Orden des Leibowitz



04.01. 2008

Katholiken und das Bilderverbot

Eines der auffälligsten Dinge am katholischen Glauben ist der Gebrauch von Bildern und Statuen mit Darstellungen von Christus, Maria oder den Heiligen. Auch Onkel Toby hat sich seine Gedanken dazu gemacht und für sich festgestellt:

Als ob es das Bilderverbot nie gegeben hätte, scheinen Ikonen, Marienbildchen und Kruzifixe so nötig wie die Bibel selber, um… tja, wozu eigentlich?

Mit dem Bilderverbot ist Punkt zwei der 10 Gebote im Buch Exodus gemeint. Dort heißt es:
Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. - Ex, 20,4
Oha! Hat die Kirche da jahrtausendelang etwas übersehen? Muss ich alle meine Heiligenbildchen verbrennen und Abbitte leisten? Bitte rufen Sie noch nicht den Papst an, sondern werfen Sie mit mir einen weiteren Blick ins Alte Testament. Im Buch Numeri können wir lesen, dass Gott den Israeliten giftige Schlangen auf den Hals jagte, als sie wieder mal vom Glauben abgefallen waren. Wie immer wenn Not am Mann war, baten sie Mose Gott anzurufen, damit er sie retten würde. Also betete Mose und bekam als Antwort:
Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. - Num 21,8-9
An einer anderen Stelle geht es um die Details für den Bau der Bundeslade, in der die Israeliten die Steintafeln mit den 10 Geboten aufbewahren sollen. Neben genauen Maßangaben und einer Bauanleitung ordnet Gott auch die Herstellung zweier Engelsfiguren an:
Mach zwei Kerubim aus getriebenem Gold und arbeite sie an den beiden Enden der Deckplatte heraus! Mach je einen Kerub an dem einen und dem andern Ende; auf der Deckplatte macht die Kerubim an den beiden Enden! - Ex 25,18-19
Beim Bau des Tempels gibt Gott selbst die Anweisung an David zur Herstellung von Engelsfiguren, die über der Bundeslade wachen sollen:
Er verordnete geläutertes Gold für den Räucheraltar, mit Angabe des Gewichtes, und Gold für den Aufbau des Thronwagens, die Kerubim, die ihre Flügel ausbreiteten und die Bundeslade des Herrn bedeckten. - 1 Chr 28,18
Was ist denn das? Erst verordnet Gott vollmundig ein Verbot für alle Arten von Bildern um sich dann selbst nicht daran zu halten? Da Gott kein Witzbold ist, muss es dafür wohl eine Ursache geben. Tatsächlich finden wir sie im Buch Exodus genau hinter dem Bilderverbot. Dort steht:
Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. - Ex 20,5
So betrachtet erscheint das Bilderverbot gleich logisch. Gott verbietet sowohl die Herstellung von Götter- und Götzenbildern als auch ihre Anbetung. So interpretierten es die Urchristen und auch die Katholische Kirche lehrt es genau so. Im Katechismus der Katholischen Kirche lesen wir zum Thema Götzendienst:
2114. In der Anbetung des einzigen Gottes wird das menschliche Leben zu einer Einheit. Das Gebot, den einen Herrn allein anzubeten, macht den Menschen einfach und rettet ihn vor unendlicher Zersplitterung. Der Götzendienst ist eine Perversion des dem Menschen angeborenen religiösen Empfindens. Den Götzen dient, „wer seinen unzerstörbaren Sinn für Gott auf etwas anderes als auf Gott richtet" (Origenes, Cels. 2,40).
Wir können also getrost unsere Kruzifixe und Bilder der Heiligen behalten, solange wir nicht dem Irrglauben anheimfallen, dass Bild selbst würde etwas auslösen können. Alan Schreck schreibt in seinem Buch “Christ und Katholik”:
Katholiken gebrauchen manchmal Statuen, Bilder, Medaillons, Reliquien und andere Dinge, um sich ihrer Beziehungen mit den Heiligen der Vergangenheit zu erinnern. Diese Mittel haben den Zweck, sich das Beispiel dieses bestimmten Heiligen bewusst zu machen und sich ihrer Nähe zu Gott und ihrer Kraft zu erinnern, für uns auf der Erde fürbittend einzutreten.

