anliegen entspricht, trotzdem lassen sich viele Verbindungen, die auch von anderen Religionen, die nicht an nur einen Gott glauben abgrenzen nicht verleugnen. Kuschel ermuntert zu einem Trialog, der über gesellschaftspolitische Fragen hinausgeht und benennt als die entscheidenden Grundfragen an Menschen in allen drei Religionen “Welchen Ort hat der je Andere für mich? Welchen Raum hat das je andere Glaubenszeugnis neben mir?”.
Gemessen an der derzeitigen Realität zwischen diesen drei Religionen, wirkt diese Fragestellung vielleicht sehr idealistisch, doch scheint sie mir erstmal richtig zu sein. Denn auch wenn sich zur Zeit zumindest statistisch das Gefälle zwischen Islam und Christen zugunsten der Muslime verschoben hat, ist auf lange Sicht kein “Sieg” der einen oder anderen Religion abzusehen. Insofern wäre eine Zusammenarbeit zwischen den abrahamitischen Religionen wünschenswert und würde auf theologischer Ebene wahrscheinlich zu interessanten Ergebnissen führen.




Nach unzähligen Dialogangeboten von christlicher Seite kam nun die Antwort dieser 138 “Gelehrten”, die in der islamischen Welt nichts zu sagen haben und nicht einmal ansatzweise wahrgenommen werden. Im Westen ist es anders. Hier suchen manche äußerst sehnsüchtig nach gemäßigten und gesprächsbereiten Muslimen, von denen es ja so viele geben soll und die sich aus unerfindlichen Gründen so gut verstecken. Nun ist man froh endlich welche entdeckt zu haben (… und übersieht allzu gerne dass die 138 doch nicht sooo gemäßigt sind).
Nur was machen diese 138 “Gelehrten”? Sie reissen aus der Bibel irgendwelche Aussagen aus den Zusammenhang um irgendeine Gemeinsamkeit zu beweisen die nicht da ist. Es ist nun mal so das der Islam eine andere Religion ist die theologisch gesehen wirklich viel mit dem Christentum gemeinsam hat. Es gibt ähnliche Namen und ähnliche Erzählungen im Koran, aber das ist schon alles. Mehr auch nicht.
Achja: Würden Christen umgekehrt so mit dem Koran umgehen wie die 138 “Gelehrten”, sie müssten ab sofort unter Polizeischutz gestellt werden.
Nur bevor der Kuschel meint er müsse dem EKD irgendeinenen angeblich würdelosen Umgang mit dem Koran unterstellen, sollte er lieber überlegen wie man den einen Dialog führen soll. Hierbei ist es nicht besonders hilfreich dem EKD an den Karren zu fahren. Bislang scheiterte jeder Dialog doch daran das die islamische Seite nicht wirklich reden will. Soll er das doch sagen – die Wahrheit zu sagen ist besser für einen Dialog.
Merkwürdigerweise hat Kuschel vergessen zu erwähnen warum sich die 138 Gelehrten sich gerührt haben. Ursächlich lässt sich das ganze auf die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI zurückführen sowie auf die Gesprächsangebote der katholischen Kirche die daraufhin folgten.
Vermutlich passt das Kuschel nicht ins Konzept, da unser Papst nun lieber ehrliche Worte sagt und das sind nun mal keine Kuscheldialoge (sorry, es passt leider).
So ein Mist,sttn war schneller: Wollte gerade anmerken, dass da aus Tübingen echte Kuscheltheologie kommt!
Dialog ist immer nett, und Toleranz ist ein hohes Gut. Tolerant kann aber nur sein, wer einen eigenen Standpunkt hat. Kultureller und intellektueller Austausch zwischen den abrahamitischen Religionen halte ich daher für wünschenswert, aber der Christ kommt an Jesus und seinem Anspruch nicht vorbei – das Einzige, was uns wirklich entscheidend vom Islam und dem Judentum trennt.