Wenn Sie der Meinung sind, dass unsere Jugend immer mehr verblödet und nichts mehr taugt, dann sollten Sie mal einen Tag lang meinen Job übernehmen, um sich davon zu überzeugen. Wir machen auch ambulante Drogentests aus dem Urin, ähnlich wie sie Sportler machen müssen. Mit dem Unterschied, dass wir nach Drogen anstatt nach Dopingmitteln suchen. In dieser Woche hatte ich einen ganz besonderen jungen Mann Baujahr 1991 zum Screening:
ICH: Hallo, was ich kann ich für sie tun?
ER: Ich muss fürs Jugendamt abpinkeln, kann ich das bei dir machen?
ICH: Sie möchten also ein Screening abgeben. Dann brauche ich zuerst ihren Personalausweis um ihre Daten aufzunehmen.
ER: Ey Perso?! Wozu das denn? Den hab ich nicht mit.
ICH: Wir brauchen bei Screenings immer einen Ausweis um zu überprüfen, dass sie auch die Person sind, für die sich ausgeben. Sonst könnten sie auch ihren kleinen Bruder schicken, um ein negatives Screening zu bekommen.
ER: Ich hab noch meine Buskarte dabei, geht die vielleicht auch?
ICH: Ausnahmsweise (Beginne Personalien aufzunehmen). Was soll denn bei ihnen getestet werden?
ER: (kichert) Na mein Urin, deswegen bin ich doch hier!
ICH: Natürlich ihr Urin, aber auf welche Drogen soll getestet werden?
ER: Ach das, ich soll jeden Monat auf Haschisch testen lassen.
ICH: Alles klar. Möchten sie das Ergebnis selbst abholen oder sollen wir es schicken?
ER: Ich hol das ab … äähm, das Screening ist doch umsonst wenn ich es für das Jugendamt machen muss oder?
ICH: Nein, pro Parameter kostet es 6,40,- Euro. Das ist immer noch wesentlich billiger als bei ihrem Hausarzt.
Er ist sichtlich überrascht, obwohl er die gleiche Prozedur schon zwei mal in diesem Jahr hinter sich gebracht hat. Immerhin kann er sofort sein Screening abgeben und wir gehen gemeinsam auf die Toilette. Danach fülle ich den Urin in ein Röhrchen und klebe einen Aufkleber mit einem Barcode für das Labor auf. Wir nähern uns dem furiosem Finale:
ER: Das wars dann was?! Ich komm dann nächste Woche vorbei.
ICH: Moment, erst bekomme ich noch 6,40,- von Ihnen und sie dann eine Quittung von mir.
ER: (völlig überrascht) Was?! Ich muss jetzt bezahlen?
ICH: Aber natürlich, was haben sie denn gedacht?
ER: Ich hab garkein Geld mit. Ich dachte ich zahle, wenn ich das Ergebnis abhole…
ICH: Nein, sie zahlen entweder bar oder lassen sich von uns eine Rechnung schicken.
ER: Rechnung? Wie geht denn das?
ICH: Ganz einfach. Wir schicken ihnen eine Rechnung zu und sie überweisen das Geld auf unser Konto.
ER: Wieso Konto? Auf was für ein Konto?
ICH: Das Konto des Krankenhauses. Sie überweisen einfach das Geld und fertig.
ER: Ja gut, dann machen sie eine Rechnung.
ICH: Gut, dann brauche ich noch ihre Anschrift.
ER: Erwin-Schlonz-Straße 12
ICH: Welche Stadt?
ER: Was für eine Stadt?
ICH: Die Stadt in der sie leben natürlich.
ER: (so empört, als hätte ich ihn nach der BH-Größe seiner Schwester gefragt) Hagen! Wo denn sonst?!
ICH: Nicht alle Menschen die bei uns Screenings abgeben kommen aus Hagen. Aber wenn wir ihnen eine Rechnung schicken, können wir ihnen auch gleich das Ergebnis mitschicken.
ER: Wie geht das wenn sie das Ergebnis schicken?
ICH: Wir schicken ihnen einfach das Ergebnis des Screenings zusammen mit der Rechnung.
ER: Oh, kommt dann ein Mann vorbei?
ICH: (Schweigen. Langes Schweigen.) Ja. Der Postbote.
Fazit: Das Screening war natürlich positiv. Das zeigt uns, dass Menschen die von Natur aus mit einem Handicap ausgestattet sind (der medizinische Fachbegriff dafür lautet “strunzdumm”) nicht vom Konsum illegaler Drogen profitieren. Angesichts der Personen mit denen ich mich an manchen Tagen herum schlagen muss, werde ich auch nicht gut genug bezahlt.