Kategorie: Religion
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aardvarks

Bisher 9 Kommentare

  1. Onkel Toby sagt:

    Sehr interessant, besten Dank für den Exkurs! Es fällt mir übrigens auf, das Gott höchstselbst in jedem der angeführten Beispiele zum Anfertigen eines Bildes aufgefordert hat, was ja durchaus ein anderes Gewicht hat. Gibt es eigentlich auch “moderne” Heiligendarstellungen? Mir fällt da eigentlich nur das neue Gerhard-Richter-Fenster des Kölner Doms ein, dass ich aber eher als postmodernen Kommentar zu den sonstigen sich an solcher Stelle befindenden Heiligenfiguren sehe…

  2. Bee sagt:

    Nun, kommt darauf an, was Du jetzt für “modern” hälst. Gibt ja auch andere Heiligendarstellungen neben dem volkstümlichen Super-Kitsch den man beim peka Verlag bestellen kann.
    Die meisten Darstellungen von Märtyern des 20. Jahrhunders sind modern. (Siehe Edith Stein Denkmal in Köln oder die Fenster in St. Joseph in Zündorf oder Bilder von Maximilian Kolbe.) Auch die Madonna von Stalingrad würde ich zu den modernen Andachtsbildern zählen.

  3. vita sagt:

    Lach nicht, aber bis vor kurzem hab ich mich tatsächlich noch gefragt, ob dieses Bilderverbot sich nicht tatsächlich auch auf Menschen und Tiere bezieht. Aber es wurde mir glücklicherweise von jemanden erklärt, genau so, wie Du es auch oben schreibst. Das erleichtert mich doch sehr, denn ein generelles Bilderverbot fände ich schrecklich. Was uns da alles an Kunst entgehen würde………

  4. beisasse sagt:

    das sind aber viele bibelstellen für einen katholiken. ich vermisse einen hinweis auf jesus als “ikone” gottes. wo steht das nochmal: “er ist das bild (!) des unsichtbaren (!) gottes” oder so. im epheserbrief?
    übrigens finde ich es richtig schick hier.

  5. str1977 sagt:

    Frank, um deinen lobenswerten Beitrag noch zu ergänzen:
    es geht in dem Bilderverbot ja auch um ein Gottesbild/Götzenbilder – da wir aber Heilige nicht als Götter verehren, sind Heiligenbilder auch keine Götzenbilder.
    der einzige Gott, von dem es in katholischen Kirchen Bilder gibt ist Jesus selbst. Das mag dann zuerstmal als Widerspruch erscheinen, aber die Frage wäre ja, warum wir Gott (laut AT) nicht bildlich darstellen sollen – die Antwort ist klar: weil Er gar nicht darstellbar ist. Aber mit der Menschwerdung in Jesus ist dies möglich, denn Jesus sieht ja nun mal irgendwie aus. Das sagte übrigens auch schon das 2. Konzil von Nicaea im 8. Jahrhundert.

  6. Thomas sagt:

    Für mich persönlich ist am interessantesten, dass ich obwohl ich gerne Dinge kritisch hinterfrage, mich nie wirklich mit dem Bilderverbot beschäftigt habe. Obwohl mir das Gebot natürlich bekannt war, hab ich es nie auf die bildlichen Darstellungen angewendet. Frei nach dem Motto, das wird schon seine kirchliche Richtigkeit haben. Zum ersten Mal wirklich darüber nachgedacht habe ich, als ich die oben auch zitierte Stelle im Katechismus gelesen habe.

  7. Frank Mazny sagt:

    @Onkel Toby
    >Gibt es eigentlich auch “moderne” Heiligendarstellungen
    Sehr viele sogar, auch wenn sie mir persönlich meist nicht gefallen. Ich mag lieber den “volkstümlichen Super-Kitsch” wie Bee es bezeichnet hat. Ich weiß nicht wie die Berliner Kirchenlandschaft aussieht, aber besuch mal eine moderne Kirche oder eine, die in den Siebzigern umgestaltet wurde. Dort findest du bestimmt moderne Heilige.
    @beisasse
    >im epheserbrief?
    Guter Hinweis! Nachdem ich es gelesen hatte, fiel es mir auch wieder ein. Im Epheserbrief steht es aber nicht.
    @str1977
    Das steht auch im Zusammenhang mit der Bibelstelle die beisasse erwähnt. Gott hat sich durch die Menschwerdung Christi offenbart, deshalb dürfen wir ihn darstellen. Ich weiß nur nicht wo es steht.

  8. beisasse sagt:

    an die kolosser 1,15:
    “Er [Christus] ist das Bild des unsichtbaren Gottes, / der Erstgeborene vor aller Schöpfung.”

  9. Bee sagt:

    @Frank
    Ich kann ehrlich gesagt auch nicht ganz ohne Santinis. Handy, Bildschirmschoner….

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